Aargau

Energieverbrauch: Bei Wohnbauten liegt nach wie vor ein grosses Potenzial

Philipp Husistein, Architekt und Planer. Martin Heuschkel, Inhaber der MetApp AG.

Drei Redner am Energiegipfel:

Philipp Husistein, Architekt und Planer. Martin Heuschkel, Inhaber der MetApp AG.

Der Energiegipfel zeigte eindrückliche Sparmöglichkeiten im Gebäudebereich auf. Zwei Drittel der 145000 Aargauer Wohnbauten sind 20 und 90 Jahre alt. Nach der Sanierung liegt der Energieverbrauch eines Hauses aus den 50ern noch bei 12 Prozent.

Eine grün gefärbte Enter-Taste mit der Aufschrift «Energiewende» ist auf der Einladung zum 11. Aargauer Energiegipfel abgebildet. Einfach per Knopfdruck lässt sich die Energiewende aber nicht realisieren, obwohl laut einer Umfrage von Organisator Dieter Schäfer rund zwei Drittel der knapp 400 Teilnehmer der Meinung sind, sie sei umsetzbar.

Ein konkreter Ansatzpunkt, um Energie zu sparen, sind öffentliche und private Gebäude. Stephan Kämpfen, Leiter der kantonalen Sektion Energieeffizienz, legte dazu Zahlen vor: «Im Aargau gibt es etwa 145 000 Wohnbauten, zwei Drittel davon sind zwischen 20 und 90 Jahre alt, und zwei Drittel des Energieverbrauchs von Privathaushalten entfällt auf die Heizung.»

Schweizweit entfallen laut Kämpfen rund 47 Prozent des Energieverbrauchs auf Gebäude. «Modernisierungen sind deshalb notwendig und sinnvoll», sagte Kämpfen. Um ein behagliches Raumklima zu erreichen, sei bei energetisch minderwertigen Gebäuden mit alten Fenstern und schlechter Isolation deutlich mehr Heizenergie notwendig als bei hochwertigen Bauten. Bauherren und Hausbesitzern empfahl Kämpfen für konkrete Vorschläge die Energieberatung Aargau.

Nicht nur Normen anwenden

Philipp Husistein, Inhaber eines Architektur- und Planungsbüros in Aarau, berichtete aus der Praxis. Husistein erläuterte, dass die Energiewende keineswegs auf Kosten der Architektur gehen müsse. Er sprach sich für flexible Lösungen aus, die sich nicht nur an fixen Normen wie Minergie orientieren dürften.

«Bei der Fassadensanierung der Berufsschule Lenzburg hätte unser erstes Projekt alle Normen erfüllt, aber zu mehr Überhitzungsstunden in den Schulräumen geführt», gab Husistein ein Beispiel.

Nun habe man das Projekt überarbeitet, zwei Drittel der Mittel in die Haustechnik umgeleitet und damit eine Reduktion der Überhitzungsstunden um den Faktor zehn erreicht. Bei der Sanierung von Altbauten setzt Husistein auf Gestaltung und Technik von heute, nimmt aber Rücksicht auf den ursprünglichen Stil des Hauses.

Auch mit diesem Kompromiss sind grosse Einsparungen möglich: Bei einem Aarauer Haus aus den 1950er-Jahren reduzierte sich der Energieverbrauch nach der Sanierung auf 12 Prozent.

Aargauer liefern nach Abu Dhabi

Martin Heuschkel, Gründer und Inhaber der MetApp AG aus Schöftland, hat mit seiner Firma eine innovative Gebäudefassade entwickelt. Damit lässt sich Energie für Heizung und Kühlung gewinnen, «wobei unser System jeweils präzis jene Komponenten einschaltet, die gerade von der Sonne bestrahlt werden», wie Heuschkel erklärte.

Besonders im arabischen Raum sei die Technologie der jungen Start-up-Firma aus dem Aargau auf grosses Interesse gestossen. «Kürzlich konnten wir Komponenten für den Präsidentenpalast in Abu Dhabi liefern», sagte Heuschkel.

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