Fahrländer

Er war ein Freund der Journalisten – und ein Pionier

Walter Fricker. Bild: zvg

Walter Fricker. Bild: zvg

Walter Fricker ist 92-jährig gestorben. Der gebürtige Fricktaler war erster Informationschef des Kantons Aargau – ausführliche Bezeichnung: Leiter des Kommunikationsdienstes und Regierungssprecher.

Fricker stand sozusagen am Anfang des Medienzeitalters, er hat die Informationsarbeit beim Kanton professionalisiert und ihr den Stellenwert gegeben, der ihr in der Mediengesellschaft gebührt. Und er war federführend beim Ausbau der Radioberichterstattung für die Kantone Aargau und Solothurn zum vollwertigen Regionaljournal.

Walter Fricker versah den Informationsdienst des Kantons lange Jahre allein. Heute haben sowohl die Regierung wie auch die Departemente ausgebaute Informationsapparate. Doch manchmal dünkt es einen, die Kommunikation sei unter Fricker genauso effektiv und zweckdienlich gewesen wie heute.

Als ich als junger Journalist im Ressort Aargau des «Badener Tagblatts» begann, war Walter Fricker sozusagen mein Rettungsanker. Mein Ressortleiter warf mich ins kalte Wasser, fand, der junge Schnösel solle ruhig selber schwimmen lernen. Fricker aber erklärte mir geduldig, ohne je belehrend
zu wirken, wie die Aargauer Politik funktioniert.

Themenwechsel. Vor Wochenfrist äusserte ich mich besorgt, ob der ehemalige Kanton der Mitte ein Kanton der Extreme geworden sei. Als Beispiele nannte ich den Bussenrekord für Littering oder den Spitzenplatz punkto leere Wohnungen. Nun droht ein Extremplatz auf einem weiteren Feld: Am 9. Februar stimmt das Aargauer Volk über Änderungen im Einbürgerungsrecht ab.

Ins Auge sticht eine drastische Verschärfung. Bisher galt: Einbürgerungswillige dürfen drei Jahre vor der Gesuchs-Einreichung keine Sozialhilfe bezogen haben. Nun soll diese Frist auf zehn Jahre verlängert werden. In zehn Jahren kann viel passieren. Hinter dieser Machtdemonstration steckt der Generalverdacht: Ausländer, die einmal Unterstützung brauchten, sind nicht integrierbar, nicht Aargau-würdig.

Niemand um uns herum kennt eine solch drastische Frist, auch der Bund nicht. Die (bürgerliche) Regierung hatte als Kompromiss fünf Jahre vorgeschlagen. Zu den zehn Jahren schweigt sie nun.
Es gibt keine Stellungnahme von ihr. Sie ist offenbar immer noch konsterniert.

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