60 Kühe stehen im Stall von Daniel Heeb. 14 Lampen sorgen dafür, dass der Sinser Landwirt nicht im Dunkeln tappt, wenn er sie frühmorgens zum Melkstand führt. Doch vom Stalldach leuchten keine Sparlampen, eine Energiesünde? Nein, findet Franz Ulrich. Der Energieberater ist gemeinsam mit Bauer Heeb auf dessen Betrieb unterwegs und sucht nach Möglichkeiten, um Strom zu sparen. Die Lampen sind dazu kaum geeignet: «Hier wird nicht exzessiv beleuchtet», sagt Ulrich nach einem kurzen Blick. Handlungsbedarf erkennt der Spezialist keinen.

Den vorzeitigen Wechsel der installierten Leuchtstofflampen auf LED-Modelle empfiehlt er nicht, die tägliche Einsatzdauer sei dafür zu kurz. Ulrich: «Am meisten lässt sich immer noch sparen, indem die Lampen so wenig wie möglich eingeschalten werden.» Die Suche nach Energiesparpotenzial auf dem Lilienhof geht weiter.

Sparen soll sich lohnen

Franz Ulrich ist einer von zehn speziell geschulten Beratern, die im Auftrag des Kantons Bauern auf ihren Höfen besuchen und mit ihnen über Energiefragen sprechen. Ein neues Angebot, das sich an alle Landwirte mit Ställen für Kühe, Schweine und Hühner richtet. 2700 Betriebe hat der Kanton angeschrieben, um das Projekt vorzustellen – rund 40 Anfragen sind bereits eingetroffen. «Wir sind zufrieden», sagt Felix Arnold, Fachspezialist bei der Abteilung Energie. Das Ziel ist klar: «Die Landwirte sollen in Energiefragen sensibilisiert werden und wissen, wo sich Investitionen lohnen könnten, sodass die Effizienz der eingesetzten Energie gesteigert und die Kosten gesenkt werden können.»

Das möchte auch Daniel Heeb erfahren. «Ich spare gerne Energie», sagt er, betont aber sogleich: «Nur dann, wenn es auch wirtschaftlich ist.» Auf seinem Stubentisch liegen die Grundbuchpläne, einen nach dem anderen breitet Heeb vor sich aus – Untergeschoss, Erdgeschoss, erster Stock, Dachgeschoss. Franz Ulrich tippt die Zahlen in den Taschenrechner. Herauskommt der Energieverbrauch von Wohnhaus und Hof: 50 000 Kilowattstunden. Ob sich diese Zahl senken lässt, wollen Heeb und Ulrich im Stall nebenan herausfinden.

Die Suche beginnt bei der Silofräse. Franz Ulrich schaut, wie gross ihr Verbrauch ist – höher als bei modernen Geräten, das steht rasch fest. Doch dieser Wert allein ist nicht entscheidend dafür, ob der Kauf einer Ersatzmaschine Sinn macht. Zentral ist auch die Frage, wie oft und lange sie im Einsatz steht. 20 Minuten sind es bei der Silofräse pro Tag, 120 Stunden im Jahr. Ulrichs Fazit: Die Maschine vorzeitig zu ersetzen, lohnt sich nicht. Dazu müsste sie mindestens 1000 Stunden im Jahr laufen.

Diesem Wert kommen die Geräte im Raum nebenan deutlich näher: Die Melkmaschine ist Tag für Tag während mehreren Stunden im Einsatz. Auf Hochtouren läuft insbesondere die Anlage zur Kühlung der Milch. 600 000 Liter pro Jahr werden dort von 37 auf 4 Grad heruntergekühlt. Dieser Vorgang braucht viel Energie, produziert aber auch viel Energie in Form von Abwärme. Deshalb sagt Berater Ulrich: «Wichtig ist, die entstehende Energie zu nutzen.»

Daniel Heeb zeigt auf einen grossen Behälter in der Ecke. Hier wird heisses Wasser gelagert, das er bei der Reinigung der Melkanlage einsetzt – erhitzt durch die Abwärme. Das gibt ein Lob vom Experten. Handlungsbedarf sieht er trotzdem, wenn auch nur geringen: Die Rohre, durch welche das Warmwasser fliesst, sind nicht isoliert. Sein Rat: «Die Leitungen einpacken würde sich lohnen.»

Lohnen könnte sich auf Heebs Hof auch eine Photovoltaikanlage. Die Dächer auf Stall und Scheune sind gegen Süden und Südwesten ausgerichtet und damit gut geeignet, wie Franz Ulrich auf einer Luftaufnahme zeigt. Das ist sich auch Daniel Heeb bewusst, allerdings sagt er: «Photovoltaikanlagen möchte ich erst installieren, wenn sie auch wirtschaftlich sind. Zurzeit wäre dies nicht der Fall.» Das befürchtet auch Ulrich: «Die Strompreise sind im Kanton Aargau besonders tief.» Eine detaillierte Zusammenstellung von Aufwand und Ertrag wird er im schriftlichen Bericht nachliefern, der ebenfalls zum Angebot gehört. Kostenpunkt der Beratung: 1050 Franken – 800 übernimmt der Kanton, 250 der Landwirt. Der Bauernverband Aargau unterstützt seine Mitglieder zudem mit 100 Franken. Mit dem Projekt kommt dem Aargau eine Vorreiterrolle zu. Felix Arnold: «Das hat es in dieser Art noch nicht gegeben.» Und das neue Angebot stösst bereits auf grosses Interesse. Anfragen von mehreren Kantonen sind bei der Abteilung Energie eingetroffen; im März stellen die Verantwortlichen das Konzept an der AgroCleanTech-Tagung in Zollikofen vor.

In den nächsten Tagen wird Daniel Heeb den Bericht mit konkreten Ratschlägen und Berechnungen erhalten. Danach entscheidet er, welche Massnahmen er umsetzen wird. Es dürfte eher kleinere Anpassungen sein. «Ich glaube nicht, dass ich die jährliche Stromrechnung um 1000 Franken senken kann», sagt der Sinser Bauer. «Das ist doch auch gut», findet Berater Franz Ulrich. «Wir haben keine Energiesünden gefunden, der Handlungsbedarf ist nicht allzu gross.»

Interessierte Bauern melden sich direkt bei der energieberatungAARGAU:

Telefon 062 835 45 40.