Kölliken
Endspurt in Sondermülldeponie: Der Fels unter der Grube wird gespült

Die Entsorgungsarbeiten in der Sondermülldeponie Kölliken sind finanziell auf Kurs und kommen jetzt in die Schlussphase. Die Halle wird spätestens 2019 abgerissen.

Beat Kirchhofer
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Dieser Teil der Arbeiten ist abgeschlossen: der Abtransport der Abfälle und des kontaminierten Felses. Sandra Ardizzone/Archiv

Dieser Teil der Arbeiten ist abgeschlossen: der Abtransport der Abfälle und des kontaminierten Felses. Sandra Ardizzone/Archiv

Sandra Ardizzone

Die Sanierung der grössten Altlast der Schweiz, der Sondermülldeponie Kölliken (SMDK), ist weitgehend abgeschlossen. «Gestützt auf erste Bilanzierungen lässt sich bereits heute die nachhaltige Wirkung der getroffenen Sanierungsmassnahmen nachweisen», sagt Benjamin U. Müller, Geschäftsführer des Konsortiums Sondermülldeponie.

«Über 99 Prozent der wichtigsten schädlichen Substanzen konnten definitiv entfernt und korrekt entsorgt werden.» Damit sei die in der Sanierungsverfügung des Kantons Aargau fixierte Vorgabe, 95 Prozent des Schadstoffpotenzials zu entfernen, übertroffen worden.

Dank Optimierungen in verschiedenen Bereichen, basierend auf Erfahrungen aus der ersten Rückbauetappe, seien die Entsorgungsschritte der zweiten Etappe optimal verlaufen. Dadurch blieben die Sanierungsarbeiten – trotz grösserer Aushubmengen als ursprünglich vermutet – zeitlich wie auch finanziell im vorgesehenen Rahmen.

Poröser Sandstein

So weit die guten Nachrichten. Was noch ansteht, ist die endgültige Sanierung des kontaminierten Untergrunds. Der ist felsig und besteht aus Sandstein und Mergel (eher tonreiche Gesteine). Rund 46 000 Tonnen (eine Zahl, die in etwa der Ladung von 2600 vierachsigen Kipplastwagen entspricht) Fels sind zwar in den letzten Monaten ausgegraben worden. Nun aber ist damit Schluss, um mit dem Bagger nicht die Stabilität des Hangs und damit der Halle zu gefährden.

Wie weiter? «Die typischen Sandsteinschichten weisen eine Porosität von bis 10 Prozent auf und sind deshalb recht gut durchlässig für flüssige Schadstoffe, aber auch für Wasser», sagt Müller. Deshalb ist man zum Schluss gekommen, die Restkontaminationen auszuwaschen.

Dazu wird der seit zehn Jahren trockengelegte Felsuntergrund während der nächsten Monate mit Wasser berieselt. Das versickernde Nass löse die am Fels haftenden Stoffe. Das Wasser wird anschliessend im Drainagebrunnen der Grubenabschirmung Süd aufgefangen und in der Kläranlage der SMDK gereinigt.

Halle wird 2018 oder 2019 abgebrochen

Falls sich die Sickerwasserqualität nach Abschluss der Arbeiten nicht im angestrebten Bereich befindet, würde man mit sogenannten Grosslochbohrungen weiterfahren. Diese haben laut Müller einen Durchmesser von 1,2 bis 1,5 Meter und werden mit einem grossen Gerät ausgeführt, wie es für Pfahl- oder Brunnenbohrungen zum Einsatz kommt.

Da solche Bohrtürme eine Höhe von 15 bis 25 Metern haben, könnten diese Arbeiten, falls nötig, erst nach Abbruch der Halle ausgeführt werden. Dennoch: Einer geplanten Teilauffüllung der Deponie im Jahr 2017 mit sauberem Ausbruchmaterial des neuen Eppenbergtunnels der SBB stehe nach heutigem Wissensstand nichts im Wege.

Anschliessend geht es in den Jahren 2018/19 an den Abbruch der Halle. Dieser wird erfolgen, und aus der Halle wird keine Ski-Arena Mittelland, keine riesige Tennis- oder Konzerthalle. Dafür gibt es gleich zwei Gründe: Zum einen ist die in den Jahren 2006 und 2007 erstellte Konstruktion nur für eine Lebensdauer von zehn Jahren konzipiert. Zum anderen hat die Gemeinde Kölliken die Zusage, dass die Halle nach Abschluss der Arbeiten abgebrochen wird.

Das Monitoring wird fortgesetzt

Auch nach Abschluss aller Arbeiten werde die SMDK für die alte Tongrube im Rahmen einer Nachsorge ihre Verantwortung weiterhin tragen. «Das Grundwassermonitoring sowie der Betrieb der Abschirmung Süd werden solange erfolgen, wie dies zum Schutze des Grundwassers und der Umwelt nötig ist», versichert Müller.

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