Der Frankenschock von 2015 hat die exportorientierte Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM) im Aargau überdurchschnittlich hart getroffen. Damals sank die preisliche Wettbewerbsfähigkeit praktisch über Nacht um bis 20 Prozent. Die Margen schmolzen dahin. In der Folge brachen auch die Firmensteuern ein.

Das spürt die Region Baden besonders stark. Deutlich besser geht es im Fricktal mit seinem grossen Pharmacluster. Seit dem Frankenschock vor rund drei Jahren stieg zwar die Zahl der Stellen im Aargau insgesamt minim, doch nach Branchen sehr unterschiedlich. Die Metallindustrie verlor seither über 3 Prozent, die Elektro- und Maschinenindustrie gar über 5 Prozent der Arbeitsplätze. Zulegen konnten vorab die chemisch-pharmazeutische Branche sowie der Dienstleistungssektor.

Auf den Euroraum ausgerichtet

Abgesehen davon, dass die MEM-Industrie im Aargau überdurchschnittlich vertreten ist, traf der Frankenschock den Kanton auch deshalb so schwer, weil mehr 60 Prozent der Exporte von Firmen aus dem Aargau in den Euroraum gehen. Gesamtschweizerisch sind es «nur» über 40 Prozent. Dies zeigt die gestern in Aarau vorgestellte neue Wirtschaftsumfrage der Aargauischen Industrie- und Handelskammer (AIHK).

Der Aargau gilt als wichtigster Industriekanton der Schweiz. Dabei hat insbesondere die MEM-Industrie, die traditionellerweise für die Wirtschaft im Aargau einen hohen Stellenwert hat, stark unter der Frankenstärke gelitten. Denn zusätzlich zum Frankenschock hatte sich gleichzeitig auch die globale Nachfrage nach Industriegütern abgekühlt. Studienverfasser Christoph Vonwiller sagt: «Eine Rosskur par excellence war die Folge.»

In der Maschinen- und Elektroindustrie – auch aufgrund des Wegzugs grosser Unternehmen – verschwanden im Jahr 2015 im Kanton Aargau rund 5,3 Prozent aller Arbeitsplätze. Dies ist im Vergleich zum gesamtschweizerischen Schnitt mit einem Minus von 3,5 Prozent viel. Doch das scheint jetzt Vergangenheit.

Denn laut der Wirtschaftsstudie hellt sich der Horizont angesichts des gestiegenen Eurokurses deutlich auf. Die von Fahrländer Partner durchgeführte Studie stellt eine aktuell gute Verfassung der Aargauer Wirtschaft fest. Bei der Maschinen- und Elektroindustrie ist dies aber erst seit Mitte 2017 festzustellen. Laut Studienverfasser Christoph Vonwiller sorgt der schwächere Franken «und eine auf Hochtouren laufende globale Konjunktur» für die guten Aussichten.

Der positive Umschwung ist da

Trotz etlicher Herausforderungen zeigen sich auch die an der Umfrage teilnehmenden Detail- und Grosshändler ob der allgemeinen Entwicklung des Geschäftsjahres 2017 zufrieden und seien für das laufende Jahr mehrheitlich optimistisch. Vonwiller betont: «Die Stimmung unter den Aargauer Unternehmen ist so gut wie schon lange nicht mehr.»

Die positive Stimmung in der Industrie zeigt sich laut Vonwiller weitgehend auch in den kantonalen Exportzahlen. So ist in der Metallindustrie das Ausfuhrvolumen ab Mitte 2017 im zweistelligen Bereich gewachsen. Insgesamt legten die Exporte 2017 um hohe 13,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu.

In der Maschinen- und Elektroindustrie hingegen sind die Aargauer Exportzahlen mit –3,2 Prozent rückläufig. Gerade für die Maschinenindustrie stellen die Schwellenländer laut der Studie einen vergleichsweise wichtigen Absatzmarkt dar. Während bisher jedoch vor allem die Wirtschaft in den USA und Europa auf Hochtouren läuft, kommt der Aufschwung in den Schwellenländern vorerst langsam voran.

Vonwiller: «Internationale Hightech-Energie-Player wie ABB, Ansaldo, Axpo, AF Consult oder General Electric mit Hauptsitz in Baden wie auch andere Aargauer Industrie- und Handelsunternehmen dürften mit der anziehenden globalen Nachfrage, unterstützt vom schwächeren Franken, entsprechend erfreulichen Zeiten entgegenblicken.» Die an der Studie teilnehmenden Firmen schätzen ihre Geschäftslage seit dem Frankenschock von Jahr zu Jahr positiver ein.

In der diesjährigen Auflage reicht die Beurteilung zur allgemeinen Entwicklung des Geschäftsjahres laut Vonwiller im Rückblick «von befriedigend bis mehrheitlich gut, mit einer leicht steigenden Erwartung für das laufende Jahr». Die Auftragslage hat sich insgesamt deutlich verbessert, sowohl aufgrund des erhöhten Eingangs von Aufträgen aus dem Ausland wie auch aus dem Inland, was sich letztlich in einer steigenden Auslastung der Produktionskapazitäten niederschlage. So erwarten etwa die befragten Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes im laufenden Jahr eine Auslastung von 90 Prozent.

In der beschäftigungsmässig grössten Industriebranche des Kantons, der Elektrobranche, ist laut der Studie Optimismus zu verspüren. Besonders Firmen, die in der Herstellung von Datenverarbeitungsgeräten, elektronischen und optischen Erzeugnissen tätig sind, berichten von einem sehr guten Geschäftsjahr.

Die Pharmaindustrie läuft unverdrossen auf Hochtouren. Diese wertmässig grösste Exportbranche des Kantons Aargau überflügelte in den letzten Jahren performancemässig alle anderen Branchen. Die Branchen hegen aber sehr unterschiedliche Erwartungen, wie die grosse Grafik auf dieser Seite deutlich macht.

Grosse Sorge: Fachkräftemangel

Laut Handelskammer-Geschäftsleiter Peter Lüscher erachten die teilnehmenden Firmen den Kanton Aargau weiterhin als guten Standort. Die Verfügbarkeit von Fachkräften und Hochqualifizierten erachten die Firmen jedoch höchstens als befriedigend bis gut. Die Pharmabranche beurteilt sie mehrheitlich nur als «befriedigend» bis teils sogar «schlecht». Dies schlage sich in der Praxis in der grossen Nutzung von Drittstaatenkontingenten nieder, heisst es weiter.

Die AIHK lässt die Wirtschaftsstudie jedes Jahr durchführen. Diesmal nahmen 480 Unternehmungen teil, die für 46 000 Arbeitsplätze stehen. Das entspricht rund 38 Prozent der AIHK-Mitgliedsfirmen. Die total 1750 Mitgliedsfirmen stehen für insgesamt 40 Prozent aller im Aargau angebotenen Arbeitsplätze.