Langer Streit
Erfolgreiche Klage der Fischer: Kanton lässt Schlamm aus dem Klingnauer Stausee nun vollständig entsorgen

Der Kanton lässt den Klingnauer Stausee ausbaggern. Das Material soll aber nicht in den Rhein gelangen.

Fabian Hägler
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Um die weitere Verlandung des Klingnauer Stausees durch angeschwemmte Sedimente zu verzögern, wird ein Seitenarm des Klingnauer Stausees reaktiviert.

Um die weitere Verlandung des Klingnauer Stausees durch angeschwemmte Sedimente zu verzögern, wird ein Seitenarm des Klingnauer Stausees reaktiviert.

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Seit über einem Jahrzehnt streiten sich Kanton und Fischer über ein Projekt zur Ausbaggerung des Klingnauer Stausees. Der See ist ein wichtiges Vogelschutzgebiet, er verlandet aber zusehends. Deshalb soll ein Seitenarm ausgebaggert werden, das Projekt wurde vor 13 Jahren gestartet.

Umstritten ist nicht die Ausbaggerung des Schlamms, sondern dessen Entsorgung. Der Kanton sieht vor, einen Teil dieser Sedimente, die mit Schwermetallen und Chemikalien belastet sind, weiter unten in den Rhein einzuleiten.

Kanton zieht Urteil nicht ans Bundesgericht weiter

Dagegen klagte der Fischereiverband – und erhielt vom Verwaltungsgericht recht. Das Vorhaben des Kantons, Sedimente dem Fluss zuzuführen, bedeute eine Verunreinigung im Sinn des Gewässerschutzgesetzes. Nun ist klar: Der Kanton akzeptiert das Urteil und verzichtet auf eine Beschwerde ans Bundes- gericht. In einer Mitteilung hält das Departement Bau, Verkehr und Umwelt fest, der Kanton sei mit der 2018 erteilten Konzession für das Kraftwerk Klingnau verpflichtet, das Projekt möglichst rasch zu realisieren. Bei weiteren Verzögerungen trage der Kanton das Risiko für vergleichbare Massnahmen – mit derzeit unbekannt hohen Folgekosten. Um dies auszuschliessen, hat die Regierung beschlossen, ein Projekt zur Entsorgung sämtlicher Sedimente in einer Deponie zu erarbeiten und dem Grossen Rat vorzulegen.

Wie teuer wird die Variante, bei der gar kein Schlamm in den Rhein gerät? «Konkrete Zahlen gibt es erst, wenn das neue Bauprojekt vorliegt», sagt Norbert Kräuchi, Leiter der Abteilung Landschaft und Gewässer, auf Anfrage. Die Lösung mit teilweiser Einleitung des Schlamms hätte rund 2,9 Millionen Franken gekostet. Das Projekt mit vollständiger Entsorgung werde deutlich teurer, sagt Kräuchi.

Naturparadies Klingnauer Stausee in 27 Bildern:

Ein Naturparadies: Der Klingnauer Stausee aus der Vogelperspektive. Er befindet sich kurz vor der Mündung der Aare in den Rhein in Koblenz. Er ist 1.5 km² gross und wurde 1935 erbaut.
30 Bilder
Der Blick über den Klingnauer Stausee von Döttingen her. Am See findet nicht nur die Bevölkerung aus der Region Erholung. Auch Tagestouristen aus der ganzen Schweiz und dem nahem Ausland kommen hierher. Von den Bahnhöfen Klingnau und Döttingen sowie Koblenz sind die meist asphaltierten Uferwege leicht zu erreichen. Parkplätze finden sich bei der Aarebrücke in Kleindöttingen oder unterhalb des Wasserkraftwerks in Koblenz.
Der Stausee entstand mit dem Bau des Wasserkraftwerks Klingnau: Nach knapp vier Jahren Bauzeit ging es am 7. Juli 1935 in Betrieb. Es produziert dank drei Turbinen mit einer Leistung von 14,3 MW pro Jahr durchschnittlich rund 225 GWh elektrische Energie. Das entspricht dem Verbrauch von 50'000 Haushalten. Es ist im Besitz eines Konsortiums von Axpo und AEW Energie AG.
Am Klingnauer Stausee, auf Seite Kleindöttingen, steht das Naturzentrum, das im Mai 2019 eröffnet wurde.
Impressionen aus dem Naturzentrum.
In der Nähe des Naturzentrums steht der Vogelbeobachtungsturm.
Das BirdLife-Naturzentrum.
Klingnauer Stausee
Vogelkundler (Ornithologen) trifft man hier laufend an.
In wenigen Minuten vom Stausee zu erreichen: Das Städtchen Klingnau. Hier von der anderen Seeseite aus fotografiert.
Blick auf das Vogelparadies Klingnauer Stausee von Kleindöttingen her. Klingnau liegt auf der anderen Seeseite.
Rund um den Klingnauer Stausee mit dem Velo unterwegs – das ist dank der asphaltierten Wege problemlos möglich.
Die Bevölkerung des Unteren Aaretals nutzt die Naturperle, um ihre Seele baumeln zu lassen.
Den Weg rund um den Stausee nutzen auch viele Freizeitsportler – gerade an sonnigen Tagen.
Beliebt: Schwände und Enten füttern am Klingnauer Stausee.
Ornithologen haben hier bisher über 310 verschiedene Vogelarten gesehen – im Bild: Zwei junge Rauchschwalben warten einträchtig auf die Mutter mit dem Futter.
Schwäne und Enten auf einer Insel im Klingnauer Stausee.
Der letzte Atemzug – bevor der kleine Frosch im Rachen des Graureihers verschwindet.
Eine Rostgans geniesst das Bad im Klingnauer Stausee...
..., wie auch dieses Bild zeigt.
Seltener Gast. Ein Löffler rastet am Klingnauer Stausee.
Weisse Pracht: Ein Seidenreiher auf der Jagd am Klingnauer Stausee.
Auf Klingnauer Seite befindet sich das Naturschutzgebiet Machme, wo Wasserbüffel zeitweise leben und grasen.
Ein Alpenstrandläufer am Klingnauer Stausee auf Futtersuche.
Einfach schön: Die Skyline am Klingnauer Stausee.
Eine Anlegestelle mit einem Boot der Klingnauer Pontoniere. Sie trainieren allerdings nicht auf dem Stausee, sondern unterhalb des Wasserkraftwerks.
Eine der vielen gefiederten Schönheiten am Naturparadies: Eine Kolbente (Männchen).
Blick vom Winzerdorf Döttingen auf Reben, Klingnau und den Klingnauer Stausee.
An Silvester findet alljährlich der Gippinger Stauseelauf statt: Hunderte Läufer nehmen jeweils daran teil.

Ein Naturparadies: Der Klingnauer Stausee aus der Vogelperspektive. Er befindet sich kurz vor der Mündung der Aare in den Rhein in Koblenz. Er ist 1.5 km² gross und wurde 1935 erbaut.

Kurt Wächter