Bildung

Eine Opernsängerin bringt den Kindern die Musik näher

Sie bringe Italianità und Temperament an die Schule, sagt der Schulleiter über Giorgia Milanesi, die den Kindern das Singen lehrt.Mathias Marx

Sie bringe Italianità und Temperament an die Schule, sagt der Schulleiter über Giorgia Milanesi, die den Kindern das Singen lehrt.Mathias Marx

Rottenschwils Schüler machen schweizweit als erste beim Projekt Superar mit – und lernen von einer italienischer Musikerin. Die Opernsängerin Giorgia Milanesi ist mit ihren Schülern nach dem Konzert vor den Medien sehr zufrieden.

Nur kurz verlor der kleine Chor die Orientierung. Statt zum Publikum blickte ein Teil der Rottenschwiler Erst- bis Drittklässler plötzlich zur Wand. Ansonsten war den Schülerinnen und Schülern am Dienstag von Nervosität nichts anzumerken. Sie tanzten, klatschten, stampften und sangen, als wären sie nicht bei der Probe vor kleinem Publikum, sondern auf der Bühne der Zürcher Tonhalle. Dort, wo sie an Weihnachten zusammen mit anderen Chören auftraten – und in der ersten Reihe standen.

Seit diesem Schuljahr singen die Primarschüler dreimal pro Woche zusammen mit der italienischen Opernsängerin Giorgia Milanesi. Rottenschwil ist schweizweit die erste Schule, die sich am Projekt Superar beteiligt (siehe Box).

Das Zwischenfazit von Schulleiter Niels Anderegg fällt positiv aus: «Über die Musik ist es gelungen, die Schule zu verändern.» Es klinge nicht nur anders im Schulhaus, die Kinder seien auch in den übrigen Fächern präsenter. «Das Projekt hat die Art beeinflusst, wie die Schüler lernen», sagt er.

Fächer werden keine verdrängt

Dieses Schuljahr sind drei, in den kommenden beiden vier Wochenstunden vorgesehen. Das heisse aber nicht, dass deswegen andere Fächer gestrichen würden, sagt Anderegg. «Die Musiklektionen sind flexibel in den Stundenplan integriert. Die Lernziele bleiben die gleichen.»

Superar Rottenschwil Interview mit Christine Egerszegi

Superar Rottenschwil Interview mit Christine Egerszegi

«Sehr zufrieden» mit ihren Schülern ist Giorgia Milanesi nach dem kleinen Konzert vor Lehrern, Eltern und Medien. Sie ist Opernsängerin, nicht Lehrerin. Die Idee von Superar ist es, Künstler – unterstützt von Lehrpersonen – unterrichten zu lassen. Die Leidenschaft für die Musik wolle sie den Kindern weitergeben, sagt Milanesi. «Einige singen bereits mit geschlossenen Augen. Das ist wunderschön.»

Andrea und Elena, beide neun Jahre alt, üben zurzeit mit ihren Schulkollegen neue Lieder ein. Denn das nächste Konzert in der Zürcher Tonhalle steht bereits im Juni an. «Bis dahin müssen wir alle Texte auswendig lernen», sagt Elena. Das könne besonders bei französischen Liedern etwas länger dauern. Vor dem ersten Konzert in der Tonhalle sei sie schon nervös gewesen, sagt Andrea. «Inzwischen habe ich mich aber ein wenig daran gewöhnt, vor Publikum zu singen.»

Talente fördern, auch ohne Geld

Unter den Zuschauern in der Rottenschwiler Schule war auch Christine Egerszegi. Die FDP-Ständerätin, die eine Gesangsausbildung vorweisen kann und 20 Jahre in einem Zürcher Chor sang, hat das Patronat für Superar übernommen. «Die Förderung von Musiktalenten darf nicht von der Dicke des elterlichen Portemonnaies abhängen.» Musikunterricht gehöre zu einer guten Ausbildung, sagt Egerszegi.

Opernsängerin gibt Schülern Gesangsunterricht

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Noch mindestens bis 2015 läuft Superar in Rottenschwil. Über 1000 Franken kostet die Teilnahme jedes Schülers pro Jahr. Gelder von Stiftungen sorgen dafür, dass die jährlich rund 35 000 Franken ohne Beiträge von Eltern, Kanton und Bund aufgebracht werden können. Wie es nach dem dreijährigen Projekt weitergeht, ist ebenso offen wie die Frage, ob andere Aargauer Schulen dem Rottenschwiler Beispiel folgen werden.

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