Rettungseinsatz

Eine Rega-Gönnerschaft ist keine Versicherung – jetzt zahlen die Eltern die Kosten für den toten Sohn

Rega und AAA – zwei Rettungsunternehmen im Konkurrenzkampf.

Rega und AAA – zwei Rettungsunternehmen im Konkurrenzkampf.

Die Rega kann Rettungskosten erlassen – doch nur, wenn sie selbst Gönner rettet. 2017 verzichtete sie auf 11 Millionen Franken. Im Falle eines 27-jährigen Aargauers kam aber ein Helikopter der Aargauer Alpine Air Ambulance zum Einsatz. Diese Kosten müssen nun die Eltern bezahlen.

Eine Rega-Gönnerschaft ist keine Versicherung. Das ärgert die Eltern eines 27-jährigen Aargauers. Dieser ist Anfang Jahr zusammengebrochen. Trotz Einsatz eines Rettungshelikopters kam die Hilfe zu spät. Der junge Mann verstarb.

Der Einsatz des Rettungshelikopters kostete 3000 Franken, wovon die obligatorische Krankenkasse die Hälfte übernahm. 1500 Franken blieben als Rechnung bei den Eltern hängen. Diese sind enttäuscht, hatten sie doch geglaubt, dass die Rega die Kosten übernehmen würde, schliesslich habe ihr Sohn regelmässig einen Gönner-Beitrag einbezahlt.

Das Problem: Aufgeboten wurde nicht die Rega sondern die Alpine Air Ambulance (AAA). Diese kommt im ganzen Aargau ausser im unteren Fricktal in Notfällen zum Einsatz. Kantonsarzt Martin Roth sagt: «Aufgeboten wird der am Einsatzort am schnellsten verfügbare Heli.» Im unteren Fricktal sei das die Rega, im übrigen Kantonsgebiet die AAA, die ihre Basis im Birrfeld hat. 

Rega zahlt nicht

Der Vater des verstorbenen Aargauers fühlt sich von der Rega im Stich gelassen. «Wir waren fest davon überzeugt, dass die Rega bei Gönnern die von den Versicherungen ungedeckten Rettungseinsatzkosten übernimmt.»

Dem ist nicht so: «Rechtlich gesehen ist der Gönnerbeitrag eine Spende, die es uns ermöglicht, die medizinische Grundversorgung aus der Luft sicherzustellen», sagte Rega-Sprecher Adrian Schindler vor kurzem gegenüber «Espresso», dem Konsumenten-Magazin von Radio SRF 1. Fremdleistungen sind in diesem Beitrag nicht enthalten.

Rega erlässt 11 Millionen

Auf ihrer Internet-Seite macht die Rega ihr Geschäftsmodell transparent: «Als Dank für Ihre Unterstützung kann die Rega nach ihrem Ermessen und im Rahmen ihrer Möglichkeiten den Gönnerinnen und Gönnern die Kosten für die von ihr selbst erbrachten oder von ihr organisierten Hilfeleistungen teilweise oder ganz erlassen, falls Versicherungen oder andere Dritte nicht leistungspflichtig sind und für die Kosten des Einsatzes nicht oder nur teilweise aufkommen müssen.»

Die Jahresrechnung 2017 zeigt sich dies so: Zugunsten von Gönnern, Bergbauern und sozialen Härtefällen verzichtete die Rega auf 11 Millionen Franken. Umgekehrt nahm sie an Gönnerbeiträgen, Zuwendungen und Spenden 101 Millionen ein. Durch die Einsätze kamen weitere 60 Millionen hinzu. 

Der Aufwand für Flugzeuge und Helikopter betrug knapp 20 Millionen, die Personalkosten sind mit knapp 70 Millionen aufgeführt.

AAA mit Verscherungskarte

Keine Versicherung also: Gerade umgekehrt ist es bei der AAA. Bei ihr lösen Kunden explizit eine Versicherung ein und keine Gönnerschaft. Hier werden ungedeckte Kosten übernommen – unabhängig von der Rettungsorganisation. Es wäre also auch ein Rega-Einsatz bezahlt worden.

Die Alpine Air Ambulance (AAA) und die Rega sind Konkurrenten. Das führte in der Vergangenheit immer wieder zu Irritationen. Rega-Chef Ernst Kohler wiederholte am Montag gegenüber der «Luzerner Zeitung» seine frühere Kritik: «Der Aufbau von Parallelstrukturen im Bereich der Blaulichtorganisationen ist nicht zielführend.» Was er meint: Die AAA braucht es neben der Rega nicht. 

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