Das Hauptziel von der Bandbreite 20 bis 30 Milligramm Phosphor pro Kubikmeter Wasser des Baldeggersees und des Hallwilersees ist erreicht: Die jüngsten Messungen zeigen 23 Milligramm für den Baldeggersee und nur noch 19 Milligramm für den Hallwilerse

Gemeinsam ziehen die Kantone Luzern und Aargau nach 30 Jahren künstlicher Belüftung und vielen weiteren Massnahmen eine positive Bilanz. Der Zielwert ist erreicht, das freut auch den speziell zur Rettung der Seen gegründeten Gemeindeverband Baldegger- und Hallwilersee. Aber: Die grossen Anstrengungen dürfen nicht nachlassen, es braucht weitere restriktive Massnahmen für die Land- und Schweinewirtschaft in der Region.

Belüftung auch künftig nötig

«Vor 50 Jahren waren die Seen am Ersticken, ein See aber braucht Sauerstoff zum Atmen wie ein Mensch», meint Präsident Josef Wermelinger vom Gemeindeverband Baldegger- und Hallwilersee zur Ausgangslage. Ein zentraler Punkt zur Senkung der damals erschreckend hohen Phosphorgehalte von 520 und 250 Milligramm pro Kubikmeter war und ist die künstliche Belüftung der Seen.

Weil es in den Sedimenten noch immer zu wenig Sauerstoff hat, damit sich die Felchen natürlich fortpflanzen können, geht die Beatmung weiter. Heute werden ab Retschwil LU und ab Meisterschwanden im Sommer und Herbst 350 Tonnen reiner Sauerstoff vom tiefsten Punkt aus in die Seen geblasen und natürlich verteilt. Im Winterhalbjahr werden über das gleiche Leitungssystem pro Stunde 300 Kubikmeter Druckluft eingeblasen. «Fünf Jahre braucht es noch Sauerstoff, dann können wir für weitere zehn Jahre auch im Sommer auf Druckluft umstellen», schätzt Wermelinger für den Baldeggersee. Im Aargau ist der Verzicht auf Sauerstoff schneller möglich.

Hohe Kosten für die Massnahmen

Euphorisch spricht Wermelinger von einer weltweiten Pioniertat zur Rettung der Seen. Sie hat allerdings auch ihren Preis, der sich im Kanton Luzern auf 20 bis 22 Millionen Franken für Baldegger- und Hallwilersee (ohne Sempachersee) kumuliert hat, im Aargau sind seit 1986 weitere 6 bis 8 Millionen Franken dazugekommen. Hauptübel des Phosphors sind eine massiv überdüngte Landwirtschaft, denn im Kanton Luzern hat es mehr Schweine als die 370000 Einwohner. Zusammen mit den Fachstellen der Kantone und des Bundes sorgt ein Konzept für geringere Phosphoreinträge.

250 Bauern im Einzugsgebiet des Baldeggersees und 130 Betriebe um den Hallwilersee haben «den Seevertrag» unterschrieben. Das heisst: Sie düngen nur noch dem Pflanzenbedarf angepasst, machen Pufferstreifen entlang der Gewässer, vermindern die Erosion und den Anteil der gedüngten Flächen. Weil diese 85 Prozent der Landwirte Leistungen über das gesetzliche Minimum hinaus erbringen, erhielten sie im letzten Jahr 4,2 Millionen Franken.

Strategie für Zukunft überdenken

Die laufenden Massnahmen zur Senkung der Düngerfracht für die Gewässer erfolgen primär auf freiwilliger Basis – wenn auch gegen Abgeltung. Im Aargau denkt man laut darüber nach, «ob es nicht auch zwingend einzuhaltende einschränkende Massnahmen braucht». Das betonte Philippe Baltzer, Leiter der Aargauer Abteilung für Umwelt, vor den Medien in Luzern. Kommt es vermehrt zu Vorschriften, sind Schwierigkeiten im Vollzug absehbar.

Der Erfolg der Seesanierungen ist auch für die künftigen Wasserressourcen hoch zu gewichten. Der Kanton Luzern betreibt laut Regierungsrat Robert Küng, Vorsteher im Departement Bau, Umwelt und Wirtschaft, eine langfristige Planung für genügend Trink-, Brauch- und Löschwasser. Die Strategie umfasst auch den Gewässerschutz, die Wasserkraft und den Hochwasserschutz. «Allein an der Kleinen Emme investieren wir dafür 100 Millionen Franken», betont Küng. Auch das nützt dem Unterlieger Aargau, denn die Kleine Emme verursacht alle Hochwasser der Reuss.