Pro und Kontra
Erfolgreichste Aargauer Politikerinnen sind gegen Gripen, aber für Armee

Im Aargau ist der Gripen-Abstimmungskampf in weiblicher Hand. Die beiden Ständerätinnen Christine Egerszegi und Pascale Bruderer Wyss sowie die Aargauer Militärdirektorin Susanne Hochuli sind dagegen, sagen aber auch: «Wir sind keine Armee-Gegner.»

Aline Wüst
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Drei gegen den Gripen: Susanne Hochuli, Christine Egerszegi und Pascale Bruderer Wyss.

Drei gegen den Gripen: Susanne Hochuli, Christine Egerszegi und Pascale Bruderer Wyss.

Alex Spichale

Die drei Frauen finden, dass die Schweiz keine 22 neuen Kampfjets kaufen sollte. Es gibt Männer, die finden, dass diese drei Frauen den Mund nicht so weit aufreissen sollten, schliesslich seien sie nie in der Armee gewesen – ja, solche Männer gibt es.

Den drei erfolgreichsten Aargauer Politikerinnen Christine Egerszegi (FDP), Pascale Bruderer Wyss (SP) und Susanne Hochuli (Grüne) ist das egal. Sie finden es zwar frech, zurückschiessen oder die Befürworter des Gripen angreifen, das wollen sie aber nicht. «In dieser Sache sind wird Pazifistinnen», sagt Regierungsrätin Susanne Hochuli. Und alle betonen: «Wir sind keine Armee-Gegner.» Wer das behaupte, der lüge, sagt Ständerätin Pascale Bruderer.

Das Komitee mit seinen drei bekannten Präsidentinnen lud darum zum «Lunch gegen Gripen». Und so assen gestern rund 20 Personen – hauptsächlich Frauen – im Hotel Aarauerhof wahlweise ein Käse-, Schinken- oder Salamisandwich gegen den Gripen.

Warum da vorn ausschliesslich Frauen sitzen, wollte eine Zuhörerin wissen. Pascale Bruderer sagte: «Wir haben nun mal keinen Ständerat, sondern zwei Ständerätinnen.» Ständerätin Christine Egerszegi fügte nonchalant an: «Es gibt keine Frauenquote, also gibt es auch keine Männerquote.» Susanne Hochuli gab noch einen drauf: «Man sagt doch, die Zukunft sei weiblich – oder gar nicht.» Da warf ein Mann im Publikum ein: «Hehe, nicht übertreiben!» Alle lachten.

Während die Anwesenden ihr Sandwich assen, erklärten die Politikerinnen, warum sie gegen den Gripen sind – weil die Gefahr nicht aus der Luft komme, Cyberwar die echte Bedrohung sei, weil man von Freunden umzingelt sei, weil sie eine andere Priorisierung bei der Ausgabe der Mittel für die Armee befürworten. Die Argumente der Gegner eben.

Es ist nun aber nicht so, dass alle Aargauer Frauen gegen den Gripen wären. Um diesem Eindruck entgegenzuwirken, meldeten sich gestern mit einer Medienmitteilung die «Frauen für den Gripen», die explizit darauf hinweisen möchten, dass sich bürgerliche Frauen aus verschiedensten Parteien für den Gripen engagieren. Die Pro-Gripen-Frauen sind Nationalrätinnen wie Sylvia Flückiger (SVP), Corina Eichenberger (FDP) und Ruth Humbel(CVP) sowie vier Grossrätinnen.

Die sieben Politikerinnen sind sicher, dass die 3,2 Milliarden in neue Kampfjets sinnvoll investiert sind. Nur so könne die Sicherheit der Schweiz auch in Zukunft gewährleistet werden. Denn sie sind überzeugt, dass die neue Bedrohung vor allem aus der Luft komme. Die Argumente der Befürworter eben.

Damit haben sich nun alle Frauen, die im Aargau politisch etwas zu sagen haben, in die Abstimmung um den Gripen-Kauf eingemischt. Was nun?

Es soll Frauen geben, die sagen, den Männern falle es schwerer, sich eine sachliche Meinung zum Gripen zu bilden – ja, solche Frauen gibt es.

Pascale Bruderer aber sagte am Ende der Veranstaltung im «Aarauerhof»: «Ich glaube nicht, dass die Gripen-Frage eine geschlechtsspezifische Frage ist.» Sie wird wohl recht haben.

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