Eierwerfen, Schlägereien und Brandstiftung – Im Kanton Aargau gingen im letzten Jahr über 50 Meldungen wegen Sachbeschädigung, Ruhestörung und Tätlichkeiten ein. «In den letzten Jahren entfernten sich die Jugendlichen weit weg von den gebräuchlichen Aktivitäten an Halloween und sehen den Anlass zunehmend als Freipass, um Unfug zu treiben», sagt Bernhard Graser, Sprecher der Kantonspolizei Aargau, gegenüber «20 Minuten».

Vor allem Schulhöfe und sonstige Freizeit-Treffpunkte stehen im Visier. Um Unfug zu vermeiden, führt die Kantonspolizei auch dieses Jahr zusammen mit den Regionalpolizeien vermehrt Patrouillen durch. Die Beamten würden das Gespräch mit Jugendlichen gezielt suchen und diese auch ermahnen.

Wie Graser gegenüber dem «Regionaljournal Aargau/Solothurn» erklärte, sind die Altersklassen breit gefächert. «Zu denken gibt aber, dass wir auch mitten in der Nacht auf 10-jährige Kinder stossen, die ohne Begleitung noch unterwegs sind.» Es gebe aber auch 25-jährige, welche sich zu Blödsinn hinreissen lassen würden.

Zivilschutz macht Kontrollen in Neuenhof

Viele Gemeinden machten die Bevölkerung darauf aufmerksam, dass die Polizei kein Fehlverhalten dulden werde. «In den letzten Jahren ist der Halloween-Brauch ausgeartet: An Privat- und Gemeindeeigentum wurden mutwillig enorme Schäden angerichtet», heisst es beispielsweise bei der Gemeindepolizei Buchs, «dabei wurde teilweise sogar Leib und Leben gefährdet.»

Dieses Verhalten sei «nicht tolerierbar». In vielen Gemeinden werden die Jugendlichen darauf hingewiesen, dass es sich bei Halloween nicht um einen schweizerischen Brauch handelt und dieser in der Schweiz keine Tradition habe.

Während einzelne Gemeinden in der Halloween-Nacht auf private Sicherheitsdienste zählen, patrouillieren in Neuenhof Zivilschutzangehörige und Mitglieder des Hundedressurvereins.

Woher die Lust nach Randalen kommt, ist schwer auszumachen. Eine gewisse Rolle spielt aber sicherlich die Anonymität, welche den Jugendlichen durch die Gruselkostüme verliehen wird. Ein weiterer Faktor könnte die entstehende Gruppendynamik sein.

Halloween ist auch ein gesellschaftliches Ereignis

Eine Umfrage der Aargauer Zeitung zeigt ein deutliches Bild: Nur gerade ein Fünftel der Teilnehmenden freuen sich ab den verkleideten Kindern und verteilen gerne Süssigkeiten. «Lasst den Kindern doch den Spass», schreibt ein Leser.

Eine 18-jährige Frau erinnert sich an ihre Halloween-Erfahrungen: «Wir bastelten jeweils aufwendige Kostüme und sind dann losgedüst. Viele haben uns etwas Süsses oder zwei Franken gegeben».

Um auch dieses Jahr gewappnet zu sein, hat sie sich bereits mit einem grossen Sack Sugus eingedeckt. Sie findet: «Lasst den Kindern doch diese Erfahrung.»

Ein weiterer Kommentarschreiber sieht auch einen gesellschaftlichen Aspekt in Halloween: Kostüme basteln und mit Freunden von Tür zu Tür ziehen, mache sicherlich Spass. «Viele haben Halloween nicht selbst als Kind miterlebt und können so gar nicht wissen, was es überhaupt für die Kinder bedeutet schreibt er.»

Heisse Münzen und Wasser gegen Kinder

64% der Teilnehmer können mit dem Halloween-Brauch hingegen gar nichts anfangen und bezeichnen ihn als «total nervig». 16% finden den Brauch ok, sind aber froh, wenn keine Kinder an der Tür klingeln. Dass Halloween bei uns keine Tradition hat, stösst vielen auf, wie User Esther Berner schreibt: «Der Brauch ist ja ok, hat aber bei uns keine Tradition, genauso wie z.B. das Oktoberfest.»

Eine andere Leserin schreibt: «Besinnen wir uns lieber an unsere traditionellen Bräuche, anstelle von Importen.» Und weiter: «Blödsinniger Amibrauch, von den dämlichen Europäern übernommen.» Andere User scheuen nicht mit harten Worten: «Ich gebe den Kindern immer Saures! Und zwar ganz grosszügig!»

Rahel Loosli hat ein Rezept gefunden: Sie wirft den Kindern feuerheisse Münzen zu oder spritzt sie mit dem Gartenschlauch nass. Das geht für einige jedoch zu weit: «So etwas geht ja gar nicht», bringt die Userin M. Mandy die vielen Reaktionen auf den Punkt.