Die Aktion war gut vorbereitet. Alle Rektoren der sechs Kantonsschulen waren informiert und einverstanden. Mit Plakaten wollten die Schülerorganisationen auf den geplanten Bildungsabbau hinweisen. Sechs Sujets hatten die Mittelschüler entworfen, nach Rückmeldungen aus der Schulleitung, leicht überarbeitet; bezahlt hat die Arbeit der zugezogenen Grafikerin der Schülerrat aus der eigenen Kasse; die Staatskasse blieb unbehelligt.

Doch warum diese Aktion? «Bei einer Diskussion über die Sparmassnahmen im Kanton kamen wir zum Schluss, dass die meisten Schülerinnen und Schüler gar nicht wissen, wie sie selbst von den Sparmassnahmen betroffen sind und welche langfristigen Schäden unser Bildungssystem zu tragen hat», sagt Aurel Gautschi. Er besucht die zweite Klasse der Alten Kantonsschule in Aarau und präsidiert die aargauischen Schülerorganisationen.

Mit der leicht «provokativen Aktion» sollten die Schülerinnen und Schüler auf die aktuelle Spar- und Abbaudebatte im Bildungsbereich aufmerksam gemacht werden. Drei, vier Tage hätte man die Plakate hängen lassen, schön verteilt über das Schulareal. Das Plakat über die Verteuerung des Instrumentalunterrichtes etwa hätte man gerne vor den Musikzimmern platziert. Alles war bereit; am vergangenen Montag hätte die kleine Plakatausstellung in allen Kantonsschulen beginnen sollen.

Das Verbot kam per Mail

Doch dazu kam es nicht. Wenige Stunden vor Beginn der Ausstellung meldete sich das Bildungsdepartement und teilte per Mail mit, die Ausstellungen dürften nicht stattfinden. Jedenfalls nicht auf dem Areal der Kantonsschulen. Angeordnet hatte das Verbot Bildungsdirektor Alex Hürzeler. Die Schulleitungen hielten sich an die Weisung des Bildungsdirektors. Die Plakate wurden nicht aufgehängt, die Ausstellungen fanden nicht statt.

Aurel Gautschi ist entsprechend enttäuscht und irritiert. «Ich kann diesen Entscheid nicht verstehen», sagt Gautschi. «Da verhindert das Bildungsdepartement die Meinungsbildung an den Kantonsschulen aus mir nicht ersichtlichen Gründen.» Ständig werde geklagt, dass sich die Jugend apolitisch verhalte, doch wenn der Schülerrat aktiv werde und zu einem aktuellen Thema, das alle Schülerinnen und Schüler betreffe, informieren wolle, werde er zurückgepfiffen.

Mehr noch. Das Verbot wurde erst gar nicht begründet. Erst auf Nachfrage der AZ lieferte Simone Strub, Kommunikationsleiterin des BKS, eine an Kürze kaum zu überbietende Erklärung des Departementsvorstehers: «Gemäss Schulgesetz sind die Schulen im Aargau politisch und konfessionell neutral. Das BKS vertritt deshalb die Auffassung, dass politische Aktionen ausserhalb des Schulareals stattzufinden haben.»

«Wir hätten den Schülern vertraut»

Diplomatisch gibt sich Martin Burkard, Rektor der Alten Kantonsschule Aarau. «Wir haben das Verbot des BKS akzeptiert. Die Rektorenkonferenz hätte allerdings den Schülerinnen und Schülern vertraut. Wir sind überzeugt, dass die Plakataktion in moderatem Rahmen abgelaufen wäre.» Grundsätzlich findet Burkard es wichtig und sinnvoll, dass an Kantons- und Berufsschule politische Bildung vermittelt wird und verschiedene Aspekte thematisiert werden. «Die Mittelschule ist kein politikfreier Raum», sagt Burkard und verweist etwa auf das Wahlfach politische Bildung, das an der Alten Kantonsschule angeboten wird, aber auch auf Wahlpodien, Diskussionen und Ausstellungen zu politischen Themen aller Art, die regelmässig in der Kanti stattfinden.

«Völlig unverständlich»

Gar kein Verständnis für den Entscheid des BKS hat Michael Bouvard, Co-Präsident des aargauischen Mittelschullehrerverbands. ««Verglichen mit früher agieren unsere Schülerorganisationen heute deutlich leiser und sachlicher. Oft wird sogar der fehlende politische Aktivismus der Jugend bemängelt.» Ein derartiges Verbot sei deshalb für den Verband der Aargauer Mittelschullehrpersonen völlig unverständlich, zumal damit die Gymnasiastinnen und Gymnasiasten ihrer Grundrechte beraubt und in der Wahrnehmung ihrer staatsbürgerlichen Pflichten behindert würden. «Es wäre zu begrüssen, wenn sich dieses antidemokratische Verbot positiv auf die Mobilisierung der Jugendlichen gegen den Bildungsabbau auswirken würde», hofft Bouvard.

Ein kleiner Trost bleibt den gefrusteten Schülerorganisationen: Durch die abgesagten Ausstellungen ist die Aufmerksamkeit für die Plakate und deren Inhalt jetzt ungleich viel höher als sie gewesen wäre, wenn die Ausstellungen hätten stattfinden dürfen.