Fahndung
Endstation Autobahn für dubiose Gestalten: Bei einer Grosskontrolle dabei

In der Nacht auf Mittwoch führte die Kantonspolizei Aargau eine Grosskontrolle auf der A3 bei Rheinfelden durch. 240 Autos wurden zwischen 1 und 5 Uhr von über 40 Polizisten kontrolliert. Wir waren dabei - eine Reportage.

Aline Wüst
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Grosskontrolle der Kantonspolizei Aargau auf der A3 bei Rheinfelden: Die Aargauer Zeitung war dabei
8 Bilder
Kurze Zeit später wird der gestohlene BMW abtransportiert
Befehlsausgabe zu Beginn der Fahndungskontrolle auf der A3 bei Rheinfelden
Der Hund wird eingesetzt, wenn in einem Fahrzeug Drogen vermutet werden
Per Funk wird bei jeder kontrollierten Person überprüft, ob sie polizeilich ausgeschrieben ist
Ein Auto wird in eine Box gewiesen und dann kontrolliert
Im Einsatz sind Kantonspolizisten, Militärpolizisten und die Grenzwache
Im Schein der Taschenlampen werden Ausweispapiere kontrolliert

Grosskontrolle der Kantonspolizei Aargau auf der A3 bei Rheinfelden: Die Aargauer Zeitung war dabei

Emanuel Freudiger

Zwei Männer sitzen in einem Lieferwagen, kauen synchron Kaugummi, während ein Polizist abklärt, ob einer der beiden zur Fahndung ausgeschrieben ist. Es ist 3.07 Uhr. Sie sprechen nicht, kauen nur.

Abgas der Licht-Generatoren wabert über die Autobahn, unten auf der Wiese blöken Schafe.

Es ist Grosskontrolle auf der A3 bei Rheinfelden. 240 Autos werden zwischen 1 Uhr und 4.45 Uhr von über 40 Polizisten kontrolliert.

Gesucht werden Berufskriminelle, die oft aus Frankreich kommen, ihre Autos mit Diebesgut füllen und via Autobahn wieder aus der Schweiz verschwinden.

Die beiden Männer dürfen weiterfahren. Die Kaugummis werden sofort gegen Zigaretten getauscht.

«Danke für Ihre Geduld»

Entkommen kann in dieser Nacht keiner. Die Umfahrungsstrassen zur Autobahn werden kontrolliert, die Grenzübergänge sind besetzt.

Im Augenblick, wenn für den Autofahrer die Polizeikontrolle sichtbar wird, befindet sich rechts von ihm eine Lärmschutzwand.

Steigt er aus dem Auto aus, um zu Fuss zu flüchten - was immer wieder vorkommt - bleibt nur die Flucht über die andere Fahrspur in den Wald. Dort wartet bereits ein Polizist mit Hund - für alle Fälle.

Bricht ein Autofahrer durch die Kontrolle, schliesst ein Polizeifahrzeug sofort die eine Fahrspur, auf der anderen liegt ein Nagelgurt mit Netzen, die sich um das Fahrgestell wickeln würden.

Die Polizisten arbeiten ruhig. Erklären den Autofahrern, was sie tun. Bedanken sich am Ende für die Geduld. Ins Licht ihrer Taschenlampen blicken Männer und Frauen jeden Alters, einmal auch zwei aufgeschreckte Kinder, die auf der Rückbank schliefen.

Hin und wieder gönnen sich die Polizisten einen Cranberry-Himbeer-Tee. Es nieselt. Die Kontrollierten kurbeln die Scheibe hoch, während sie darauf warten, weiterfahren zu dürfen.

Plötzlich kreischen Pneus, ein Polizist schreit. Ein BMW-Fahrer drückte aufs Gas, statt auf die Bremse.

Vorne wird die Strasse abgesperrt. Doch der Fahrer besinnt sich und stoppt den Wagen. Er hat keinen Ausweis, keine Fahrzeugpapiere, muss aussteigen.

Im Trainerjäckchen und in Nike-Schuhen steht er nun im Regen. Er bleibt ruhig, auch als die Handschellen zuschnappen.

Er wird in eines der Einsatzfahrzeuge gebracht. Der 41-jährige Tscheche will nichts sagen.

Sein Auto spricht für sich: Das Zündschloss ist rausgebrochen. Die Nummernschilder gehören nicht zum Auto.

Der Diebstahl ist noch nicht gemeldet. Eine Patrouille holt den Tschechen eine halbe Stunde später ab und bringt ihn ins Zentralgefängnis Lenzburg. Der BMW wird ein paar Minuten nach ihm abgeholt.

Einsatzleiter Hansjörg Schenk freut sich. «Jetzt hat sich die Kontrolle bereits gelohnt.»

Währenddessen springt der Drogenspürhund in einen kleinen Peugeot. Er findet nichts.

Auch als der Polizist dem Franzosen die Taschen leert, ist nichts, wie es nicht sein sollte. «Es sind dubiose Gestalten unterwegs auf unseren Strassen», sagte Einsatzleiter Schenk bei der Befehlsausgabe. Manche sehen bloss dubios aus.

Eine junge Frau bekommt ihre Ausweise kurze Zeit später zurück. «Sie haben einmal Ihre Identitätskarte verloren», sagt der Polizist. Sie schaut ihn fragend an. «Das ist schon lange her», sagt er und lächelt - die Polizeidatenbank vergisst nicht.

45 Lenker mussten ins Röhrchen pusten. Einer hatte zu viele Promille. Sechs Ordnungsbussen wurden ausgestellt und ein Lenker besass keinen Führerausweis.

Im Einsatz waren in dieser Nacht alle: Kantonspolizisten, Grenzwache und Militärpolizei - nur die Einbrecher nicht.