Nach einem Notruf kurz vor Mittag fanden Polizisten am 23. Juli 2013 im Brugger Ortsteil Lauffohr eine tote Frau, die in ihrem schwarzen Ford Fiesta lag.

Bald war klar: Die 50-jährige Schweizerin wurde das Opfer eines Tötungsdelikts. Per Notruf um Hilfe gebeten hatte ihr Ehemann, ein damals 40-jähriger Türke.

Allerdings schilderte eine Augenzeugin gegenüber Tele M1, dass der Mann eine Stunde vor dem Hilferuf aus dem Auto stieg. Wegen häuslicher Gewalt hatte er nach einer polizeilichen Wegweisung schon seit Mai 2013 getrennt von seiner Frau gelebt.

Tote Frau in Lauffohr bei Brugg gefunden.

Tote Frau in Lauffohr bei Brugg gefunden. (24.7.2013)

Wenige Stunden nach der Tat liess die zuständige Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach den Mann verhaften. Sie ging von einem Beziehungsdelikt aus. Der Türke äusserte sich nicht und schwieg beharrlich.

Tötungsdelikt in Lauffohr: Polizei findet Leiche in Auto

Ehemann der Toten festgenommen - sie wollten den gemeinsamen Haushalt auflösen (25.7.2013)

Die Ermittlungen stockten, die Kantonspolizei wandte sich einige Tage später mit einem Zeugenaufruf samt Fotos von Verdächtigem und Opfer an die Öffentlichkeit — ein durchschlagender Erfolg blieb jedoch aus.

Die Ermittlungen im Mordfall von Lauffohr sind ins Stocken geraten.

Die Ermittlungen im Mordfall von Lauffohr sind ins Stocken geraten. (31.7.2013)

So blieb das Motiv für die mögliche Tat im Dunkeln. Doch nun, fast zwei Jahre später, sind die Ermittler um einiges weiter. Das geht aus einem Bundesgerichtsurteil hervor, das zwar schon vom Mai 2014 stammt, aber erst kürzlich publiziert worden ist. Eine solche Verzögerung kann das Bundesgericht anordnen, wenn ein laufendes Strafverfahren betroffen ist.

Aus dem Urteil geht hervor, dass gegenüber dem Türken nach wie vor der dringende Verdacht einer vorsätzlichen Tötung beziehungsweise eines Mordes besteht. Offenbar hatte er damals sein Schweigen beendet.

Er bestreite die Tötung zwar nicht, gebe aber an, sich nicht an die Tat erinnern zu können. Wie aus dem Urteil weiter hervorgeht, bestehen «Anhaltspunkte», dass der Verdächtige in der Türkei seit langem «nach Brauch» mit einer Landsfrau verheiratet ist und mit ihr mehrere Kinder hat.

Ebenso, dass er seine Schweizer Ehefrau «beseitigte», nachdem sie sich von ihm habe scheiden lassen wollen. Denn damit hätte er insbesondere keine Aussicht mehr auf eine erleichterte Einbürgerung gehabt.

Neue Erkenntnisse aus E-Mails

Das Tatmotiv zu klären, ist bei einem Schuldspruch für die Strafzumessung von Bedeutung. Um bei den Ermittlungen dazu einen entscheidenden Schritt weiter zu kommen, wollte die Staatsanwaltschaft auf ein E-Mail-Konto des Verdächtigen zugreifen — inklusive der Mails, die er noch nicht heruntergeladen hatte und die sich damit nur auf dem Server des Providers befanden.

Um auf den E-Mail-Account zuzugreifen, war eine Beschlagnahmung nötig. Bei den Daten, die sich einzig auf dem Server des Providers befanden, dagegen eine sogenannte Überwachung.

Der Provider lehnte die Herausgabe der Daten jedoch ab und verlangte eine richterliche Genehmigung. Und auf das entsprechende Gesuch trat das zuständige kantonale Zwangsmassnahmengericht nicht ein. Die Staatsanwaltschaft zog den Entscheid deshalb vor das Bundesgericht.

Dieses genehmigte der Staatsanwaltschaft die Überwachung gleich selbst, statt den Entscheid an die Vorinstanz zurückzuweisen, um damit eine Verlängerung des Verfahrens zu vermeiden. Damit konnte die Staatsanwaltschaft nun also auch jene E-Mails an den Türken einsehen, die sich nur auf dem Providerserver befanden und die er selbst noch gar nicht gesehen hatte.

Die Staatsanwaltschaft ist dadurch offenbar einen wichtigen Schritt weiter gekommen. Statt von Anhaltspunkten spricht Mediensprecherin Fiona Strebel auf Anfrage der az nun von «konkreten Anhaltspunkten auf die vom Bundesgericht geschilderten Umstände». Es stünden noch letzte Auswertungen aus. Deshalb könne die Staatsanwaltschaft dazu sowie zum Tatmotiv noch keine Angaben machen.

Auch zur Todesursache, die nach der Tat noch unklar war, sowie zum Resultat eines rechtsmedizinischen Gutachtens macht Fiona Strebel keine Angaben.

«Wie das Opfer gestorben ist, beziehungsweise welche Tathandlungen dem Beschuldigten vorgeworfen werden, kommunizieren wir ebenfalls erst mit der Anklageerhebung.» Diese soll voraussichtlich bis Ende 2015 erfolgen. Der Verdächtige befindet sich nach wie vor in Untersuchungshaft.