NAB-Award

Er verpasste Papa Moll und Zwingli den richtigen Schnitt

Im Schnittraum ist Kaya Inan einer der Besten.

Im Schnittraum ist Kaya Inan einer der Besten.

Nominierte für den NAB-Award: Filmeditor Kaya Inan (36, Wohlen) gewinnt 2016 und 2017 den Schweizer Filmpreis für die beste Montage.

Haben Sie kürzlich im Kino «Zwingli» oder «Papa Moll» gesehen? Falls Ihnen die Filme gefallen haben, ist das zu einem guten Teil Kaya Inans Verdienst. Er hat bei beiden Filmen den Schnitt gemacht. Und genau dieser Schnitt bestimmt zu einem guten Teil, ob ein Film funktioniert. Als Filmeditor – früher sagte man Cutter oder Schnittmeister – gestaltet Kaya Inan im stillen Kämmerlein zusammen mit der Regie das rohe Filmmaterial durch den Schnitt und die Montage. Für diese unsichtbare Kunst wählt er verschiedene Einstellungen aus und ordnet sie dramaturgisch und rhythmisch in Sequenzen an. Durch diesen sorgfältigen Schnitt von Bild und Ton erhält der Film seine Form.

Der 1983 in Muri als Sohn türkischer Einwanderer geborene Kaya Inan schneidet Filmszenen digital am Computer, und zwar so gut, dass er schon zwei Mal den Schweizer Filmpreis erhalten hat. 2016 für «Above and Below» und ein Jahr später für «Cahier Africain», jeweils für den besten Schnitt. 2018 war er nochmals für den Schnitt bei «Papa Moll» nominiert.

Die Preise haben Kaya Inan sehr gefreut: «Denn ich weiss, dass die Akademie, die die Nominierten auswählt, wirklich vom Fach ist. Dennoch darf man nicht alles von solchen Preisen abhängig machen.» Zum Film kommt Kaya Inan als 18-jähriger Kantischüler über einen Castingaufruf in der Zeitung. So steht der junge Mann, der damals schon mit Videos experimentiert, bald darauf in der Komödie «Achtung, fertig, Charlie!» in einer Rolle vor der Kamera. In den folgenden Praktika entdeckt er seine Leidenschaft für den Filmschnitt, die unsichtbare Kunst. Von 2006 bis 2011 absolviert er ein Montage-Studium an der Filmakademie Baden-Württemberg, seither arbeitet er als freier Editor für Dokumentar- und Spielfilme.

Die Nomination für den NAB Award ist für Inan eine Überraschung: «Weil ich seit Jahren in Deutschland lebe, wusste ich gar nicht, dass es diesen Preis gibt. Umso mehr ist es für mich eine Ehre und es macht mich stolz.»

Was, wenn plötzlich Hollywood ruft?

Dies auch, weil er seinem Bürgerort Wohlen immer noch sehr verbunden ist. Dort hat er seine Kindheit verbracht, und dort wurde er – der sich damals längst viel mehr als Schweizer denn als Türke fühlte – mit 14 Jahren im zweiten Anlauf auch eingebürgert.

Was würde Kaya Inan tun, wenn plötzlich ein Angebot aus Hollywood käme? «Das ist bisher noch nicht passiert. Für mich kommt es auch nicht darauf an, wo ich meinen Job mache, sondern mit wem und um welchen Stoff es geht.» Doch vorerst kann Kaya Inan dank dem NAB Award ganz andere Erfahrungen sammeln. Denn für einmal ist nicht er als Editor dafür verantwortlich, ob das Publikum seiner Filme lacht, weint oder staunt. Beim NAB Award sind die Rollen vertauscht: Da entscheidet die abstimmende Bevölkerung über ihre eigene Gefühlslage.

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