Tiefenlager

Endlagersuche dauert – der Atomabfall bleibt noch für Jahrzehnte im Zwilag

Die schweren Behälter mit hoch radioaktiven Abfällen werden per Spezialfahrzeug ins Zwischenlager Würenlingen geliefert.

Die schweren Behälter mit hoch radioaktiven Abfällen werden per Spezialfahrzeug ins Zwischenlager Würenlingen geliefert.

Nagra-Chef Thomas Ernst wagt nach Verzögerungen keine Prognose, wann der Bau für das erste Tiefenlager in der Schweiz beginnen könnte. Die 100 Tonnen schweren Behälter bleiben noch jahrelang im Würenlinger Zwischenlager.

Fast endlos verzögern sie sich, die Endlager für die radioaktiven Abfälle. «Eine Jahreszahl bis zum Baubeginn kann ich nicht nennen», sagte Thomas Ernst vor den Medien in der Villa Boveri in Baden. Besser als Ernst weiss es keiner im Land, denn er ist Vorsitzender der Geschäftsleitung bei der Nationalen Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra). Klar ist nur so viel: Das Lager für schwach- und mittelaktive Abfälle (SMA) kann erst deutlich später als 2035 eröffnet werden. Und jenes für die hoch radioaktiven Abfälle kommt später als 2045.

Damit bleiben die 100 Tonnen schweren Behälter noch für Jahrzehnte im Würenlinger Zwischenlager. Es ist im Frühjahr 2000 eröffnet worden und hat Platz für die radioaktiven Abfälle aus dem Betrieb der fünf Atomkraftwerke sowie aus Medizin und Forschung.

Reduktion auf 3 bis 5 Standorte

Bis auf eine Ausnahme (Zürich, Nordost) sind schon alle Oberflächenstandorte festgelegt, die dereinst als Pforte zum Tiefenlager dienen. Als Standort hat die Regionalkonferenz Jura Ost einzig Villigen bestimmt. In der Nähe der Kantonsgrenze liegen zudem Däniken SO am Jura-Südfuss und im Osten Weiach ZH für das Gebiet Nördlich Lägern. Zu den weiteren Standort-Regionen gehören Zürich Nordost, Südranden und der Wellenberg (NW).

Vorerst sind noch alle sechs Lagerstandorte völlig gleichberechtigt im Rennen. Den Wegfall von Wellenberg oder Jura-Südfuss dementierte Thomas Ernst vehement. «Bis Ende 2014 wollen wir auf drei bis fünf Standorte reduzieren», versprach er. Als Kriterium diene primär die geologische Qualität und damit die Langzeit-Sicherheit, die derzeit genau untersucht werden.

Nicht vor 2017 im Bundesrat

«Von den besten Standorten werden die am wenigsten guten zurückgestellt», schreibt die Nagra dazu. Aber sie selber kann lediglich Vorschläge machen, die dann von Experten der Behörden unter die Lupe genommen werden. Konkret durch das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (Ensi), die Eidg. Kommission für nukleare Sicherheit und die Arbeitsgruppe Sicherheit der Kantone. Wenn deren Berichte nach zwei Jahren vorliegen, wird der Bundesrat 2017 über die Standorte beschliessen. Von drei bis weiterhin sechs Standorten ist alles möglich. Allein bis zu einer Rahmenbewilligung rechnet die Nagra mit gegen zehn Jahren, also bis etwa 2023. Im höchst komplexen Verfahren sind danach zahllose weitere Schritte nötig.

Entscheide brauchen viel Zeit

Die Stichworte zum Ablauf: Entscheid des Bundesrates, fakultatives Referendum, allenfalls Entscheid durch das Stimmvolk. Danach braucht es für einige Jahre weitere Versuche in einem Felslabor, «damit wir sehen, ob es gemäss unseren Berechnungen funktioniert», betonte Ernst.

Das Baubewilligungsverfahren und später das Verfahren für die nukleare Betriebsbewilligung werden weitere Zeit benötigen. Die Nagra arbeitet nicht im Elfenbeinturm, sondern ist laut Irina Gaus von der Projektleitung Geowissenschaften national eng mit der Forschung verknüpft, mit dem Paul-Scherrer-Institut Villigen, der Uni Bern, der ETH Zürich und der EPFL Lausanne.

In den Felslabors werden räumliche und zeitliche Simulationen durchgeführt, am Grimsel im Kristallingestein und am Mont Terri im Opalinuston. Als unerlässlich wird auch die internationale Zusammenarbeit eingestuft, in Europa u. a. mit den Lagerstandorten in Schweden und Finnland, mit der OECD, aber auch mit den USA.

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