Jubiläum
Elternverein fordert Ombudsstelle für Probleme mit Schulen

«Schule und Elternhaus» ist im Aargau seit 50 Jahren aktiv. Schweizweit vertritt es die Anliegen der Eltern zum Thema Schule. Trotzdem sieht sich die Organisation nicht als Elternlobby und möchte weiterhin im Hintergrund bleiben.

Urs Moser
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Der Vorstand von Schule und Elternhaus Aargau (mit Revisor Jürg Landis): Sandra Zehren, Susanne Menegaldo, Therry Landis und Nicole Hoffmann Meier.zvg

Der Vorstand von Schule und Elternhaus Aargau (mit Revisor Jürg Landis): Sandra Zehren, Susanne Menegaldo, Therry Landis und Nicole Hoffmann Meier.zvg

Als Elternorganisation der deutschsprachigen Schweiz vertritt Schule und Elternhaus Schweiz (S&E) auf nationaler Ebene die Anliegen der Eltern zu Themen rund um die Schule. Ziel ist, die partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Schule, Behörden und Eltern zu fördern.

Dies geschieht zum Beispiel mit sogenannten Vernetzungsanlässen, wie S&E Aargau heute einen in Lenzburg durchführt: Aus Anlass des 50-jährigen Bestehens der Kantonalsektion steht etwas Besonderes auf dem Programm: Das Forumtheater Zürich zeigt Szenen aus dem Zusammenspiel von Eltern und Lehrpersonen, wobei das Publikum in das Geschehen eingreifen und die dargestellten Szenen spielerisch verändern kann.

300 Mitglieder im Aargau

Obwohl seit Jahrzehnten etabliert, ist Schule und Elternhaus eine Organisation, die man in der bildungspolitischen Diskussion im Aargau nicht sehr oft und nicht sehr laut zu hören bekommt.

Ein Stück weit sei das gewollt, sagt Nicole Hoffmann Meier, bis vor kurzem Präsidentin und nun zusammen mit drei weiteren Vorstandsmitgliedern im Team für die Leitung der Kantonalsektion zuständig.

Der Verein ist politisch neutral und keine homogene Interessengruppe, deshalb kann es heikel sein, sich mit Positionsbezügen zu weit aus dem Fenster zu lehnen. Das Letzte, was man brauchen könnte, wäre eine Abwanderung von Mitgliedern, denn deren Zahl ist mit rund 300 im Kanton ohnehin schon knapp genug, um eine starke Stimme zu bilden.

Auf der anderen Seite sei sie aber schon der Auffassung, dass S&E nicht nur als Organisator von Bildungs- und Informationsveranstaltungen auftreten, sondern auch eine eigene Meinung haben sollte, sagt Nicole Hoffmann. Die Organisation ist durchaus Ansprechpartner von Bildungsdepartement und Lehrerverband, wenn es um Fragen des Zusammenspiels von Schule, Schulbehörden und Eltern geht.

Das bildungspolitische Standbein hat in letzter Zeit eher an Bedeutung gewonnen, die Elternbildung ist die Domäne der Regional- und Lokalsektionen, von denen es derzeit allerdings nur noch vier im ganzen Aargau gibt: Oftringen, Zofingen, Villmergen und Wohlen.

In der Vermittlerrolle

Schule und Elternhaus versteht sich nicht unbedingt als eigentliche Elternlobby im Sinne einer Interessenvertretung gegenüber Lehrerschaft und Schulbehörden. Das mag vielleicht gerade ein Grund für die doch auf bescheidenerem Niveau als gewünscht stagnierende Mitgliederzahl sein: Es gibt immer mehr lokale Elternräte oder ähnliche Gruppierungen, welche vor Ort die Interessenvertretung gegenüber den lokalen Schulbehörden wahrnehmen.

Bei S&E grenze man sich lieber etwas vom Begriff Mitwirkung ab, sagt Hoffmann. Die Schulen müssten die Eltern im Rahmen ihrer Möglichkeiten einbeziehen, das ist schon ein Kernanliegen von S&E, aber die Mitwirkung müsse nicht zwingend institutionalisiert sein. Wichtig sei, dass die Schule die Anliegen der Eltern ernst nimmt und umgekehrt, man sehe sich da eher in einer Vermittlerrolle. Daher auch die Organisation der eingangs erwähnten «Vernetzungsanlässe» als eine der Kernaufgabe der Kantonalsektion. Dort soll Gelegenheit sein, dass sich Mitglieder von Schulbehörden, Schulleitungen, Lehrkräfte und Eltern miteinander austauschen.

Bei vielen Fragen zu Bedürfnissen von Kindern seien nun mal Eltern die Fachleute, da hätten die Schulen vielleicht schon auch unberechtigte Ängste, dass man ihnen zu viel dreinreden wolle. Auf der anderen Seite sieht S&E-Vorstandsfrau Hoffmann durchaus ein Problem darin, dass die Stellung der Lehrkraft als Respekts- und Autoritätsperson gelitten hat. «Wir möchten die Stellung der Lehrerinnen und Lehrer gestärkt sehen, das ist auch gut für die Kinder», so Hoffmann.

Eltern-Ombudsstelle verlangt

Seine Vorstellung vom Zusammenspiel zwischen Schule und Elternhaus bringt der Verein in der Anhörung zur Neurorganisation der Führungsstrukturen der Volksschule zum Ausdruck. Grundsätzlich ist man mit den Vorschlägen einverstanden, wobei man Vorbehalte bezüglich einer allzu grossen Machtballung bei den Schulleitungen hat.

So wünscht man sich die Einsetzung von gemeinderätlichen Kommissionen als beratende Gremien nicht als Kann-Bestimmung, sondern als Muss. Und in diesen Kommissionen sollte dann auch zwingend eine Elternvertretung Einsitz haben. Ein zweites Anliegen: Es sollte so etwas wie ein Eltern-Ombudsmann geschaffen werden: eine niederschwellige Anlaufstelle, wo Probleme ausserhalb des Beschwerde- und Instanzenwegs besprochen werden können.

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