Bezirksgericht Brugg

Er war «stark verliebt» und gab Tantra-Masseurin 100'000 Franken – mit bitteren Folgen

Zwischen der Masseurin und dem Kunden entstand eine Beziehung, die nach wenigen Monaten jäh endete. (Symbolbild)

Zwischen der Masseurin und dem Kunden entstand eine Beziehung, die nach wenigen Monaten jäh endete. (Symbolbild)

Weil ein in sie verliebter Mann einer Tantra-Masseurin 100'000 Franken gab, landeten die beiden vor dem Bezirksgericht Brugg. Dort wurde die 51-jährige Frau freigesprochen.

War es nun eine schnelle Liebesbeziehung oder doch eine geschäftliche Vereinbarung? Mit dieser Frage musste sich das Bezirksgericht Brugg befassen. Tatjana, eine schöne blonde, 51-jährige Frau mit russischem Akzent, wurde des Betrugs und der versuchten Erpressung beschuldigt. Im Sommer 2016 lernte sie bei ihrer Arbeit als Tantramasseurin in Baden einen Aargauer Kunden kennen. Daraus entwickelte sich mehr: «Ich hatte mich damals sehr stark in sie verliebt», sagte der Privatkläger zur Richterin. Bald lud er Tatjana zu sich nach Hause ein und bot ihr an, sie bei der Eröffnung eines eigenen Massagesalons finanziell zu unterstützen.

Es gab keinen Darlehensvertrag

Über einen Zeitraum von einem halben Jahr gab der Mann fast 100'000 Franken aus. Zum einen für Werbung, Mobiliar und elektronische Geräte für den Aufbau des geplanten Studios, zum anderen für teure Geschenke und gemeinsame Luxusferien mit Tatjana. Doch die Phase des Verliebtseins verflog bereits nach sechs Monaten. Spätestens dann, als die beiden an ihrem Wohnort keine Bewilligung für die Eröffnung des Massagestudios bekamen.

«Ich war im Ausland. Als ich zurückkam, war sie weg», beteuerte er vor Gericht. Nach dem Beziehungsende forderte er sein Geld zurück. Aus seiner Sicht sei klar gewesen, dass es sich um Darlehen handelte, von denen Tatjana versicherte, «jeden Rappen zurückzahlen zu wollen». Einen Darlehensvertrag gab es jedoch nicht.

Nach dem Beziehungsende schickte sie ihm eine Rechnung

Tatjana hatte eine ganz andere Sicht auf das Geschehene. Der Kunde soll ihr zwei Monate nach dem Kennenlernen ein Tauschgeschäft angeboten haben: «Er bot mir an, meine Leistungen zu beziehen und mir im Gegenzug dabei zu helfen, mein eigenes Geschäft auszubauen.» Erst nach vier Monaten des Tauschgeschäfts sei eine romantische und körperliche Beziehung entstanden.

Doch als alles vorbei, der Traum des eigenen Massagesalons geplatzt war und der Mann sein Geld zurückverlangte, stellte auch Tatjana plötzlich Rechnung für ihre Dienstleistungen – in der Höhe von 144'000 Franken. Das Zusammenleben rechnete sie als 90 Tage Hausbesuche von je 1500 Franken ab, die Entspannungsmassagen kosteten je 500 Franken. Den Geschlechtsverkehr verrechnete sie nicht – dieser sei schliesslich während der Phase der Liebesbeziehung passiert. Für diesen angeblichen Escortservice gab es ebenfalls keine schriftliche Vereinbarung.

Die Staatsanwaltschaft forderte für Tatjana eine bedingte Freiheitsstrafe von zehn Monaten. Doch das Bezirksgericht Brugg sprach sie frei. «In einer Beziehung betrogen zu werden, ist nicht unbedingt ein Betrug im strafrechtlichen Sinn», sagte die Gerichtspräsidentin. Die Einvernahmen zeigten unterschiedliche Wahrnehmungen über den Inhalt der Beziehung und den Inhalt der getroffenen Vereinbarungen. Der Privatkläger hätte vorsichtiger sein müssen. Schliesslich hätte er Tatjana im Milieu kennen gelernt, so die Gerichtspräsidentin.

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