Frick

Elf Prozent der Aargauer Bauern produzieren biologisch – das reicht noch nicht aus

Das Projekt Bio-KMU will Bio im Kanton Aargau beliebter machen. (Symbolbild)

Das Projekt Bio-KMU will Bio im Kanton Aargau beliebter machen. (Symbolbild)

Vier Jahre lang weibelte eine Projektgruppe am Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) für mehr Nachhaltigkeit auf allen Ebenen. Immer mehr Bauern sollen dazu bewegt werden, auf eine biologische Produktion umzusteigen.

Nachhaltiger will man werden im Aargau. Umweltfreundlicher. Mehr Bio. Darum hat der Kanton 2016 mit dem Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) in Frick das Projekt Bio-KMU lanciert. Dem erklärten Ziel sei man dabei einen grossen Schritt nähergekommen, sagte Projektleiter und Grünen-Grossrat Robert Obrist, als Bio-KMU am Donnerstag offiziell abgeschlossen wurde.

Neun Prozent der Aargauer Bauern produzierten 2016 biologisch. Mittlerweile sind es elf Prozent. Das erklärte Ziel: 14 Prozent. «Wir sind auf gutem Weg, das zu erreichen», sagte Obrist. Dafür hat das Projektteam unter anderem eine Werbebroschüre zusammengestellt. Und es baut eine Geschäftsstelle auf, um Biobauern stärker zu vernetzen.

Der Biolandbau boomt – auch im Aargau!

"Kaum war der Lockdown vorbei, gingen die Menschen wieder ennet der Grenzen einkaufen": Bio-KMU-Projektleiter Robert Obrist im Tagesgespräch bei Tele M1.

Bio beim Bauer, im Laden und auf dem Teller

Das Besondere am Projekt: Es sollten nicht einfach mehr Bauern dazu bewegt werden, auf biologische Produktion umzusteigen. Das Projektteam wollte alle Player in der Wertschöpfungskette zu mehr Nachhaltigkeit bewegen. Der Bauer sollte mehr Bio anbauen, der Händler mehr Bio vermarkten, der Koch mehr Bio zubereiten, damit die Produkte auch beim Konsumenten landen. Die KMU, die mit Bio zu tun haben, sollen gestärkt werden. Bestenfalls passiert die gesamte Produktion eines Bioprodukts regional. Dabei geht es auch um Arbeitsplätze im Kanton.

Aber auch neue Pflanzensorten sind ein Mittel, um das Ziel von mehr Nachhaltigkeit zu erreichen. Eine davon ist der Waldstaudenroggen. Eine ältere Sorte, die nun wieder vermehrt angepflanzt werden soll. Mit finanzieller Unterstützung von Bund und Kanton. Weil die Sorte sehr viele Wurzeln bildet, ist sie gut für den Boden. «Wir waren erstaunt», sagte Stefan Schreiber, Präsident von Bio Aargau, «wie gross das Wurzelwerk auf unserem Betrieb war. Das ist gut für die Humus-Wirtschaft und kann auch bei CO2- Problemen helfen.»

Und weiter: «Die Produkte biologisch herzustellen, ist aber nur der erste Schritt. Bis sie genossen werden können, braucht es weitere Schritte.» Diese hatte das Projekt Bio-KMU im Visier. So sollten Ausbildungsstätten wie Berufsschulen sensibilisiert werden, damit zum Beispiel Köche in ihren Rezepten mehr Bioprodukte verwenden. Auch hier sieht man die Folgen des Projekts bereits. Das sagte Paul Knoblauch, Rektor der Berufsschule Aarau: «Nachhaltigkeit dürfen wir nicht ausblenden. Wir müssen ständig wieder sensibilisieren. Dazu hat das Projekt sicherlich beigetragen.»

Berufsschule kauft mehr Bio und bildet mehr Bio aus

So hat zum einen die Kantine der Berufsschule in den vergangenen Jahren noch stärker auf Bio und regionale Produkte gesetzt. Allerdings: «Bio hat auch eine Grenze, das ist der Preis», so Knoblauch. «Unsere Mensa muss kostendeckend sein. Unser Handlungsspielraum ist deshalb klein.» Auf der anderen Seite sind Bio und Nachhaltigkeit noch stärker in die Lehrpläne eingeflossen. Die Definitionen und Unterschiede der Nachhaltigkeitslabel sind heute fester Bestandteil der Lehrabschlussprüfungen. «Unsere Lernenden sind sensibilisiert. Und sie tragen diese Gedanken in ihre Betriebe hinaus. Dadurch werden sie zu Multiplikatoren.»

Der Aargau ist der erste Kanton, der in einem Projekt detailliert sämtliche Akteure in der Wertschöpfungskette für Bio zu sensibilisieren versucht. International steht er aber nicht alleine da: Beim Projekt gab es einen Austausch mit verschiedenen Ländern aus ganz Europa, von Finnland bis Spanien.

In einer ersten Phase gingen mehrere Projektmitglieder ins Ausland, tauschten Erfahrungen mit anderen Biobauern aus, Verarbeitungsmethoden und Wertschöpfungsketten wurden verglichen. Diese sind, je nach Land, sehr unterschiedlich. Projektleiter Obrist sagt: «Dadurch, dass wir so unterschiedliche Strukturen gesehen haben, wie Bioprodukte verarbeitet werden, konnten wir genau sehen, wo die Wertschöpfung passiert.» Dieses Wissen ist dann in die Projekte in der Schweiz eingeflossen.

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