Kommentar

Energiegesetz: Bin ich zu blöd?

Das kantonale Energiegesetz wurde knapp abgelehnt. (Symbolbild)

Das kantonale Energiegesetz wurde knapp abgelehnt. (Symbolbild)

Unser Kolumnist Hans Fahrländer macht sich Gedanken zum Energiegesetz und weshalb es abgelehnt wurde. Er fragt sich, wie wir die Energiewende schaffen wollen.

Sechs Tage nach dem Supersonntag verspüre ich nur bei einem einzigen Resultat noch ein leises Ziehen in der Magengegend beziehungsweise das Bedürfnis nach einer kleinen Nachbetrachtung: beim kantonalen Energiegesetz. Für mich ist das knappe Nein eine kleine Tragödie. Nicht weil das, was jetzt geschieht, oder eben nicht geschieht, den Aargau kaputtmachen würde. Die Tragödie liegt eher auf der symbolischen Ebene. Wie wollen wir die nötige Energiewende (Energie sparen, Energie effizienter nutzen, CO2 reduzieren) schaffen, wenn wir nicht einmal ein paar kleine Schrittlein in diese Richtung akzeptieren können?

SVP-Grossrat Christian Glur versuchte am Sonntag auf TeleM1 erst gar nicht, das wahre Motiv, warum das Nein der richtige Entscheid sei, zu kaschieren: «So bleibt den Leuten mehr Geld im Portemonnaie.» Okay, ich bin auch nicht Mutter Theresa, ich habe auch gern mehr Geld im Portemonnaie. Nach ihrem Sieg ist es den Nein-Sagern also wohl in der Gesässtasche. Aber ob ihnen auch wohl ist im Kopf und im Herzen? Haben sie für die Zukunft des Aargaus richtig entschieden (man muss ja nicht immer pathetisch von der «Zukunft des Planeten» reden)? Oder ist es gar nicht unsere Aufgabe, für die Zukunft zu schauen? Reicht es, wenn wir für uns schauen?

Den Leuten nicht unnötig Geld aus der Tasche ziehen, fürwahr ein edles Anliegen, vor allem den Leuten in den unteren Einkommensschichten, die schon unter hohen Krankenkassenprämien leiden. Doch die Klientel, für welche sich die SVP und der Hauseigentümerverband fürsorglich eingesetzt haben, das sind ja nicht diese «kleinen Leute». Denn «kleine Leute» können eher selten ein Haus bauen oder renovieren oder energietechnisch sanieren. Sie spüren die Baukosten höchstens in der Miete.

Nun also: die grosse Freiwilligkeit. Das haben die Gegner des Energiegesetzes im Vorfeld schon in Aussicht gestellt und etliche Kommentatoren haben es nach dem Nein eingefordert: Nun ist der Weg frei für die grosse Freiwilligkeit des Energiesparens, des energieeffizienten Bauens. Bloss, wenn ja jetzt freiwillig in dieses zukunftsträchtige Bauen und Sanieren investiert wird – dann bleibt ja wieder nicht mehr Geld im Portemonnaie?! Ich glaube, ich bin zu blöd für diese Thematik.

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