Wer ein Milizamt in einer Gemeinde oder im Kanton übernimmt, tut dies in der Regel neben der beruflichen Tätigkeit. Ein solches Engagement für die Allgemeinheit ist in der Regel ziemlich aufwendig. Häufig wird deshalb im Gegenzug das Arbeitspensum reduziert. Viele ambitionierte Berufsleute liessen sich daher nicht für ein Milizamt gewinnen, erklärt Grossrätin Jeanine Glarner (FDP) in ihrem Postulat, mit dem sie die Milizpolitik stärken möchte. Wer sich in der Freizeit für das Wohl der Gemeinschaft engagiere, habe kaum Zeit, auch noch Weiterbildungslehrgänge zu absolvieren, begründet Glarner. Und das könne sich bei einem Stellenwechsel oder beim Bewerben um eine Führungsposition als Nachteil erweisen, findet Glarner, die seit rund einem Jahr auch Gemeinderätin in Möriken-Wildegg ist. Wenn nun Milizpolitikerinnen und Milizpolitiker die Möglichkeit hätten, ihre ehrenamtliche Tätigkeit an Weiterbildungslehrgänge anrechnen zu lassen, könnte dieser Nachteil etwas ausgeglichen werden.

Neue Ausbildung «Miliz»

Denn so kämen die Milizler mit einem geringeren Aufwand zu einem Abschluss, argumentiert Glarner. Als Vorbild nennt sie die Armee, wo die militärische Führungsausbildung durch die Hochschulen anerkannt wird. Glarner schwebt vor, dass die politische Tätigkeit mittels ECTS-Punkten an die Weiterbildung angerechnet wird. So würde ein Milizamt auch für die berufliche Weiterbildung einen konkreten Vorteil bringen.

Der Regierungsrat ist grundsätzlich bereit, das Postulat entgegenzunehmen. Er weist in seiner Stellungnahme darauf hin, dass die Fachhochschule Nordwestschweiz schon heute bei Weiterbildungsprogrammen Leistungen, die im Studium oder in der Praxis erbracht worden sind, anrechnen kann. Zudem plant die Hochschule für Wirtschaft per Anfang 2019 die Einführung eines neuartigen Weiterbildungsangebots zur Stärkung der Milizpolitik. Mit dem «CAS Miliz» soll Milizpolitikern die Möglichkeit geboten werden, sich Projektarbeit im Zusammenhang mit ihrer konkreten politischen Tätigkeit bei der Weiterbildung anrechnen lassen zu können.

Allerdings dürfe alleine aus der Ausübung eines politischen Amtes kein Anrecht auf Umwandlung in Studienleistungen abgeleitet werden, relativiert der Regierungsrat. Dies wäre eine Benachteiligung anderer ehrenamtlicher Engagements. Der Vorstoss von Jeanine Glarner ist am Dienstag im Grossen Rat traktandiert.