Eschenwelke
Eine Pilzkrankheit aus Asien zerstört die Aargauer Eschen

Ein Schädling aus dem asiatischen Raum lässt eine der stärksten Baumart der Schweiz absterben. Stark betroffen ist das Fricktal und der nördliche Aargau, Mittel gegen den Befall gibt es noch nicht.

Hans Lüthi
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Abgestorbene Eschen in Sarmenstorf. Das Fricktal und der Nordaargau sind am stärksten von der Eschenwelke betroffen. Abteilung Wald, BVU

Abgestorbene Eschen in Sarmenstorf. Das Fricktal und der Nordaargau sind am stärksten von der Eschenwelke betroffen. Abteilung Wald, BVU

Förster und Kreisförster im Aargau sind besorgt über eine sich immer mehr ausbreitende Krankheit. Die Eschenwelke trifft die fünftstärkste Baumart im Kanton, hinter Buchen, Fichten, Tannen und Ahorn.

«Beim Laubholz steht sie an zweiter oder dritter Stelle, es gibt etwa gleich viele Eschen wie Eichen», sagt Marcel Murri, Leiter der Sektion Koordination und Ökologie in der Abteilung Wald beim BVU.

Die aus Asien, vermutlich aus Japan, eingeschleppte Pilzkrankheit «ist sehr ernst zu nehmen, ein Förster aus dem Fricktal bat uns um Hilfe», berichtet Murri. Darauf folgte eine Begehung in Möhlin, mit Revierförstern, Mitarbeitern der Abteilung Wald und der Forschungsanstalt Wald, Schnee, Landschaft (WSL).

Im Fricktal und Nordaargau

«Systematische Erhebungen gibt es bisher nicht», sagt Murri, aber naturgemäss sind das Fricktal und der nördliche Aargau am stärksten betroffen. Aus zwei Gründen: Das Fricktal hat hohe Anteile an Laubholzwäldern, zudem wird hier schon seit Jahrzehnten Naturverjüngung betrieben.

Dadurch wachsen junge Eschen dort nach, wo sie auch hingehören. Also auf eher feuchten Böden und entlang von Bächen. «Die Bilder sind stark unterschiedlich, aber in gewissen Gebieten sind bis zu 90 Prozent der Eschen befallen», betont der Fachmann zur schwer abschätzbaren Lage.

Die Blätter werden welk und fallen ab, bis der Baum dürr ist.

Wetter fördert die Ausbreitung

Die Eschenwelke mit dem aus Asien eingeschleppten Pilz wird in Forstkreisen sehr ernst genommen. Erste Anzeichen gab es vor fünf Jahren, aber die Witterung hat die Ausbreitung in den letzten Jahren stark begünstigt:

Der feuchte Frühling 2013 war ideal für die Pilze, mit Trockenheit und Wind konnten sich danach die infektiösen Sporen rasch ausbreiten. «Bis der Baum abstirbt, kann das Holz verwertet werden», erklärt Murri.

Die Eschen seien wegen des widerstandsfähigen, elastischen und bruchfesten Holzes sehr gefragt, etwa für Küchenmöbel, Schlitten oder die Stiele von Äxten. Darum seien auch die Preise für diese Holzart gut. Weil es bis zur Erntereife 80 bis 120 Jahre dauert, wirft das Eschensterben die Pläne zur Bewirtschaftung bös über den Haufen.

Keine Mittel gegen den Befall

Der Einsatz von giftigen Fungiziden und Pestiziden ist im Wald grundsätzlich strikt verboten. «Wir wollen ja den Teufel nicht mit dem Beelzebub austreiben», bekräftigt Murri die Haltung des Kantons und des Bundes, dass chemische Mittel absolut kein Thema sind.

«Wir versuchen einen vernünftigen Umgang, ohne gleich Jagd auf die Eschen zu machen», meint Marcel Murri. Konkretere Rezepte hat er nicht, auch die Eidgenössische Forschungsanstalt in Birmensdorf ZH kann nicht weiter helfen.

Das Eschensterben ist in den letzten Jahren in die Bergkantone vorgedrungen, die ganze Schweiz ist davon tangiert.

Die einzige Hoffnung liegt in der Natur selber. Zwar sind die meisten Jungeschen auch befallen, «aber es gibt einzelne Exemplare, die keine Symptome zeigen.» Falls diese tatsächlich resistent gegen die fremden Pilze sind, könnten neue Eschen wachsen. Aber eine grosse Lücke reisst das akute Eschensterben in den Wäldern so oder so.

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