Affäre Müller

Einheitsbrei in den Medien? Nicht im Fall Geri Müller

Geri Müller in den Medien.

Geri Müller in den Medien.

Der Schweizer Medienlandschaft wird häufig fehlende Vielfalt vorgeworfen. Wer die Berichterstattung über Geri Müller verfolgt, bekommt einen anderen Eindruck.

Es ist eine alte Leier, die inzwischen zum guten Ton gehört: Die Schweizer Medien bieten alle das gleiche, einen Einheitsbrei. Prominentester Vertreter dieser Haltung: Bundesrat Ueli Maurer.

In seiner Rede vor den Verlegern sagte er über die Medien: «Sie unterscheiden sich inhaltlich kaum in ihren Produkten. Vielfalt fehlt. Es herrscht weitgehend ein mediales Meinungskartell.» Und noch stärker: «Es gibt in der Schweizer Medienlandschaft so etwas wie eine selbst verfügte Gleichschaltung.»

Fehlende Vielfalt? Meinungskartell? Gleichschaltung? Wer die Berichterstattung über Geri Müller verfolgt, bekommt einen anderen Eindruck. Es gibt drei Interpretationen des Falls, die kaum unterschiedlicher sein könnten:

Für die «Schweiz am Sonntag», welche die Geschichte ins Rollen brachte, steht im Fokus, dass Geri Müller in Amtsräumen und während der Arbeitszeit Nacktfotos gemacht hat. Und danach die junge Frau, welcher er die Fotos schickte, unter Druck gesetzt haben soll, ihm ihr Mobiltelefon zu geben.

Ganz anders sieht es die «Weltwoche»: Für sie ist Geri Müller nicht Täter, sondern Opfer einer psychisch angeschlagenen Frau. Diese soll es nicht ertragen haben, dass Geri Müller die Beziehung zu ihr beenden wollte – und rächte sich deshalb an ihm.

Im «Blick» und dem «Tages-Anzeiger» wiederum wird die ganze Geschichte zu einer Verschwörung jüdischer Kreise. Diese sollen die Frau benutzt haben, um dem Politiker Geri Müller zu schaden. Dieser sympathisiert im Nahostkonflikt mit der Hamas – und kritisiert Israel.

Welche der drei Versionen ist die richtige? Das ist schwierig zu sagen. Doch die drei Versionen schliessen sich nicht gegenseitig aus. Es könnte auch so gewesen sein: Mit den Nacktbildern aus dem Stadthaus hat Geri Müller eine Linie überschritten, die er als Stadtammann nicht hätte überschreiten dürfen. Als er die Beziehung zur Frau abbrechen wollte, drohte ihm diese, mit den Bildern an die Medien zu gelangen – worauf er sie unter Druck setzte, das Telefon abzugeben. Und den politischen Gegnern von Geri Müller kommt die ganze Geschichte gelegen, um ihn loszuwerden.

Sicher ist nur: Was die Medien diese Woche lieferten, ist alles andere als ein Einheitsbrei.

Philipp Mäder war von 2009 bis 2013 stellvertretender Chefredaktor der «Nordwestschweiz».

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