Energie
Geothermie im Aargau: Der Druck auf die Politik steigt

Noch weiss man nur ungefähr, wo sich im Kanton Aargau Geothermie-Bohrungen lohnen könnten. Grossräte fordern von der Regierung konkretere Angaben.

Eva Berger
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Messungen am St. Galler Geothermie-Bohrloch. (Symbolbild)

Messungen am St. Galler Geothermie-Bohrloch. (Symbolbild)

Foto: Adriana Ortiz Cardozo

Rund 99 Prozent der Erde sind heisser als 1000 Grad. Damit liegt eine praktisch unerschöpfliche Energiequelle der Menschheit zu Füssen. Aber wie bei den erneuerbaren Energien Wind und Sonne, muss diese zuerst gewonnen werden. Und ausser der richtigen Technik braucht es dafür auch den politischen Willen.

Der ist im Aargau da. Die «Strategie Geothermie» ist Teil der Strategie «EnergieAargau», die 2015 vom Grossen Rat verabschiedet wurde. Sie besagt, dass der Aargau einen Beitrag zur Entwicklung der wirtschaftlichen Nutzung von Wärme aus der Erde leistet.

Politischer Wille ist da

Der Regierungsrat stehe denn der Nutzung von Geothermie im Kanton auch positiv gegenüber und begrüsse unterschiedliche Anwendungsformen. Die Geothermie, insbesondere die Wärmenutzung, leiste einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit und trage dazu bei, den Ausstieg aus der Atomenergie zu bewältigen. Das hält der Regierungsrat in seiner Antwort auf eine Interpellation zur Nutzung von Geothermie fest.

Kataster gibt es noch nicht

Gabriel Lüthy (FDP), Martin Brügger (SP), Hans-Ruedi Hottiger (parteilos) und Roland Frauchiger von der EVP ging es bei ihrem Vorstoss vor allem darum, dass die Regierung einen Kataster erstellt, der zeigt, welche Gebiete im Aargau bei der Geothermie welches Potenzial haben. Der Kanton solle die gesetzlichen Rahmenbedingungen schaffen, damit die Energieunternehmen ein Geothermie-Projekt überhaupt starten können, finden die Interpellanten. «Subventionen verlangen wir nicht», sagt Gabriel Lüthy.

Doch eine detaillierte Karte kann auch der Regierungsrat nicht liefern, mögliche Standorte für Geothermie habe der Aargau bisher nicht ermittelt, auch ein entsprechender Auftrag fehle. Bestehende Wärmefluss-Karten zeigen aber, dass es für Geothermie günstige geologische Bedingungen im unteren Aaretal, am Jurasüdfüss und entlang der Jura-Nordflanke gäbe. Diese Region soll durch ein ETH-Projekt präzisiert werden, das die Hitze im Boden im Aargau misst.

Der Kanton begleitet das Projekt fachlich aktiv und finanziert ein mehrjähriges Temperaturmessprogramm in ausgewählten Bohrlöchern. Diese Daten werden dem Projekt zur Verfügung gestellt.

Nur teilweise zufrieden

Grossrat Gabriel Lüthy ist mit der Antwort des Regierungsrats nur teilweise zufrieden. «Ich hätte mir konkretere Angaben zu Einsatzgebieten von Geothermie erhofft», sagt er, eine detaillierte Karte, die aufzeigt, wo Bohrungen für die drei unterschiedlichen Tiefen in der Geothermie vorgenommen werden könnten, hätte er sich gewünscht. Der Kanton könne dazu auch selber eine Studie in Auftrag geben, findet Lüthy.

Um das zu erreichen, könne er sich vorstellen, mit einem Postulat bei der Regierung nachzufassen. «Wenn wir das Potenzial sehen, können wir immer noch schauen, wie es genutzt werden soll. Darum wäre eine solche Karte ein sinnvoller erster Schritt.»