Ungläubige Gesichter und grosse Augen an der 33. Generalversammlung des Vereins Aargauisch Kantonales Weinbaumuseum in Tegerfelden, als Präsident Daniel Hirt die 81 anwesenden Mitglieder mit einem grosszügigen Geschenk überraschen konnte: Der Verein erhielt 2017 ein Legat von 450'000 Franken aus dem Nachlass des 2016 verstorbenen Tegerfelder Ortsbürgers Heinz Birrer. Dieser Betrag ist mit der Auflage zur Weiterentwicklung des Weinbaumuseums verbunden, was von einem beauftragten Treuhandbüro kontrolliert wird.

Heinz Birrer, der in Trimbach wohnte, hat zur Lebzeit sein gesamtes Vermögen in der Höhe von rund 3,5 Millionen Franken akribisch aufgeteilt und dabei verschiedenste Institutionen mit Legaten bedacht.

Neben dem Aargauisch Kantonalen Weinbaumuseum kamen unter anderem die Reformierte Kirchgemeinde Tegerfelden und die Musikgesellschaft Tegerfelden sowie weitere Institutionen in der Region Trimbach in den Genuss finanzieller Mittel des Verstorbenen.

Ein kauziger Junggeselle

Der mit 68 Jahren im Jahr 2016 verstorbene Heinz Birrer war als Banker bei der Aargauischen Kantonalbank tätig. Sein Job als Revisor prägte ihn offensichtlich derart, dass er selbst seinen Tod und die Abdankung bis ins letzte Detail geplant hat. «Die Abdankung war durchorganisiert; er hat sogar das Menü des Abdankungsessens festgelegt», sagt Kurt Meier, ein Cousin von Birrer.

Meier, der mit dem Junggesellen Birrer gute Kontakte pflegte und auf der Todesanzeige als Traueradressat aufgeführt war, ging indessen leer aus. Ein Umstand, den er mit einem Lächeln nebenbei bemerkt.

Aufbruch ins digitale Zeitalter

Der Vorstand des Aargauisch Kantonalen Weinbaumuseum hat sich Überlegungen zur Verwendung des grosszügigen Geschenks gemacht, das aus heiterem Himmel kam. Vorstandsmitglied Daniel Erne, der selber eine IT-Firma führt und unter anderem für das Landesmuseum eine digitale Besucherführung entwickelt hat, präsentierte an der GV ein Konzept, das den Aufbruch des Weinbaumuseums ins digitale Zeitalter einläuten wird.

Heute besteht das Museum aus einer repräsentativen riesigen Ansammlung von Gerätschaften und Maschinen des Weinbaus. Künftig soll es zu einem modernen interaktiven Museum weiterentwickelt werden. Audioguides und Apps sollen eine digitale Führung durch die Räume zu einer erlebnisreichen Zeitreise werden lassen.

Nach Aussage von Daniel Erne soll das Weinbaumuseum zu einem modernen Museum mit Modellcharakter weiterentwickelt werden, das auch Junge ansprechen soll.

Die versammelten Mitglieder, die erst das erfreuliche Legat zu «verdauen» hatten, liessen sich von der Idee begeistern. Einstimmig genehmigten sie einen Kredit von 150'000 Franken für die Realisierung der ersten Etappe.