Asylbewerber
Erst im Aargau verhaftet – nach der DNA-Probe tauchte junger Marokkaner unter

Im Januar griff die Polizei einen jungen Marokkaner ohne Ausweis am Bahnhof Brugg noch auf und nahm ihn vorübergehend in Haft. Danach verschwand er – im Ausland liegen zwei rechtskräftige Jugendurteile gegen ihn vor.

Fabian Hägler
Drucken
Der junge Marokkaner musste eine DNA-Probe abgeben. (Symbolbild)

Der junge Marokkaner musste eine DNA-Probe abgeben. (Symbolbild)

Keystone

Fast 500-mal liess die Staatsanwaltschaft im letzten Jahr im Aargau ein DNA-Profil erstellen. Dass eine solche Anordnung im Amtsblatt ausgeschrieben wird, wie im Fall von Driss Bandada, ist hingegen äusserst selten. In den letzten fünf Jahren kam dies genau einmal vor – eben beim jungen Marokkaner.

Dieser ist weder bei den Asyl- noch bei den Ausländerbehörden im Aargau erfasst. Die Jugendanwaltschaft wirft ihm illegale Einreise und rechtswidrigen Aufenthalt vor.

Doch wie konnte es dazu kommen, schliesslich wurde Driss Bandada ja Ende Januar von der Polizei aufgegriffen und kontrolliert? Fiona Strebel, die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, sagt auf Nachfrage: «Der junge Mann wurde damals vorübergehend festgenommen.»

Driss Bandada sei in der Nacht am Bahnhof Brugg aufgegriffen und für weitere Abklärungen vorläufig im Zentralgefängnis inhaftiert worden. «Die erkennungsdienstliche Behandlung und die polizeiliche Befragung mittels Dolmetscher erfolgten im Verlaufe des nächsten Tages.»

Im Ausland verurteilt

Gegen den Marokkaner, dessen Alter mit 16 oder 18 Jahren angegeben wird, liegen im Ausland zwei rechtskräftige Jugendurteile wegen verschiedener Delikte vor. Strebel weist darauf hin, dass es sich um ein Jugendstrafverfahren handelt, das gemäss Strafprozessordnung unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet.

«Die Jugendanwaltschaft als Untersuchungsbehörde habe im vorliegenden Fall umfassender informiert, um Missverständnissen und falschen Spekulationen vorzubeugen. Strebel hält aber fest: «Auf einzelne Delikte, Schuldsprüche oder persönliche Verhältnisse des jungen Mannes kann aus diesen Gründen nicht eingegangen werden.»

Sie ergänzt, die polizeilichen Ermittlungen gegen Bandada seien am Tag nach der vorübergehenden Festnahme abgeschlossen worden. «Dabei ergaben sich keinerlei Hinweise auf weitere strafbare Handlungen.»

Er wollte Asyl beantragen

Aber warum hat die Jugendanwaltschaft jetzt angeordnet, ein DNA-Profil des Marokkaners zu erstellen? Strebel erklärt: «Nachdem er die Absicht geäussert hatte, in der Schweiz einen Asylantrag stellen zu wollen, wurde er nach Rücksprache mit dem Amt für Migration und Integration zu Handen der nächsten Asyl-Empfangsstelle entlassen.» Dort ist Driss Bandada allerdings nie eingetroffen, stattdessen könnte er sich nun illegal im Aargau aufhalten.

Was würde dem jungen Marokkaner drohen, wenn er gefunden wird? Strebel sagt: «Im Rahmen der jugendstrafrechtlichen Möglichkeiten sowie unter Berücksichtigung der vorliegenden Umstände in der Regel ein Verweis oder ein bedingter Freiheitsentzug.» Bei Ersttätern erfolge die Verurteilung in der Regel in Abwesenheit.