Marco Hauensteins Leben ist alles andere als einfach: Als Baby machte er einen halbjährigen Drogenentzug durch, wuchs bei einer Pflegefamilie auf, hatte Probleme in Schule und Beruf.

Dazu kommt der sehnliche Wunsch des 19-Jährigen, endlich seine vermisste Mutter zu finden. Mit Hilfe eines Facebook-Beitrags konnte er Medien und Menschen in der ganzen Schweiz und Europa erreichen, Hinweise sammeln und erste Erfolge feiern. Kürzlich konnte der Zuger seine Aargauer Grossmutter das erste Mal in die Arme schliessen: ein emotionaler Moment, der seine Hoffnung, auch einmal seine Mutter umarmen zu können, nur noch grösser werden lässt.

Am Mittwochabend sprach Hauenstein mit Markus Gilli bei im «TalkTäglich» über die Ängste und Gedanken, die ihn während der Suche ständig begleiten.

Der Facebookaufruf vor 20 Tagen war eine Idee von Marcos Freunden gewesen, er selbst war erst skeptisch: "Ich hatte Bedenken, da Facebook alle möglichen Menschen erreicht und in alle Richtungen, ob positiv oder negativ, ausschlagen kann. Im Nachhinein war ich aber sehr froh, den Beitrag erstellt zu haben."

Facebook: Marco Hauenstein sucht nach Mutter, Vater und Verwandten

Facebook war der erste Schritt, der ihn näher zur Erfüllung seines grössten Wunsches brachte: Seine Mutter kennenzulernen. Ob es überhaupt soweit kommt, ist nicht klar.

Die Behörden die Marco befragte, konnten kaum Auskunft geben. Es ist ungewiss, ob seine Mutter Gina Hauenstein überhaupt noch lebt. "Natürlich habe ich Angst davor, dass meine Hoffnungen enttäuscht werden", sagt der 19-Jährige. "Aber ich spüre einfach, sie noch lebt." Für Marco zählt die Gewissheit: Er muss herausfinden, was damals passiert ist, ansonsten könne er keine Ruhe finden. 

Positiv bleiben und nie aufgeben

Einen Vorwurf, weil die Mutter ihn als Baby verlassen hat, macht ihr Hauenstein nicht. Ganz im Gegenteil: "Ich kann ihr nichts vorwerfen, ich weiss ja nicht wie es ihr damals gegangen ist. Aber ich hoffe, dass ich sie ermuntern kann, sich bei mir zu melden. Ich wäre überglücklich." 

Nachdem er den Drogenentzug überstanden hatte, kam er in ein Kinderheim und wuchs später bei einer Pflegefamilie auf. Die Atmosphäre dort sei immer sehr herzlich und unterstützend gewesen: "Meine Pflegeeltern haben mir viel Zuneigung gezeigt und verstanden, dass ich meine leiblichen Eltern unbedingt kennenlernen möchte." 

Der Wunsch die Mutter zu finden, entwickelte sich bei Marco, als er 16 Jahre alt war. Damals zog er von daheim aus. Dann brach er zwei Lehren ab. "Ich war nicht einfach und habe meiner Pflegemutter leider viele Sorgen bereitet."

Er ist sich sicher: Sollte er seine Gina Hauenstein finden, kann auch er sich weiterentwickeln. Zahlreiche Enttäuschungen musste der Zuger schon einstecken, doch kürzlich fand er seine Tante, seine Grossmutter und seinen Onkel im aargauischen Kleindöttingen - emotionale Höhepunkte seines Lebens.

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Ein 19-Jähriger ist bei Pflegeeltern aufgewachsen und sucht nun nach seinen leiblichen Eltern. Schon seit 3 Jahren ist Marco Hauenstein auf der Suche.

"Meine Verwandten brauchen noch etwas Zeit, alles zu verarbeiten." Hauenstein erhofft sich, von seiner Tante mehr Indizien zum Verschwinden seiner Mutter zu erfahren. Von seiner Grossmutter weiss er bereits, dass Gina Hauenstein das elterliche Haus am 19. Februar 2000 gegen 16.50 verliess - und seither unauffindbar ist.

Doch schon jetzt malt sich Sohn Marco das Treffen mit der seit 17 Jahren verschollenen Frau aus: "Ich wäre wahrscheinlich so überwältigt, dass ich kein einziges Wort herausbringen würde." 

Seine schwierige Familiengeschichte und die angstrengende Suchaktion bringen ihn manchmal an seine Grenzen, doch Hauenstein ist eine Kämpfernatur: "Ich bleibe positiv. Zudem will ich jeden, der auch nach Familienmitgliedern sucht, ermutigen nie die Hoffnung aufzugeben." 

Sehen Sie Marcos Auftritt bei Talk Täglich hier in voller Länge: 

Wo sind meine leiblichen Eltern?

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Aufgewachsen in einer Pflegefamilie, sucht der 19-jährige Marco Hauenstein seine Eltern via Facebook. Warum er sie jetzt plötzlich finden will.