Peter Brack muss sich beeilen. Seit zehn Jahren jagt er im Dienste des Museums Aargau Möbel aus Aargauer Produktion, vorwiegend aus dem 20. Jahrhundert. Doch die Objekte seiner Suche verschwinden zunehmend aus dem Alltag. Sie landen im besten Falle im Brockenhaus, im schlechtesten in der Kehrichtverbrennung.

Aber Konservator Brack ist ein hartnäckiger Möbelsucher. Er durchstöbert Brockenhäuser, er achtet auf Nachlässe und Auktionen, weiss, was Händler anbieten und manchmal hilft auch Kommissar Zufall mit.

Oft geht Brack auch den direkten Weg und nimmt aktiv Kontakt mit Besitzern auf. Weil Brack keinen Original-Thut-Schrank finden konnte, gelangte er an den Erfinder Kurt Thut. Und dieser überliess dem Museum Aargau tatsächlich sein privates Exemplar, das er noch zur Aufbewahrung von Konfitüren genutzt hatte.

Spanplatte: im Aargau erfunden

«Der Aargau hat die Wohnkultur in der Schweiz im 20. Jahrhundert massgeblich geprägt», sagt Peter Brack und verweist auf zahlreiche bedeutenden Möbelfirmen wie De Sede, Müller-Faes, Nyffeler & Jordi, Simmen, Stoll-Giroflex, Ströbel, Team, Thut, Vogel, Woodtly, Woog und andere. Aber auch Erfindungen wie die Spanplatte oder der Kellco-Belag in den 60er-Jahren stammen aus dem Aargau.

Einige dieser Firmen geniessen noch heute einen internationalen Ruf – andere sind verschwunden. So wie die Möbelwerkstätten Simmen & Co. in Brugg, die 1914 von sich reden machten, als sie an der Landesausstellung in Bern den 1. Preis für ihre Möbelpräsentation erhielten. Dieser Preis führte dazu, dass Simmen Departementsbüros im Bundeshaus einrichten konnte.

Oder die Firma Ströbel in Frick, die einst 130 Mitarbeitende beschäftigte und in den Sechzigerjahren mit den ersten Möbeln aus Exotenhölzern, darunter Palisander Rio, für Aufsehen sorgte; selbstverständlich hat Brack das erste Möbelstück aus Palisander aufgestöbert und es gehört nun zur Sammlung genauso wie die ersten Woog-Objekte.

Mehr als nur Möbel gefunden

Brack hat nicht nur die Möbel gefunden, sondern häufig auch weitere Dokumente dazu: Prospekte, Skizzen, Rechnungen oder auch Informationen über die ehemaligen Besitzer.

Diese Einbettung in einen konkreten Kontext bietet neue Erkenntnisse: In den 50er-Jahren des 20. Jahrhunderts kostete eine Aussteuer rund 9000 Franken, klar mehr als ein durchschnittliches Jahressalär. Häufig finanzierte der Brautvater den Erwerb der Möbel. Und es war klar, dass diese einzeln gefertigten Möbel ein Leben lang halten sollten.

Brack ist überzeugt, dass es noch viele historisch wertvolle Möbel aus Aargauer Produktion gibt, die irgendwo unbeachtet und ungenutzt herumstehen und eines Tages entsorgt werden, weil die Besitzer gar nicht wissen, dass sie ein bedeutendes Möbelstück besitzen. «Ich wäre natürlich froh, wenn mich die Leute im Zweifelsfalle kontaktieren würden, unsere Sammlung ist noch längst nicht komplett» sagt Brack.

Die Akquisition von Möbeln siedelt sich in einem Sammlungskonzept an, dessen Schwerpunkt die Industriegeschichte ist. «Der Aargau ist nicht nur der Kanton der Schlösser, er ist auch Industriekanton. Da gibt es zum Beispiel die Maschinen- und Blechverarbeitungsindustrie, die Tabakindustrie, die Strohindustrie – und eben die Möbel», erklärt Rudolf Velhagen, Leiter Historische Sammlung Museum Aargau.

Deshalb möchte man noch stärker Zeugnisse der Industriegeschichte sammeln. Die Möbel, die im Sammlungs-depot von Museum Aargau in Egliswil eingelagert sind, waren erst ein Anfang.