Erneuerbare Energie
Strom vom Flusskraftwerk, Pipeline zur Tankstelle, Betrieb von Postautos: Axpo plant in Brugg eine Wasserstoff-Produktionsanlage

Am Industriestandort Wildischachen in Brugg soll eine klimafreundliche Wasserstoffanlage entstehen. Das planen die Stromproduzentin Axpo, der Tankstellen- und Busbetreiber Voegtlin-Meyer, der Energieversorger IBB AG und die Stadt Brugg gemeinsam. Für das Baurecht würde die Ortsbürgergemeinde Brugg jährlich gut 100'000 Franken von der Axpo erhalten.

Fabian Hägler
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Bald sollen in der Region Brugg wieder Wasserstoff-Postautos fahren, wie schon in einem Versuch von 2011 bis 2017.

Bald sollen in der Region Brugg wieder Wasserstoff-Postautos fahren, wie schon in einem Versuch von 2011 bis 2017.

Michael Hunziker

Im Industriegebiet Wildischachen in Brugg ist eine Wasserstoffproduktionsanlage geplant, die auf eine installierte Leistung von bis zu 15 Megawatt ausgelegt wird und jährlich mittels Elektrolyse rund 2000 Tonnen grünen Wasserstoff liefern soll.

Die Anlage soll auf der Parzelle der Ortsbürgergemeinde Brugg im Wildischachen erstellt werden. Der Standort sei aufgrund seiner zentralen Lage ideal, teilten die Unternehmen Axpo, Voegtlin-Meyer und die IBB Energie AG (IBB) sowie die Stadt Brugg am Montag mit. Es seien entsprechende Absichtserklärungen unterzeichnet worden.

Flusskraftwerk Wildegg-Brugg: Von hier kommt der Strom für die Wasserstoff-Produktionsanlage, die im Wildischachen Brugg geplant ist.

Flusskraftwerk Wildegg-Brugg: Von hier kommt der Strom für die Wasserstoff-Produktionsanlage, die im Wildischachen Brugg geplant ist.

Raphael Hünerfauth

Der für die Produktion benötigte Strom wird vollumfänglich aus dem Flusskraftwerk Wildegg-Brugg kommen, heisst es in der Mitteilung weiter. Die Wasserstoffproduktionsanlage soll dazu mit einem direkten Kabel ans Kraftwerk angeschlossen werden, wie es in den Unterlagen der Ortsbürgergemeinde heisst.

Mit der direkten Anbindung an das Kraftwerk werde die klimaneutrale Produktion von Wasserstoff sichergestellt. Mittels einer Pipeline soll der produzierte Wasserstoff dann zur nahegelegenen Tankstelle des Unternehmens Voegtlin-Meyer geleitet werden. Es ist auch geplant, den Treibstoff an weitere Tankstellen in der Region zu vertreiben.

300 Postautos jährlich und Wärme für die Nachbarn

Damit stehe der Wasserstoff einerseits privaten Nutzern zur Verfügung, andererseits könne er für Busse oder Postautos eingesetzt werden, teilen die Projektpartner mit. Mit der produzierten Wasserstoffmenge können jährlich rund 300 Lastwagen oder Busse betrieben werden. Das Projekt leiste damit einen wichtigen Beitrag, um die CO2-Emissionen im Strassenverkehr zu reduzieren, heisst es weiter.

Hier soll die Wasserstoff-Tankstelle entstehen: Voegtlin-Meyer AG an der Wildischachenstrasse 6 in Brugg.

Hier soll die Wasserstoff-Tankstelle entstehen: Voegtlin-Meyer AG an der Wildischachenstrasse 6 in Brugg.

zvg

Voegtlin-Meyer plant, den grünen Wasserstoff für die im Auftrag der Postauto AG betriebenen Busse einzusetzen. Schon zwischen Dezember 2011 und Februar 2017 fuhren in der Region Brugg spezielle Busse, die mit Wasserstoff angetrieben wurden. Brennstoffzellen auf dem Dach der Busse wandelten den Wasserstoff in Strom um. Dabei entstehen keine Abgase, lediglich Wasserdampf wird ausgestossen, die Postautos fuhren also emissionsfrei.

Der Versuch mit den Brennstoffzellen-Postautos wurde im Herbst 2016 eingestellt, weil sich gezeigt hatte, dass diese nicht wirtschaftlich waren. «Die Instandhaltungskosten für die Fahrzeuge sind gestiegen und der Betrieb pro Kilometer ist deutlich teurer als bei Dieselbussen», sagte Urs Bloch, Mediensprecher von Postauto Schweiz, damals auf Nachfrage.

Abwärme der Anlage soll künftig umliegende Betriebe heizen

Postauto hatte für die Brennstoffzellen-Busse ebenfalls im Gebiet Wildischachen eine Tankstelle errichtet, wo der Wasserstoff produziert wurde. Diese wurde ebenfalls 2017 stillgelegt, Bloch betonte jedoch, dass die Stilllegung kein Rückbau sei und die Möglichkeit bestehe, den Betrieb zu einem späteren Zeitpunkt ohne grossen Aufwand wieder aufzunehmen.

Die Projektierung der Pipeline wird durch die Brugger Energieversorgerin IBB Energie AG vorgenommen. Von der aus dem Elektrolyseverfahren resultierenden Abwärme könnten künftig auch die Industrienachbarn im Gebiet Wildischachen profitieren: In einem weiteren Schritt soll diese erneuerbare Energie in einem Wärmenetz genutzt werden.

Brugger Ortsbürger erhalten für Baurecht gut 100'000 Franken pro Jahr

Die Ortsbürgergemeinde Brugg wird im Dezember 2021 über die Vergabe des Grundstücks im Baurecht entscheiden. Nötig ist für die Anlage eine Fläche von rund 6500 Quadratmetern, bei einem Ja der Ortsbürger zum Baurecht könnte die Wasserstoffproduktion Ende 2023 starten. Der Baurechtsvertrag ist bis Ende 2033 befristet, die Axpo soll das Recht erhalten, diesen bis Ende 2043 zu verlängern.

Für das Baurecht auf der Parzelle muss die Axpo der Ortsbürgergemeinde Brugg einen jährlichen Baurechtszins von 101'175 Franken entrichten, wie es in den Unterlagen zum Geschäft heisst. Der Baurechtszins basiert auf einer Marktwertschätzung von 417 Franken pro Quadratmeter sowie einem Zinssatz von jährlich 3,7 Prozent.

Axpo muss Wasserstoffanlage spätestens 2043 wieder abreissen

«Mit der Baurechtsvergabe an die Axpo kann für das bereits sehr lange brachliegende Grundstück für die nächsten 10 bis 20 Jahre eine höhere Wertschöpfung generiert werden», heisst es im Antrag an die Ortsbürgergemeinde. Je nach Länge des Baurechts erhalten die Ortsbürger damit gut 1 Million oder gut 2 Millionen Franken.

Die Axpo ist nach Ablauf des Baurechts verpflichtet, sämtliche Bauten und Anlagen auf eigene Kosten zurückzubauen, damit die Fläche wieder landwirtschaftlich genutzt werden könnte. Für die Ortsbürgergemeinde besteht die Option, die Fundamente der erstellten Bauten und Anlagen unentgeltlich zu übernehmen. «Die Baurechtsvergabe für lediglich 10, allenfalls 20 Jahre, bietet die Möglichkeit, das Grundstück längerfristig wieder für andere Nutzungen oder Betriebe zur Verfügung zu stellen», heisst es in den Unterlagen der Ortsbürgergemeinde.

Die Mitte fordert Notstromanlagen auf Wasserstoffbasis


Die Mitte-Fraktion hat im Grossen Rat ein Postulat zur Sicherstellung der Stromversorgung bei einer Mangellage eingereicht. Darin wird die Regierung aufgefordert, einen neu angepassten Plan für eine Strom-Mangellage zu erstellen sowie die AEW Energie AG, Netzbetreiber und Kraftwerksbetreiber beim Bau von dezentralen, auf Wasserstoff basierenden Notstromanlagen zu unterstützen. Der Bau von kleinen Gaskraftwerken, wie es der Verband Powerloop vorgeschlagen hatte, ist für Die Mitte keine Option, weil dabei ein fossiler Energieträger verbrannt werde. Notstromanlagen auf Basis der Brennstoffzellentechnologie – oder auch Wasserstoffmotoren, dezentral über den Kanton verteilt – können in einer Strom-Mangellage zugeschaltet und eine Netzabschaltung so verhindert werden, schreibt Die Mitte. (fh)

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