Mobilität

Elektroautos boomen im Kanton Aargau – «unsere Branche befindet sich in einer der grössten Veränderungen»

Die Zahl der Elektroautos wächst. Auch die Auswahl für Kundinnen und Kunden hat zugenommen.

Die Zahl der Elektroautos wächst. Auch die Auswahl für Kundinnen und Kunden hat zugenommen.

Der Automarkt ist zwar eingebrochen, der Trend zur Elektromobilität hält sich trotzdem. Im Jahr 2013 waren knapp 3300 auf Aargauer Strassen unterwegs, mittlerweile sind es 14827.

«Unsere Branche befindet sich aktuell in einer der grössten Veränderungen ihrer Geschichte», sagt Emanuel Steinbeck, Leiter Kommunikation der Amag-­Gruppe, einer der grössten Autoimporteure der Schweiz. Im Aargau betreibt sie unter anderem in Schinznach-Bad, in Baden und in Lupfig Verkaufsstandorte.

Mit Veränderung ist aber nicht etwa der coronabedingte Einbruch des Marktes gemeint (24-prozentiger Rückgang gegenüber dem Vorjahr). Nein, Steinbeck spricht den sich Jahr für Jahr verstärkenden Trend der Elektroautos an. Im November 2020 wurden 26'000 Neuwagen mit Lademöglichkeiten gekauft, knapp doppelt so viel wie im Vorjahresmonat. Dabei hielt sich Tesla in den monat­lichen Rankings der meistverkauften Autos, ungeachtet vom Treibstoff, meist in den Top fünf. Die Amag-Gruppe verkaufte 900 Audi e-tron. Technische Kleinwagen mit Lademöglichkeiten der Marken Seat, Skoda und VW sind ausverkauft.

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Auch im Aargau wächst der Markt stetig weiter

Diesen Trend spürte auch der Aargau: Die Motorfahrzeugstatistik des Kantons zeigt, wie stark die Anzahl Autos mit Lademöglichkeit zugenommen hat. Im Jahr 2013 waren knapp 3300 auf Aargauer Strassen unterwegs, mittlerweile sind es 14827. Gemäss dem Bundesamt für Statistik sind Hybride und Elektroautos die einzigen Autos, deren neuen Inverkehrsetzungen 2020 gegenüber dem Vorjahr nicht zurückgingen, sondern stiegen, während Tausende Benzin- und Dieselwagen weniger neu zugelassen wurden.

Was ebenfalls auch stark anstieg, ist die Auswahl, sagt Martin Sollberger, Präsident der Aargauer Sektion des Autogewerbeverbands Schweiz. «Was ich unter den Autohändlern bei uns höre: Eine Marke nach der anderen kommt mit ihrer Version von Elektroautos, und das in allen Klassen. Es gibt nicht mehr nur Teslas, sondern auch mehr volkstümliche Modelle.»

«Es wird Bussen geben»

Darin will er auch eine direkte Auswirkung des CO2-Gesetzes erkennen. Nach diesem soll nämlich der maximale CO2-Ausstoss eines Neuwagens pro Kilometer weiter reduziert werden; überschreiten die Hersteller den verschärften Durchschnittswert bei der Neuwagenflotte, müssen sie eine Busse zahlen – eine «Strafsteuer», wie Sollberger sie nennt. Die Autoimporteure sollen bereits jetzt Massnahmen treffen, um die CO2-Ausstösse ihrer Flotten zu reduzieren, ­obwohl die Zukunft des neuen CO2-Gesetzes noch unsicher ist: Am Montag ist das Referendum gegen das Gesetz eingereicht worden. Sollberger ist aber trotz Elek­troautos skeptisch, dass die ­Ziele je erreicht werden: «Es wird Bussen geben, wie jedes Jahr. Schweizer kaufen gerne grosse Autos mit starken ­Motoren.»

Trotz Klimaskepsis marktführend

Trotzdem schreitet der Wandel zur Elektromobilität auch bei der Emil-Frey-Gruppe voran. Obwohl Walter Frey, der Inhaber des Familienunternehmens, den Klimawandel anzweifelt, kann sich auch das Zürcher Un- ternehmen den globalen Markttrends nicht entziehen – und schwimmt scheinbar gut mit dem Strom mit: Gemäss Sprecher Peter Hug soll die Emil-Frey-Gruppe mit 26 Prozent Anteil im Segment der nachhaltigen Mobilität gar marktführend sein.

Wasserstofftankstelle wird entstehen

Das Herzstück des Autoimporteurs steht im Aargau, im grossen Autozentrum Safenwil. Dieses wurde im letzten Jahr stark renoviert, unter anderem, um Elektroautos besser zu verkaufen und zu warten, wie Peter Hug erklärt. Insgesamt wurden 20 Aussenladestationen installiert. Diese Investitionen seien nicht zu unterschätzen, betont Hug, ebenso die Schulungen in alternativen Technologien für die Mitarbeitenden der Emil-Frey-Gruppe. In den nächsten Jahren soll hier zudem eine Wasserstofftankstelle entstehen. Hug erklärt: «Das vergangene Jahr war wirtschaftlich gesehen auch für uns in Safenwil nicht einfach, doch wir haben schnell und gut reagiert, Korrekturen vorgenommen und viel investiert.»

Zuversichtlich in die Zukunft

Im November hat auch die Amag-Gruppe angekündigt, den Standort in Schinznach aufwerten zu wollen. Die Gruppe sei ­erfreut über die Marktperformance im Aargau, die sie sich dadurch erklärt, dass die Fallzahlen lange relativ niedrig waren und die liberale Coronapolitik die Wirtschaft weniger einschränkte.

Beide Gruppen betonen ihre Zuversicht für die kommende Zeit, obschon sich die Pandemielage ungemein verschlimmert hat und weitere Verschärfungen am Mittwoch angekündigt werden dürften.

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