Verkehrstechnologie

Elektrobus der ABB gewinnt Energiepreis, wird aber im Aargau ausgebremst

Die weltweit schnellste Ladetechnologie ist von der ABB entwickelt worden.

Visualisierung: Aufladen an den Haltestellen.

Die weltweit schnellste Ladetechnologie ist von der ABB entwickelt worden.

Das ABB-Projekt für elektrische Busse ist heute vom Bundesamt für Energie ausgezeichnet worden. Auf Aargauer Strassen wird das innovative, ökologische Verkehrsmittel aber vorläufig nicht eingesetzt. Warum eigentlich nicht?

Während die Buspassagiere ein- und aussteigen, lädt sich die Batterie an der Haltestelle wieder auf – innert weniger Sekunden. Was nach Zukunftsvision tönt, ist bereits Realität. Die ersten Elektrobusse stehen im Einsatz, nun werden sie mit dem «Watt d’Or» des Bundesamts für Energie ausgezeichnet. Der Preis, der am Donnerstag in Bern verliehen wurde, belohnt aussergewöhnliche Leistungen im Energiebereich.

Zwei der fünf Gewinner haben Aargauer Bezug. Neben dem Energiepreis für ein Projekt des Paul-Scherrer-Instituts in Villigen zur Gewinnung von Biogas (siehe Box) hat ein im Aargau verwurzeltes Unternehmen einen zentralen Beitrag an die neuartigen Elektrobusse des Fahrzeugbauers Hess geleistet: Die ABB entwickelte die Technologie, die eine rasche Aufladung der Batterien ermöglicht.

Watt d'Or 2018 für verkehrsbeobachtendes Strassenlicht

Die EKZ (Elektrizitätswerke des Kantons Zürich) gewinnen für das «verkehrsbeobachtende Licht» in Urdorf den Watt d’Or 2018 in der Kategorie Energietechnologien.

Kein Geld aus Baden

Auf einer Strecke von 600'000 Kilometern sparen die zu hundert Prozent elektrischen Busse gegenüber Dieselmodellen 1000 Tonnen CO2. Doch bislang werden sie erst in Genf eingesetzt. Der Badener Einwohnerrat Philippe Ramseier (FDP) möchte dies ändern. «Baden soll als zweite Stadt in der Schweiz reine Elektrobusse einführen», verlangte er in einer Anfrage. In seiner Antwort schreibt der Stadtrat, er begrüsse die Initiative der Unternehmen in der Förderung umweltverträglicher Transportmittel – erinnert aber zugleich an die Kosten. «Der Pilotbetrieb erfordert nicht nur die Beschaffung der Elektrobusse, sondern auch den Bau der Ladestationen.» Ein elektrisch betriebenes Modell sei verglichen mit einem Dieselbus um bis zu 300'000 Franken teurer.

Geld, das nicht aus der städtischen Kasse kommen werde, wie aus der Antwort klar hervorgeht: «Aufgrund der finanziellen Situation der Stadt Baden kann der Stadtrat derzeit keine Kostenbeteiligung in Aussicht stellen.» Vielmehr braucht es aus der Sicht der Badener Exekutive eine Zusammenarbeit von Kanton, Technologie- und Energieanbietern sowie den Regionalen Verkehrsbetrieben Baden-Wettingen (RVBW). Ein Testbetrieb sei frühestens in drei Jahren denkbar. Und, so macht der Stadtrat deutlich: «Der Lead für weitere Abklärungen liegt beim Busbetreiber.»

Weltneuheit in Genf: Elektrobusse mit Schnellladefunktion

Weltneuheit in Genf: Elektrobusse mit Schnellladefunktion

«So spät wie möglich»

Dort will man nichts überstürzen. Die Zeit dränge nicht, sagt RVBW-Direktor Stefan Kalt. «Wir wollen unsere Busse so spät wie möglich ersetzen, damit wir eine mögliche technische Innovation nutzen können.» Konkret heisst das: Vor 2021 werden die Gelenkbusse nicht ersetzt. In diesem Jahr will der Verkehrsbetrieb seine Beschaffungsstrategie festlegen. Eine zentrale Rolle dürften dabei auch die Kosten spielen – und diese sprechen zurzeit noch für Dieselbusse.

Je nach Technologie rechnet Stefan Kalt bei den Elektromodellen mit Mehrkosten zwischen 40 und 130 Prozent. «Solange der Diesel so günstig ist, wird der Mehrpreis kaum über die Treibstoffeinsparung kompensiert werden können.» Deshalb sagt RVBW-Direktor Kalt: «Es ist klar, dass ohne finanzielle Unterstützung durch den Besteller Kanton Aargau eine Elektrifizierung sehr schwierig beziehungsweise fast unmöglich sein wird.»

Doch der Kanton muss sparen und übernimmt bereits jetzt zusammen mit dem Bund jene Kosten im öffentlichen Verkehr, die mit den Einnahmen aus den Billett- und Aboverkäufen sowie den Nebenerträgen wie Werbung nicht gedeckt werden können. «Allfällige Mehrkosten, die über den Einsatz von herkömmlichen Dieselbussen hinausgehen, müssten über einen speziellen Kredit finanziert werden, der dem Grossen Rat beantragt werden müsste», sagt Giovanni Leardini, Sprecher des kantonalen Verkehrsdepartements. «Bei der momentanen finanziellen Lage des Kantons Aargau ist eine Mehrbelastung durch Elektrobusse eher fraglich.»

Die Mehrheit der Busse, die im Kanton Aargau zum Einsatz kommen, werden mit Diesel betrieben, nur wenige sind Hybridmodelle. Eine Strategie für den Einsatz von Elektrobussen hat der Kanton bisher nicht. Welche Fahrzeuge angeschafft werden, entscheiden die Transportunternehmen selbst – nach wirtschaftlichen Kriterien. Neue Technologien sind dabei immer auch mit einem Risiko verbunden.

Millionenauftrag aus Frankreich

Eine Erfahrung, die auch Postauto Schweiz mit einem Pilotprojekt in der Region Brugg machen musste. Nach einer fünfjährigen Testphase wurden die mit Brennstoffzellen betriebenen Fahrzeuge von der Strasse genommen. Der Grund: die fehlende Wirtschaftlichkeit. «Die Instandhaltungskosten für die Fahrzeuge sind gestiegen und der Betrieb pro Kilometer ist deutlich teurer als bei Dieselbussen», begründete Postauto-Sprecher Urs Bloch 2016 den Entscheid.

Die an den Haltestellen ladenden Elektrobusse von Hess und ABB stossen derweil auf Interesse: Die französische Stadt Nantes hat 20 Fahrzeuge bestellt. Ein lukrativer Auftrag – für rund 20 Millionen Franken liefert die ABB Ladetechnologie und damit verbundene Infrastruktur.

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Autor

Manuel Bühlmann

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