Der Ausleger eines Baukrans ist bei Demontage-Arbeiten am Samstagmorgen in Schinznach-Bad auf einen SBB-Zug gestürzt und hat die Frontscheibe des S-Bahn-Zuges eingeschlagen.

Mehrere Anwohner in Schinznach-Bad haben den Unfall beobachtet. Gisela Baumgartner sah den Unfall von der Terrasse aus. «Wir sahen, dass der Kran-Arm runterkommt. Er kam auf die Starkstromleitung auf, es gab einen Knall und es roch stark», berichtet sie Tele M1. Dann sei der Zug gekommen.

Dieser fährt am Wochenende allerdings nur alle 30 Minuten und ausgerechnet dann krachte der 10 Tonnen schwere Ausleger des Krans auf die Gleise und bohrt sich mit voller Wucht in die Lokführer-Kabine.

Beim Anblick befürchteten Anwohner das Schlimmste. «Jetzt ist jemand tot, mit Sicherheit der Lokführer», dachte Elfriede Frey.

Wie durch ein Wunder blieben aber die Lokführerin, die einen Schock erlitt, und alle 45 Passagiere unverletzt. Diese wurden von der SBB mit einem Rettungszug in den Bahnhof Brugg gebracht.

«Ein paar Meter weiter»

Einer der Fahrgäste war Joel Vonarburg aus Bad Zurzach. Der 19-Jährige befand sich gerade auf dem Zug-WC, als es plötzlich krachte.

Er konnte er es kaum fassen, als die Lokführerin im später den zerstörten Führerstand zeigte. Sie habe den Kran auf sich zukommen sehen, haben ihm die Lokführerin gesagt. «Sie hat sofort die Notbremsung eingeleitet und sich noch währenddessen aus der Kabine gerettet.» Die Lokführerin kümmerte sich lauf Vonaburg sofort um die Zugpassagiere.

Die Rettungsaktion sei sehr geordnet verlaufen, berichtet Vonaburg, Panik habe es keine gegeben. «Natürlich gab es solche, die unter Schock standen.» Diese seien auch noch am Bahnhof Brugg gut betreut worden. Die meisten Passagiere seien aber eher neugierig gewesen: «Ich habe die Stimmung nicht als allzu tragisch empfunden.»

Dennoch ist der 19-Jährige sich seines Glücks bewusst: «Ein paar Meter weiter und es hätte den Waggon getroffen.» Die Lokführerin habe es zwar kommen sehen, die Passagiere allerdings nicht. «Das hätte Scheisse rauskommen können.»

Strafuntersuchung eingeleitet

Der Zwischenfall hat sich nach Polizeiangaben bei der Demontage eines Baukrans durch Mitarbeiter einer Firma ereignet. Der Ausleger des Baukrans war an einem Pneukran aufgehängt. Weshalb er in den Bereich der Gleise geriet, war am Samstag unklar. Neben der Bahnstrecke werden zurzeit Mehrfamilienhäuser gebaut.

Zur Klärung der Unfallursache hat die Kantonspolizei Ermittlungen aufgenommen. Die zuständige Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach eröffnete vor Ort eine Strafuntersuchung.

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Bei den Demontage-Arbeiten eines Baukrans stürzte ein Kranausleger auf die Fahrleitung und danach in die Führerkabine einer S-Bahn. Verletzt wurde niemand. Die Lokführerin erlitt einen Schock.