Neue Anklage
Endinger Sektenguru soll mehr Frauen missbraucht haben als angenommen

Sektenguru Max H. aus Endingen vergriff sich immer wieder an Frauen. 2009 wurde er wegen sexueller Nötigung im Kanton Solothurn verurteilt. Und er hat offenbar nicht aufgehört: Er soll weitere Frauen im Aargau missbraucht haben.

Silvan Hartmann
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Geistheiler, Naturheilpraktiker, Meditationslehrer, Sektenguru – Max H. trägt viele Etiketten. Aber Max H. aus Endingen ist vor allem eines: Ein Mann, der sich immer wieder an Frauen vergriffen hat. Der 64-jährige Schweizer hatte bereits früher zwei Frauen zum Teil über mehrere Jahre zu sexuellen Handlungen gezwungen. Der Wunderheiler hatte die Frauen in seiner Meditationsgruppe kennengelernt, die 150 Anhänger umfasste.

Nun hat die Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach eine neue Anklage erhoben, wie sie am Montag mitgeteilt hat. Max H. wird vorgeworfen, er habe drei weitere Frauen regelmässig zu Oralsex gezwungen. Die Frauen waren alle seine «Schülerinnen» und gehörten seiner «Meditationsgruppe» an. Eine der drei Betroffenen soll er zudem genötigt und angestiftet haben, gegenüber der Strafuntersuchungsbehörde falsche Aussagen betreffend der ihm zur Last gelegten Delikte zu machen.

Rückblick: Im Jahr 2009 wurde Max H. im Kanton Solothurn wegen sexueller Handlungen mit Mädchen und Nötigung zu 27 Monaten Haft verurteilt, sechs davon unbedingt. Diese sass er ab. Im November 2012 sorgte er wieder für Schlagzeilen. Als er von einer milderen Strafe profitierte, zügelte «Meister Soeido», wie er sich nannte, nach Endingen, wo man ihn nicht kannte – und empfing dort prompt wieder Damen in seiner «Meditationsgruppe».

In Endingen bekannt

Max H. wurde rückfällig. Er leistete sich weitere Vergehen, obwohl das Urteil ihm verboten hatte, Sektenmitglieder anzuwerben. Seither sitzt Max H. in Untersuchungshaft und wartet auf den Prozess. Auch dieses Mal geht es um mehrfache sexuelle Nötigung und mehrfache Ausnützung einer Notlage.

Nachdem kurz nach der Anklageerhebung eine weitere Frau gegen den Beschuldigten Anzeige erstattet hatte, sistierte das Bezirksgericht Zurzach auf Antrag der Staatsanwaltschaft das Verfahren bis zum Abschluss der neu eröffneten Strafuntersuchung. Insgesamt wirft die Staatsanwaltschaft dem Beschuldigten strafbare sexuelle Handlungen zum Nachteil von fünf Frauen vor.

In der Gemeinde Endingen wusste man vom Zuzug des Straftäters und dessen Vergangenheit. Von der Nachbarschaft sei er bis zur Verhaftung im November 2012 nur sehr vage wahrgenommen worden. «Grüezi» sei das einzige Wort gewesen, das er mit Max. H. in den Jahren seit seinem Einzug ins Einfamilienhaus habe wechseln können, sagte ein Anwohner damals. An den Wochenenden sei vor dem Haus des Sektengurus jeweils viel Betrieb gewesen, mit Leuten, die «sehr sonderbar daherkamen».

Max H. drohen mit der neuen Anklage bis zu zehn Jahre Gefängnis.