Spreitenbach
Energie-Gipfel: "Die Freiheit der Zukunft heisst, kein Auto mehr besitzen zu müssen"

Fünf Referenten skizzieren in der Umwelt-Arena die fantastische Mobilität der Zukunft.

Hans Lüthi
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Elektro-Roller mit Referenten in der Umwelt-Arena: Landammann Stephan Attiger, Organisator Dieter Schäfer, Nathalie Blumenau von Alpiq, Kabarettist Flurin Caviezel, Karin Tausz von den SBB und Dino Graf von der Amag. hans lüthi

Elektro-Roller mit Referenten in der Umwelt-Arena: Landammann Stephan Attiger, Organisator Dieter Schäfer, Nathalie Blumenau von Alpiq, Kabarettist Flurin Caviezel, Karin Tausz von den SBB und Dino Graf von der Amag. hans lüthi

Die Autoindustrie will den Diesel-Skandal vergessen machen und setzt stark auf Fahrzeuge mit Stromantrieb. Auch für die Experten am Energiegipfel in der Umwelt-Arena Spreitenbach ist aber offen, wann der Durchbruch gelingen wird. Noch rollen in der Schweiz erst 16'000 Stromautos. Einig sind sich alle, dass wir am Beginn eines neuen Mobilitäts-Zeitalters stehen, bei dem selbstfahrende Autos einem zum Busterminal oder Bahnhof bringen. Konzerne wie Amag, SBB und Alpiq bereiten sich auf diese Zukunft vor, um die Weichen für das absehbare Milliardengeschäft richtigzustellen.

Der Aargauer Landammann Stephan Attiger zeigte auf, wie eng der Verkehr und mit dem Energieverbrauch verknüpft ist. Mit 36 Prozent stehe er an erster Stelle, noch vor den Haushalten mit 28 Prozent. Mit dem überdurchschnittlichen Wachstum werde die Aargauer Bevölkerung bis 2040 um 150'000 auf 800'000 Personen ansteigen.

«Der Verkehr wächst noch stärker als die Bevölkerung», sagte Attiger. Denn auch die Zahl der Senioren werde sich verdoppeln. öV und Autoverkehr sollten besser vernetzt und genutzt werden. «Mit der Siedlungspolitik müssen wir schon heute für 2040 entscheiden», so Baudirektor Attiger.

Im tiefgreifenden Wandel der Mobilität wollen auch die Bundesbahnen ihre Nase vorne haben. Bei den SBB gibt es deshalb eine Abteilung autonome Fahrzeuge. «Selber fahrende Kleinwagen werden ab 2025 im Einsatz sein, Personenwagen ab 2030», versichert Karin Tausz von der SBB. Die Freiheit der Zukunft heisse, kein Auto mehr besitzen zu müssen, weil man per App das passende Fahrzeug bestelle. Dies für den Weg zum Bahnhof, zum Einkaufen, zur Arbeit oder für Ferien und Freizeit. Einfach, persönlich und vernetzt laute das Credo für die Mobilität.

Zeitplan für E-Autos offen

Wann sich das effiziente Elektro-Auto durchsetze, wisse niemand, gibt Dino Graf unumwunden zu. «Die Fahrzeuge sind da, aber sie werden nicht gekauft», sagt der Leiter E-Mobilität der Fachstelle für effiziente Fahrzeuge und Kommunikationschef der Amag-Gruppe. Wenn sich die Begeisterung in Grenzen hält, hat das viel mit dem Energietanken zu tun. Beim Diesel reicht eine Füllung für 1000 Kilometer, bei modernen E-Autos für 300 bis 500 Kilometer. Aber die Batterie ist daheim an der normalen Steckdose erst in elf Stunden voll gefüllt.

Es brauche flächendeckend genügend Steckdosen und schnelle Ladestationen, glauben Graf und Nathalie Blumenau. Sie ist Produktmanagerin bei Alpiq E-Mobility und schildert die grossen Hürden, bis es genügend Strom-Tankstellen an den richtigen Orten geben wird. Dazu gehören Tiefgaragen mit Steckdosen, ebenso all die vielen privaten und öffentlichen Parkplätze.

Mehr Markt, weniger Staat

In der Umwelt-Arena Spreitenbach fühlt sich der frühere Aargauer Staatsschreiber Peter Grünenfelder schon fast zu Hause. Die Stromwirtschaft betrachtet der Direktor von Avenir Suisse aber mit grosser Sorge und fordert mehr Marktwirtschaft und weniger Subventionen. Der Strompreis sinke seit Jahren, «die Haushalte müssen diese Zeche bezahlen», klagt Grünenfelder. Unsere Energie-Politik stecke in einem «Trilemma» zwischen Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit.

Nun, Humor ist, wenn man trotzdem lacht: Organisator Dieter Schäfer aus Lenzburg und die 300 Zuhörer kamen reichlich dazu, als der Bündner Flurin Caviezel die Aargauer mit einem sprachlichen Feuerwerk anzündete. Witzig-frech kommentierte er die jüngsten Wahlen, bis hin zur «Grünabfuhr in Baden». Messerscharf erkannte er das Problem der Elektro-Fahrzeuge: «Die tönen ja nicht mehr, das will doch kein Mann.»