Der Vertrag über die Leistungsvereinbarung im Asylwesen zwischen der Gemeinde Aarburg und der Caritas wird per Ende Jahr definitiv aufgelöst. Sozialvorsteherin Martina Bircher (SVP) erklärt, weshalb: «Die Caritas hat ihre Aufgabe nicht erfüllt.»

Und sie selber könne anderen Gemeinden nur empfehlen, diesen Schritt mit der Auflösung des Vertrages ebenfalls zu vollziehen, sagt Martina Bircher.

Abgeschlossen worden war die Vereinbarung mit der Caritas im Jahr 2001. Die Gemeinde Aarburg bezahlt seither sieben Franken pro Tag und Person für die Betreuung. Betroffen sind aktuell 75 Personen, macht 180 000 Franken jährlich.

Die Gemeinde wird in den ersten fünf respektive sieben Jahren ab Einreise der Asylsuchenden in die Schweiz durch den Kanton bezüglich Betreuungskosten und Sozialhilfekosten entschädigt, danach werden die Zahlungen eingestellt und die Kosten vollständig von der Gemeinde übernommen.

Prozessoptimierung auf Verwaltung

Konkret hat sich die Caritas in der Leistungsvereinbarung mit Aarburg also verpflichtet, während der ersten fünf (sieben) Jahre die Betreuung der Flüchtlinge zu übernehmen.

Danach gehen sie meist in die Sozialhilfe über und werden von den Sozialarbeitern der Gemeinde betreut.

«Der Vertrag beinhaltet unter anderem, dass die Flüchtlinge sprachlich befähigt und kulturell integriert werden», so Bircher. «Wir haben allerdings festgestellt, dass das bei praktisch allen nach den besagten fünf Jahren nicht der Fall gewesen ist.»

So bezahle Aarburg bereits selber für über 60 Personen aus dem Asylbereich. Also verlangte die Gemeinde von der Caritas einen Leistungsnachweis. «Die Caritas konnte aber keinen vorlegen», sagt Martina Bircher.

«Weiter besteht der Verdacht, dass die Caritas eher Wohnungen an Flüchtlinge in Gemeinden vermittelt, wo sie auch die Betreuungsaufgaben übernehmen kann.» Deshalb habe die Gemeinde Aarburg nun beschlossen, die Sache selber in die Hand zu nehmen.

Ab 1. Januar 2017 werden die Sozialen Dienste die Betreuung der Flüchtlinge selber übernehmen. Eine Betreuung in dieser Grössenordnung kann gemäss Martina Bircher mit den geplanten Personalressourcen sichergestellt werden. «Dank Prozessoptimierungen ist das möglich.»

Caritas ist nicht einverstanden

Bei Caritas Aargau hat man wenig Verständnis für die Vorwürfe aus Aarburg. Auch habe man diese so noch nie gehört. «Wir erfüllen unseren Auftrag für die Gemeinde Aarburg seit 15 Jahren nach bestem Wissen und Gewissen und nach fachlichen Standards», sagt Michael Egli, stellvertretender Bereichsleiter Flüchtlingsberatung bei der Caritas.

Je nach Konstellation sei für viele Flüchtlinge das Erlernen der deutschen Sprache eine sehr hohe Hürde. Traumatisierte Flüchtlinge mit Lernbarrieren, Analphabeten oder Mütter mit kleinen Kindern hätten oft Mühe sich genügend Deutschkenntnisse anzueignen. Auch der Bildungshintergrund spiele eine Rolle. «Ein Analphabet lernt meist weniger schnell Deutsch als ein Akademiker.»

Es sei schon so, dass im Bezirk Zofingen innerhalb von zwei Jahren drei Leistungsvereinbarungen mit Gemeinden aufgelöst worden seien. Laut Egli sind die Gründe vielschichtig. «Eine Tendenz allgemein können wir aber nicht feststellen.»

Es kämen auch immer wieder neue Gemeinden dazu. Und generell: «Wir wehren uns gegen die Vorwürfe von Martina Bircher.»

So habe der Gemeindesozialdienst Aarburg innerhalb des letzten Jahres von Caritas Aargau zweimal ein umfassendes Reporting über jedes Flüchtlingsdossier erhalten. Eine Reaktion sei aber nie erfolgt.

Michael Egli hofft, dass die Kündigung der Leistungsvereinbarung nicht aus Spargründen erfolgt: «Schlimm wäre es, wenn die Flüchtlinge durch einen Leistungsabbau bei den Integrationsmassnahmen die Verlierer der ganzen Aktion wären.»

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