Aargau

Erfreuliche Nachricht: Es gibt genügend politisch engagierte Leute

In den Gemeinden gibt es genügend Kandidaten, die sich politisch engagieren wollen.

In den Gemeinden gibt es genügend Kandidaten, die sich politisch engagieren wollen.

Es besteht kein Grund zur Panikmache: Obwohl politisches Engagement immer weniger gefragt ist, gibt es fast überall genügend Kandidaten für die Gemeindewahlen vom 22. September. Mancherorts kommt es gar zu harten Kampfwahlen.

Die Sommerferien sind vorbei. Ganz besonders war der Schulstart Anfang Woche für die Tausenden neuen Kinder- gärtler und Erstklässler. Speziell ist 2013 auch für die Hunderten Gemeinderäte, die nach vier Jahren alle neu gewählt werden müssen. Zeitgleich mit dem Ferienende lief die Anmeldefrist für den Wahlgang vom 22.September ab, dem Aargauer «SuperSunday». Und es offenbarte sich eine weitere Parallele zur Schule: Entgegen allen Befürchtungen noch vor den Sommerferien konnten nicht nur sämtliche Lehrerstellen besetzt werden, es fanden sich vielerorts auch genügend Kandidatinnen und Kandidaten für die Gemeindelegislatur 2014-2017.

Im Rheinstädtchen Laufenburg kassierten die Ortsparteien zuerst zahlreiche Absagen - dies beim angekündigten Rücktritt von vier der fünf Stadträte. Jetzt stehen gleich sieben Kandidaten (leider keine Kandidatinnen) zur Auswahl. Im Freiämter Dorf Oberrüti, das wegen eines geplanten Betonwerks zerstritten ist, wirft ebenfalls die Mehrheit der Behörde den Bettel hin. Trotzdem raufte sich ein Wahlkomitee zusammen und motivierte drei Einwohner zur Kandidatur. Und in Würenlos, wo acht Kandidierende bereits am 25. August für eine Kampfwahl sorgen, gibt der amtierende Gemeindeammann Hans Ulrich Reber nicht klein bei: Er will es noch einmal wissen, obwohl ihn seine Partei, die FDP, fallen gelassen und eine jüngere Gemeinderätin nominiert hat.

Dieses Engagement ist nicht selbstverständlich. Das Amt eines Gemeinderats ist schwieriger, aufwendiger und undankbarer geworden. Gemeinderäte sind in einer zunehmend unbequemen Sandwichposition. Von unten stossen die Bedürfnisse der Bürger nach einer umfassenden Infrastruktur, einem intakten Dorfleben und nach gesunden Finanzen bei tiefen Steuern. Von oben drücken Kanton und Bund mit zahlreichen Aufgaben und Auflagen. Der Handlungsspielraum der kommunalen Behörden wird immer mehr eingeschränkt. Sie suchen deshalb die Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden, was zu einem Geflecht von Verträgen und Verbänden führt. Die Erosion der Gemeindeautonomie bedeutet für die Gemeinderäte, dass sie praktisch nur noch verwalten, statt zu gestalten.

Es gibt sie: Die Lokalpolitik mit Lust

Hinzu kommt im Kanton Aargau, der keine grossen Städte hat, die ausgeprägte soziale Kontrolle. In Holderbank wird dem Gemeinderat aktuell vorgeworfen, private Interessen über das Allgemeinwohl zu stellen. Er habe für den Bau von Häusern des Vizeammanns und des Neffen eines Gemeinderats illegal eine Quartierstrasse sperren lassen, behaupten die Nachbarn. Unter Druck stehen die beiden Behördenmitglieder auch, weil sie bei der Baubewilligung nicht vollständig in den Ausstand getreten waren - was ihnen eine Rüge der Aufsichtsbehörde eintrug. Dass es für ein exponiertes Amt breite Schultern braucht, bekam in Aarau SP-Stadtammannkandidatin Lotty Fehlmann schon während des Wahlkampfs zu spüren: Sie erlitt ein Burnout und musste sich zurückziehen.

Zum Glück gibt es sie noch, die «Lokalpolitik mit Lust», der eine ganze Sommerserie gewidmet werden konnte. Die az porträtierte sechs langjährige Gemeinderäte, die weitermachen wollen. Die Lust steckt offenbar an: In ihren sechs Gemeinden sind mit insgesamt 26 Bisherigen und 9 Neuen genügend Kandidaturen angemeldet. Klar, es gibt einige Gemeinden im Kanton, die hoffen müssen, dass noch jemand aufs Kandidatenkarussell springt. Doch weil im ersten Wahlgang auch nicht offiziell gemeldete Stimmbürger ins Amt gehievt werden können und in einem zweiten Wahlgang die Hürde tiefer gelegt wird, darf man heute mit gutem Gewissen sagen: Am 1. Januar 2014 werden alle Aargauer Gemeinden eine vollzählige Exekutive haben. Wetten?

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