Asyl-Streit
Erste Asylbewerber in Aarburg eingezogen – Protestgrillieren geht weiter

Das Verwaltungsgericht gibt dem Kanton recht: Die ersten neun Asylbewerber sind in die Asylunterkunft eingezogen. Es handelt sich um eine Familie aus Syrien und eine aus Afghanistan. Das Protestgrillieren «gegen den Kanton» findet trotzdem statt.

Nora Bader und Fabian Hägler
Merken
Drucken
Teilen
Für insgesamt 90 Asylbewerber ist die Unterkunft in Aarburg ausgelegt, am Mittwoch zogen die ersten neun Personen an der Lindengutstrasse ein.

Für insgesamt 90 Asylbewerber ist die Unterkunft in Aarburg ausgelegt, am Mittwoch zogen die ersten neun Personen an der Lindengutstrasse ein.

Raphael Nadler

Wochenlang hatten sich der Gemeinderat von Aarburg und ein Komitee gegen die geplante Asylunterkunft an der Lindengutstrasse gewehrt. Trotz des heftigen Widerstands haben am Mittwoch Nachmittag die ersten Asylbewerber die Unterkunft in Aarburg bezogen. Der Bezug verlief ohne grosses Aufsehen.

Gemäss Balz Bruder, Leiter Kommunikation beim Departement Gesundheit und Soziales (DGS), zogen neun Personen ein. Es handelt sich dabei um eine fünfköpfige Familie aus Syrien und eine vierköpfige aus Afghanistan. Die Asylsuchenden durften auf Anweisung von Betreuungspersonen noch keine Fragen beantworten. Die Mitarbeiter des Kantons, welche vor Ort waren, verwiesen ans DGS.

Gemeinde akzeptiert Bezug

Gemeindeammann Hans-Ulrich Schär war nicht sonderlich überrascht von den Neuigkeiten: Der Gemeinderat habe damit gerechnet. «Auch wenn wir nicht alles verstehen, akzeptieren wir es. Der Kanton hat nichts Illegales getan.» Und der Gemeinderat habe alle ihm möglichen rechtlichen Mittel ausgeschöpft. Auch wenn das Thema noch nicht vom Tisch sei. Berührungsängste habe er nicht. «Ich kann mir vorstellen, dass der Gemeinderat die neuen Bewohner einmal besuchen wird.»

Den Einzug habe er selber nicht mitverfolgt, weil er gearbeitet habe, sagt Protestanführer Felix Grendelmeier. Und nach weiteren Aktionen gefragt: «Was sollen wir noch tun? Wir haben realistisch gesehen keine Chance.» Das Protestgrillieren gegen «die Machenschaften des Kantons und nicht gegen Asylsuchende» fand aber trotz Regenwetter wieder statt. Ausnahmsweise an einem Mittwoch anstatt dienstags, weil vorgestern Dienstag die Schweizer Fussballnationalmannschaft gegen Argentinien gespielt hatte.

Regierung beantwortet Petition

Protestanführer Felix Grendelmeier überbrachte Regierungsrätin Susanne Hochuli am 26. Mai die Petition «Wir sagen Nein zur kantonalen Asylunterkunft an der Lindengutstrasse 5 und 7 in Aarburg» mit knapp 1400 Unterschriften. In einem Brief an Grendelmeier hat der Regierungsrat nun Stellung bezogen. Grendelmeier hat das Schreiben auf Facebook veröffentlicht. Er habe die Anzahl Unterschriften und das Anliegen zur Kenntnis genommen, schreibt der Regierungsrat.

Und weiter: «Die Unterbringungssituation für Asylsuchende und vorläufig Aufgenommene im Kanton Aargau ist sehr angespannt». Aufgrund der Erfahrungen vieler Monate mit überbelegten kantonalen Unterbringungsstrukturen, der Tatsache, dass viele Gemeinden ihrer Aufnahmepflicht nicht oder nur schleppend nachkommen und den vermehrt zu erwartenden schutzbedürftigen Familien aus dem bürgerkriegsgeplagten Syrien, habe sich das DGS gezwungen gesehen, für Familien geeignete Objekte anzumieten.

«Miteinander ist möglich»

Das DGS sei sich bewusst, dass die Gemeinde Aarburg soziostrukturell mit Belastungen konfrontiert sei. Deshalb suche der Kanton nach tragfähigen Lösungen, um die Umfeldauswirkungen der Asylunterkunft – etwa auf die Schule sowie deren Infrastruktur – in Grenzen zu halten. «Notwendig dafür ist allerdings die konstruktiv-sachliche Mitarbeit der Gemeindebehörden.» Aus diesen Überlegungen heraus stütze der Regierungsrat die Anmietung an der Lindengutstrasse 5 und 7 in Aarburg.

Er ist überzeugt, dass ein einvernehmliches Miteinander von Einwohnern und Asylsuchenden möglich ist. Der mit der Betreuung und Unterbringung beauftragte kantonale Sozialdienst werde mit flankierenden Massnahmen für einen reibungslosen Ablauf sorgen.

Gericht entschied gegen Aarburg

Gegenüber Tele M1 erklärte Balz Bruder, bei den Asylbewerbern in Aarburg handle es sich um Personen, die im Verfahren seien. «Es sind keine abgewiesenen Asylsuchenden, sondern Familien, mit denen es erfahrungsgemäss kaum Probleme gibt», sagte Bruder. Er hielt zudem fest, vergangene Woche habe das kantonale Verwaltungsgericht den Bezug der Unterkunft gutgeheissen.

Das Gericht habe eine Beschwerde des Aarburger Gemeinderats abgewiesen und eine Verfügung aufgehoben, welche den Bezug der Liegenschaft untersagte. Gemeindeammann Hans-Ulrich Schär wollte sich gegenüber der Aargauer Zeitung nicht zu diesem Entscheid äussern.