Ernährung
Geringere Sterblichkeit, weniger Wiedereintritte – Ernährungstherapie bei Patienten zeigt Wirkung

Eine gross angelegte Beobachtungsstudie des KSA belegt den breiten Nutzen einer behandlungsbegleitenden Ernährungstherapie.

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Einem Patienten wird Essen serviert.

Einem Patienten wird Essen serviert.

Gaetan Bally / KEYSTONE

(lzu) Es ist bekannt, dass Patienten mit akuten Erkrankungen weniger essen, Gewicht abnehmen und deswegen schlechtere Langzeitprognosen haben. Oft sind Patienten auch schon vor der Spitaleinweisung mangelernährt. Klinische Studien aus der Vergangenheit konnten nachweisen, dass Mangelernährung zu einem anderen Krankheitsverlauf und zu einer schlechteren Überlebensprognose führen.

Jüngst erschienene Studien zeigten ausserdem, dass eine aktive Ernährungsberatung mit entsprechender Therapie einen positiven Einfluss auf die Prognose der Patienten hat. Seit 2013 wird deswegen auch der Ernährungszustand durch SwissDRG erfasst und hat einen Einfluss auf die Zusammensetzung der Fallpauschale.

Schweizweit durchgeführte Beobachtungsstudie

Erstmals konnten jetzt Forschende aus dem Kantonsspital Aarau (KSA) in einer Beobachtungsstudie zeigen, dass sowohl eine Ernährungsberatung als auch eine ergänzende Ernährungstherapie vorteilhaft für den Patienten ist. Dazu wurden Daten des Bundesamtes für Statistik von schweizweit über 100'000 hospitalisierten mangelernährten Patientinnen und Patienten analysiert.

Konkret wurde die Spitalsterblichkeit von Patienten, die eine Ernährungstherapie bekommen haben, mit jener von Patienten verglichen, die nicht von einer Ernährungsberatung begleitet wurden. Auch mögliche Zusammenhänge zwischen einer stattgefundenen Ernährungstherapie und der Wiedereintrittsrate wurden untersucht, und der allfällige Einfluss einer Ernährungstherapie auf die Anzahl notwendig werdender Anschlusslösungen nach einem Spitalaufenthalt (Pflegeheim, Altersheim, etc.) wurde überprüft. Mittels statistischer Methoden wurde gewährleistet, dass die beiden Gruppen möglichst vergleichbar waren.

Geringere Sterblichkeit, weniger Wiedereintritte

Die Resultate zeigen die Wirksamkeit einer Ernährungstherapie: Bei mangelernährten, unbehandelten Patienten fand sich eine Spitalsterblichkeit von 8.8%. Bei den mangelernährten Patienten mit zusätzlicher Ernährungsunterstützung verstarben lediglich 7.2%. Dies entspricht einer relativen Risikoreduktion von knapp 20%.

Zusätzlich konnte gezeigt werden, dass weniger Patienten nach dem Spitalaustritt eine Anschlusslösung brauchten, wenn sie zuvor eine Ernährungstherapie erhalten hatten. Auch weniger Wiedereintritte ins Spital waren bei dieser Versuchsgruppe verzeichnet.

Wichtige Bedeutung für Schweizer Spitäler

Diese Resultate des KSA-Forschungsteams fasst eine kürzlich in der Fachzeitschrift «JAMA Network Open» veröffentliche Studie zusammen. Die gross angelegte Studie hat damit im «Alltagstest» in Schweizer Spitälern bestätigt, dass eine Ernährungstherapie bei mangelernährten Patienten im Spital einen breiten Nutzen im Hinblick auf die Sterblichkeit, Wiedereintrittsrate sowie Spitalanschlusslösungen hat. Als Ergänzung zu früheren klinischen Studien kann sie zur Sensibilisierung der Spitalmitarbeitenden und der Patienten für eine Ernährungstherapie beitragen.

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