Vor rund einem Jahr musste Ingo Malm sein Ärztezentrum in Berikon schliessen. Später wurde der Konkurs eröffnet, der deutsche Arzt sass in Untersuchungshaft. Inzwischen ist Malm, dem im Aargau die Berufsausübungsbewilligung entzogen wurde, unter anderem wegen Betrugs, Urkundenfälschung und Veruntreuung angeklagt. Malm ist zudem wegen illegaler Abgabe von Ritalin vorbestraft und hat beim Konkurs seiner ersten Praxis in Rudolfstetten bereits einen grossen Schuldenberg hinterlassen.

Wann der Prozess gegen Ingo Malm stattfindet, ist derzeit offen. Laut der Staatsanwaltschaft soll der Arzt trotz des Verbots weiterhin Patienten behandelt haben. Ihm wird vorgeworfen, dass er auf Rezepten und Berichten die Namen anderer Ärzte aufführte, um dies zu vertuschen. Zudem soll Malm auch Arbeitnehmerbeiträge nicht weitergeleitet, Quellensteuern veruntreut und Misswirtschaft betrieben haben.

Ingo Malm verhökert seine Praxis

Ingo Malms Praxis in Berikon wurde konkursamtlich versteigert.

Video am 13. Oktober 2018 veröffentlicht.

Widerrechtlich im Einsatz?

Nach dem Konkurs der Praxis wurde das Inventar liquidiert, seit der Versteigerung im Oktober 2018 wurde es ruhig um Malm. Nun ist der 63-Jährige offenbar in Österreich aufgetaucht, wie eine lokale Quelle im Tirol der AZ mitteilt. Malm habe in der ersten Januarwoche in der Gemeinde Matrei widerrechtlich und ohne Zulassung durch die Behörden und die Ärztekammer tagelang Notarztdienst geleistet. Malm sei von einem österreichischen Berufskollegen angeheuert worden und habe ein tägliches Honorar von 1500 Euro erhalten – zuzüglich Hotel und Essen. Laut der Quelle war er mit seiner Frau im Tirol und fuhr einen BMW X5. Inzwischen soll Ingo Malm in die Schweiz zurückgekehrt sein, während in Österreich die Gesundheitsbehörden und die Ärztekammer den Vorfall untersuchen.

Behörden untersuchen den Fall

Nachfragen der AZ bei mehreren Stellen im Tirol zeigen: Die Behörden nehmen den Fall ernst. Andreas Köll, Bürgermeister in Matrei, teilt mit: «Wir sind dabei, diese auch uns übermittelten Vorwürfe zu recherchieren und zu prüfen.» Köll ist zugleich Obmann des Bezirkskrankenhauses Lienz, dort hat der Koordinator für den Einsatz der Notfallärzte den Fall übernommen.

Der Regierung des Bundeslands Tirol waren die Vorwürfe gegen Ingo Malm bis zur Anfrage der AZ nicht bekannt. Bettina Sax von der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit hält fest, eine Rücksprache bei der Tiroler Ärztekammer habe ergeben, «dass dieser am Dienstag eine entsprechende Information zugegangen ist». Die Ärztekammer werde sich an die Bezirkshauptmannschaft wenden – das zuständige Amt im betreffenden Verwaltungsbezirk. Dieses soll laut der Sprecherin der Tiroler Landesregierung überprüfen, «ob eine Person ohne die entsprechende Berufsberechtigung eine ärztliche Tätigkeit ausgeübt hat beziehungsweise ob in diesem Zusammenhang ein Verwaltungsstraftatbestand vorliegt».

Weitere inhaltliche Auskünfte könnten erst erteilt werden, wenn das Verfahren abgeschlossen sei, sagt die Sprecherin. Ob sich Ingo Malm mit dem Einsatz als Notfallarzt in Österreich strafbar gemacht hat, bleibt damit vorerst offen. Bettina Sax hält allerdings heute schon fest: «Herr Malm ist jedenfalls nicht in die österreichische Ärzteliste eingetragen.»