Heizungsregler
Energiesparen: Der Kanton Aargau testet eine neue Technologie

Ein neuer Heizungsregler soll helfen, enorm viel Energie zu sparen. Er misst, wie warm es ist und analysiert, wie sich die Sonne verhält oder zu welcher Zeit beispielsweise ein Computer läuft – und passt den Heizwert an.

Peter Brühwiler
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Klein, aber wirkungsvoll: Heizungsregler rechts vom Gasheizkessel.

Klein, aber wirkungsvoll: Heizungsregler rechts vom Gasheizkessel.

Zur Verfügung gestellt

In der freien Marktwirtschaft setzt sich nicht immer die beste Technologie durch. Der Videostandard VHS etwa etablierte sich in den 1970er-Jahren, obwohl das Konkurrenz-System Betamax eine bessere Bildqualität geboten hätte.

Eine Technologie, die möglicherweise einen Schub von aussen benötigt, um sich durchzusetzen, hat der Kanton Aargau nun im Energiebereich ausgemacht: einen dank eines neuronalen Netzwerkes lernfähigen Heizungsregler.

Die kleine Box wird zwischen den Aussentemperatur-Sensor des Gebäudes und die Heizung geschaltet und passt die Heizintensität dem Verhalten der Sonne oder der Hausbewohner an.

Über einen im Wohnbereich angebrachten Sensor registriert das System zum Beispiel, zu welchen Tageszeiten in einem Haushalt für gewöhnlich wärmeerzeugende Computer laufen und reduziert die Heizleistung vorausschauend. Auch die Wärmespeicher-Kapazität der Gebäudehülle wird bei der Festlegung der Heizleistung mit berücksichtigt.

Kanton will Trend setzen

«Der Aargau ist ein Energiekanton und als solcher sollte er bei neuen Technologien, die Bausteine in der Energiestrategie 2050 sind, auch die Führerschaft übernehmen», sagt Rudolf Tanner, Technologie- und Innovationsexperte am Hightech Zentrum Aargau.

Um die Verbreitung des Heizungsreglers propagieren zu können, brauche man jedoch die Garantie, dass das Produkt effektiv zu einer massiven Senkung des Energieverbrauchs und des CO2-Ausstosses führe.

In Zusammenarbeit mit der kantonalen Abteilung Energie und der Fachhochschule Nordwestschweiz Muttenz plant der Kanton deshalb eine einjährige Studie: Bis Oktober sollen im Raum Aarau, Wohlen und Baden 100 Einfamilienhäuser mit Geräten der in Brugg ansässigen Firma Neurobat ausgerüstet werden.

Die Studienteilnehmer erhalten das System zu einem deutlich reduzierten Preis von 1800 Franken, bewerben können sich Interessierte auf hightechzentrum.ch/pilotversuch.

5100 Millionen Kubikmeter Gas

Tanner rechnet mit einer Reduktion des Energieverbrauchs der Haushalte von 10 bis 15 Prozent. Auf den ganzen Kanton hochgerechnet entspreche dies einem Energiesparpotenzial von bis zu 1,9 Terrajoule oder etwa 5100 Millionen Kubikmeter Gas — wobei diese Schätzung etwas zu hoch ist, weil die industrielle Wärmeerzeugung enthalten ist.

Auch finanziell lohne sich die Anschaffung des Geräts, ist Tanner überzeugt. Sogar bei den derzeit tiefen Energiepreisen könne es innert drei bis fünf Jahren amortisiert werden.

Die Vorschusslorbeeren sind wohl berechtigt, auch wenn der Einspareffekt von offizieller Seite noch nicht bestätigt ist. Schliesslich gewann Neurobat für die in Zusammenarbeit mit dem Centre Suisse d’Electronique et de Microtechnique in Neuenburg entwickelte Technologie bereits den mit 50 000 Franken dotierten Umweltpreis Schweiz.