Synode

«Einschreiben» wird überflüssig: Reformierte Kirche vereinfacht Austritt

Wer aus der Reformierten Landeskirche austreten will, kann dies wohl schon bald ohne «Einschreiben» tun. (Symbolbild)

Wer aus der Reformierten Landeskirche austreten will, kann dies wohl schon bald ohne «Einschreiben» tun. (Symbolbild)

Wer aus der Reformierten Landeskirche Aargau austreten will, muss dies per eingeschriebenem Brief tun. Eine Motion an der Synode in Aarau verlangt nun den Verzicht auf diese formale Hürde.

2013 hatte die Reformierte Landeskirche Aargau einen unrühmlichen Rekord zu verzeichnen. 2746 Personen kehrten ihr den Rücken. Immerhin gab es auch 290 Eintritte. Letztlich schrumpfte die Mitgliederzahl um 2456 Mitglieder. 178 130 Menschen bekennen sich im Aargau also noch zur Reformierten Kirche.

Wie sich der Trend dieses Jahr entwickelt, vermag Frank Worbs, Sprecher der Landeskirche, nicht zu sagen. Die Daten werden bei den 75 Kirchgemeinden jeweils im Januar erhoben. Es sei aber ein «relativ ruhiges Jahr» gewesen. Deshalb rechnet Worbs eher mit weniger Austritten als 2013.

Mit «relativ ruhig» meint er durchaus auch Skandale in der Katholischen Kirche. 2010, als es eine grosse Missbrauchsdiskussion gab, und 2013, als der inzwischen abgesetzte deutsche Bischof Van Elst mit seiner Bauwut die Gemüter erregte, schnellten die Austrittszahlen auch in der Reformierten Kirche nach oben. Offensichtlich färben diese Debatten ab.

Verzicht auf Einschreiben?

Und jetzt soll es noch einfacher werden, der Reformierten Kirche den Rücken zu kehren? Diesen Eindruck gewinnt man bei der Lektüre einer Motion, die heute an der Synode in Aarau traktandiert ist. Darin schlagen zwei Kirchenparlamentarierinnen vor, für den Austritt keinen eingeschriebenen Brief mehr zu verlangen. Der Austritt soll wirksam werden mit dem Zugang der Austrittserklärung bei der Kirchenpflege oder mit der Aufgabe zu deren Handen bei der Schweizer Post (Poststempel).

Warum das? Der seit 2010 verlangte eingeschriebene Brief habe sich in der Praxis als aufwendig erwiesen. Wer einfach einen Brief schreibt, erhält ihn zurück mit der Aufforderung, ihn eingeschrieben nochmals zu verschicken. «Diese formale Hürde verärgert die Austrittswilligen oft und zeigt die Organisation Kirche als starr und unbeweglich», schreiben Susanne Fricker und Katrin Imholz in ihrer Motion.

Rechtsklagen vermeiden

Wenn zudem jemand eine Austrittserklärung kurz vor Jahresende abschickt oder diese in den Briefkasten der Kirchgemeinde wirft, kann dies zu sehr unangenehmen Situationen führen. Wenn man aufgefordert wird, den Brief nochmals eingeschrieben zu senden, kann es passieren, dass der für die Steuerpflicht entscheidende 31. Dezember verpasst wird.

Das hat Folgen: Wer diesen Termin schafft, zahlt nämlich für dieses Jahr keine Kirchensteuern mehr. Wer ihn verpasst, schon. Das habe schon zur Androhung von Rechtsklagen geführt, schreiben die Motionärinnen. Deshalb akzeptierten inzwischen einige Kirchgemeinden auch uneingeschriebene Austrittsbriefe. Fricker und Imholz fordern jetzt eine Regelung ohne Einschreiben.

Poststempel genügt

Gibt das eine Riesendebatte an der Synode, auf deren Beschluss seit 2010 ein «Einschreiben» verlangt wird? Frank Worbs: «Es scheint nichts dagegen zu sprechen, dass der Kirchenrat an der Synode die Motion entgegennehmen wird.» Schliesslich verlange diese eine Regelung, die der Kirchenrat 2010 selbst vorgeschlagen hatte, damals aber unterlegen war. Also: Poststempel genügt. Worbs betont, es gehe nicht um eine Erleichterung des Austritts, sondern darum, Austrittswillige nicht noch unnötig zu verärgern. Schliesslich hofft man ja, sie eines Tages zurückzugewinnen...

Übrigens braucht es auch im Internetzeitalter einen handschriftlich unterzeichneten Brief für den Austritt. Ein Mail könne manipuliert werden, das könne man aus rechtlichen Gründen nicht akzeptieren, so Frank Worbs. Das gilt erst recht für SMS.

Die Zentrale der Reformierten Landeskirche Aargau am Stritengässli 10 in Aarau.

Die Zentrale der Reformierten Landeskirche Aargau am Stritengässli 10 in Aarau.

Die Regelung, die an der Reformierten Synode vorgeschlagen wird, gilt auch bei der Römisch-katholischen Landeskirche im Aargau. Generalsekretär Marcel Notter: «Eine formlose, handschriftlich unterzeichnete Austrittserklärung genügt. Massgebend ist der Wille der austrittswilligen Person.»

Portal für Wiedereintritte

In beiden Kirchen macht man sich aber auch Gedanken, wie man verlorene Mitglieder zurückholen oder Junge neu gewinnen kann. Seit die Seite www.kircheneintritt.ch aufgeschaltet ist, sind schon einige direkte Eintritte vorab junger Leute erfolgt, stellt Notter erfreut fest. Wie sich die Mitgliederzahl 2014 entwickelt, wird er Anfang Jahr bekannt. Wie Worbs rechnet Notter wiederum auch mit Eintritten.

Worbs verfügt noch über keine Daten über Erfolg oder Misserfolg des Portals für die Reformierten im Aargau. Auch diese kommen von den Kirchgemeinden, an die sich die Eintrittswilligen wenden sollen, erst im Januar.

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