Der Regierungsrat hat im September eine Ergänzung des Richtplankapitels zu den Windkraftanlagen in die Anhörung geschickt. Am Wochenende ist die Vernehmlassungsfrist abgelaufen, und man ist so klug wie zuvor: In Sachen Windkraft pfeift der Wind im Aargau aus allen Richtungen, ob er je bei der Energiegewinnung eine Rolle spielen wird, ist angesichts der kontroversen Beurteilungen fraglich. Die einen bezichtigen die Regierung der Absicht, den Bau von Windkraftwerken mit schikanösen Auflagen behindern zu wollen, die anderen lehnen es ab, die Eignung von Standorten für Windkraftwerke überhaupt vertieft zu prüfen.

Für die einen keine Option

Die Fronten verlaufen nicht zwischen links und rechts und nicht zwischen Atomstromfreunden und Alternativenergieenthusiasten, sondern kreuz und quer. Uneinig ist man sich zum Beispiel bei den Naturschutzverbänden. Der WWF bemängelt zwar, dass landschaftlich und ökologisch wertvolle BLN-Gebiete im Richtplanentwurf nicht explizit für den Bau von Windparks ausgeschlossen werden. Grundsätzlich ist er aber der Meinung, dass Windenergie «auch im Aargau eine echte Chance» haben muss, und kritisiert sogar übertriebene Auflagen wie die geforderte Mindestwindgeschwindigkeit. Pro Natura Aargau sorgte dagegen unlängst mit der Forderung für Aufsehen, das ganze Windkraftkapitel sei ersatzlos aus dem Richtplan zu streichen.

Die Windenergie könne keinen nennenswerten Beitrag zur Energiewende leisten, Windenergie werde nicht zur sicheren Stromversorgung beitragen, selbst wenn sie einmal zufällig im richtigen Moment liefert. Logische Schlussfolgerung für Pro Natura: Überhaupt auf die von der Regierung präsentierten Standorte (vgl. Box) und ihre landschaftliche Bedeutung im Einzelnen einzugehen, erübrigt sich bei dieser Ausgangslage.

Die Naturschutzorganisation erhält für ihre Argumente Sukkurs von eher ungewohnter Seite: Schlicht «keine Option für den Kanton Aargau» ist die Windenergie auch für den Hauseigentümerverband. Er lehnt die vertiefte Überprüfung der Eignung von Standorten für grössere Anlagen ab. Bau und Betrieb von Windkraftanlagen würden angesichts des geringen Potenzials dem Gebot des haushälterischen Umgangs mit dem knappen Gut Boden widersprechen. Mit dem Bau von Windparks verschwinde Erholungsraum, die touristische Attraktivität des Kantons nehme ab.

Für die anderen zu starre Vorgaben

So grün argumentiert der von SVP-Nationalrat Hansjörg Knecht präsidierte Verband doch eher selten. Und dies, während die Grünen ihrerseits eine weitere Verschärfung der Vorgaben zur Nutzung der Windenergie beklagen und – wenn überhaupt – die Ausscheidung von wesentlich grosszügiger dimensionierten Gebieten für grosse Windkraftanlagen im Richtplan verlangen. Selbst Naturschutzgebiete von kantonaler Bedeutung sollten nicht grundsätzlich ausgeschlossen werden, sondern in die Interessenabwägung einbezogen werden, finden die Grünen.

Die gleiche Kritik bezüglich zu starrer Auflagen wird auch im bürgerlichen Lager vorgebracht, zum Beispiel von der CVP und der EVP. Die Forderung etwa, dass pro Standort, wenn schon, mindestens drei Anlagen realisiert werden müssten, erschwere die Nutzung der Windenergie, statt sie zu fördern. Die BDP fordert aus dem gleichen Grund einen «Marschhalt». Die Richtplan-Vorschläge seien zurückzustellen, bis sich Bund und Kantone auf eine einheitliche Regelung für Windkraftanlagen einigen.