Der Beschuldigte, schrieb die Staatsanwältin im Strafbefehl, habe als Arbeitgeber einen Ausländer beschäftigt, der in der Schweiz nicht zur Ausübung einer Erwerbstätigkeit berechtigt war. 90 Tagessätze zu je 60 Franken, sprich 5400 Franken, sollte die Geldstrafe für den Arbeitgeber betragen. Der aber focht den im Mai ausgestellten Strafbefehl an.

Gestern trabte er vor dem Bezirksgericht Aarau an. Ohne einen Anwalt. Der als Auskunftsperson geladene Arbeitnehmer, wie der 39-jährige Beschuldigte ein Albaner, glänzte durch Abwesenheit. Das mache nichts, konstatierte Gerichtspräsidentin Karin von der Weid. In den Akten fänden sich genügend Aussagen aus den Befragungen.

Als Inhaber einer Einzelfirma war der Beschuldigte in der Region Aarau im Bausektor tätig gewesen. Bei einer Kontrolle stellte sich im Sommer 2018 heraus, dass ein Landsmann von ihm ohne Arbeitsbewilligung bei einem Einfamilienhaus in Suhr Gartenarbeiten für ihn ausführte. Der Beschuldigte bestätigte den Sachverhalt vor der Einzelrichterin. Zwei Tage habe der Mann für ihn auf Probe gearbeitet, am dritten Tag habe er einen Vertrag von ihm erhalten.

«Weshalb haben Sie denn Einsprache gemacht?»

Gerichtspräsidentin von der Weid verstand den Beschuldigten nicht: «Weshalb haben Sie denn Einsprache gemacht?» Er dürfe niemanden beschäftigen, wenn eine Arbeitsbewilligung fehle. Auch nicht auf Probe. Egal, ob es um eine Stunde, einen Tag oder zehn Tage gehe. «Haben Sie das verstanden? Sie sind ja vorbestraft, Sie hatten ja schon einmal einen solchen Fall. Und die Strafe wird immer höher!»

Weshalb der Albaner trotz der offensichtlichen Aussichtslosigkeit, den Schuldspruch abzuwenden, den Strafbefehl angefochten haben dürfte, brachten seine Antworten auf die Fragen zur Person an den Tag. Einen Monat, nachdem ihm der Strafbefehl ins Haus geflattert war, ging die Firma des 39-Jährigen in Konkurs. Und wenige Wochen später wurde das Konkursverfahren mangels Aktiven eingestellt. Er sei als Plattenleger auf Arbeitssuche, sagte der gewesene Unternehmer. Aber er finde keine. Und Arbeitslosengeld erhalte er keines. Er lebe mit seiner sechsköpfigen Familie von der IV und den Ergänzungsleistungen, die seine Frau erhalte.

«Ich habe gar keinen Spielraum», machte Karin von der Weid dem Beschuldigten klar. Sie verurteilte ihn zu einer unbedingten Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je 30 Franken. Statt 5400 Franken beträgt die Geldstrafe so nur noch 2700 Franken. In diesem Punkt hat sich das Anfechten des Strafbefehls also gelohnt. Hier allein gab es einen Spielraum: Die Höhe der Tagessätze soll abhängig sein von den wirtschaftlichen Verhältnissen des Beschuldigten. Und diese sind heute prekärer als zum Zeitpunkt, als der Strafbefehl mit den 90 Tagessätzen à 60 Franken ausgestellt wurde. (uw)