Hartes Urteil
Elf Jahre Haft: Das wird der «Todesraser von Seon» nicht akzeptieren

Die Verteidigung des Todesrasers von Seon legt voraussichtlich Berufung gegen das harte Urteil ein. Mit dem Strafmass ging das Lenzburger Gericht drei Jahre über die von der Staatsanwaltschaft geforderten acht Jahre hinaus.

Jörg Meier
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Die Bergung der Opfer auf der Unfallstelle zwischen Seon und Schafisheim in der Nacht vom 1. auf den 2. November 2014. HO

Die Bergung der Opfer auf der Unfallstelle zwischen Seon und Schafisheim in der Nacht vom 1. auf den 2. November 2014. HO

Für Pflichtverteidiger Dominik Rothacher ist die Sache klar: «Im Moment kann ich mir keinen Sachverhalt vorstellen, der die Verteidigung davon abhalten könnte, das Urteil vor das Obergericht weiterzuziehen.» Definitiv festlegen will er sich aber erst, wenn die schriftliche Urteilsbegründung vorliegt.

Am vergangenen Donnerstag verurteilte das Bezirksgericht Lenzburg einen 32-jährigen Autolenker zu einer Haftstrafe von elf Jahren. Der Mann hatte vor zwei Jahren bei einem gefährlichen Überholmanöver mit stark überhöhter Geschwindigkeit zwei Menschen getötet und drei schwer verletzt.

Mit diesem Strafmass ging das Lenzburger Gericht drei Jahre über die von der Staatsanwaltschaft geforderten acht Jahre hinaus. Eine solch drastische Erhöhung des Strafmasses gegenüber dem Antrag der Staatsanwaltschaft sei aussergewöhnlich, erklärte Rothacher.

Und es sei ihm auch kein ähnlich hohes Urteil für ein vergleichbares Vergehen in der Schweiz bekannt. Bisher seien sechs bis acht Jahre Haft für Raser nach Unfällen mit Todesfolgen die höchsten ausgesprochenen Strafen gewesen.

Vorsätzlich oder fahrlässig?

Als eventualvorsätzliche Tötung und eventualvorsätzliche schwere Körperverletzung hatte das Bezirksgericht die Tat beurteilt.

Die allgemeine Diskussion um Raserurteile zeigt aber, dass viele Juristen es für problematisch halten, Rasern vorsätzliche Tötung vorzuwerfen, weil die Grenze zwischen Vorsatz und Fahrlässigkeit kaum eindeutig definiert werden könne; die Auswirkungen auf das Strafmass jedoch sind enorm.

Bei einer Verurteilung «bloss» wegen fahrlässiger Tötung müsste der Unfallverursacher von Seon allerhöchstens für drei Jahre ins Gefängnis.

«Könnte man für fahrlässige Tötung ein Strafmass bis zu fünf Jahren ansetzen», erklärte Strafrechtsprofessor Martin Kilias gegenüber Tele M 1, «bin ich überzeugt, dass Richter viel öfter solche Urteile aussprechen würden. Dann würde man die Diskussion über eventualvorsätzliche oder fahrlässige Tötung gar nicht führen.»

Zustimmung im Netz

«Hart, aber fair» findet Stefan Krähenbühl von Road Cross das Urteil. Die Stiftung unterstützt Opfer und Hinterbliebene von Verkehrsunfällen. «Ich kann mich an kein vergleichbares Urteil bei einem tödlichen Verkehrsunfall erinnern», erklärte er und fügte an: «Das Urteil wird dazu beitragen, dass die Angehörigen der Opfer die Geschehnisse schneller verarbeiten können.»

Auch bei der Community im Internet warf das Urteil hohe Wellen. Wobei das hohe Strafmass vorwiegend auf grosse Zustimmung stiess; wäre es nach dem Willen verschiedener User gegangen, wäre es sogar noch höher ausgefallen.