Argomed
Eine Milliarde Prämien gespart: Gruppenpraxen senken Gesundheitskosten

Beeindruckende Zahlen der Aargauer Managed-Care-Pionierin Argomed AG: In den letzten 15 Jahren konnten die in den Argomed-Ärztenetzen Versicherten eine Milliarde Franken sparen.

Urs Moser
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Hausarztmodelle helfen Prämien sparen, aber Hausarzt-Nachwuchs ist nicht in Sicht. Dem sollen Gruppenpraxen nach dem Modell des Doktor-Zentrums Behmen in Aarau entgegenwirken.Emanuel Freudiger

Hausarztmodelle helfen Prämien sparen, aber Hausarzt-Nachwuchs ist nicht in Sicht. Dem sollen Gruppenpraxen nach dem Modell des Doktor-Zentrums Behmen in Aarau entgegenwirken.Emanuel Freudiger

Die Argomed Ärzte AG mit Sitz in Lenzburg ist die Aargauer Managed-Care-Pionierin. Seit 1998 haben sich ihr 19 Ärztenetze aus den Kantonen Aargau, Solothurn, Zug, Bern und Luzern mit über 700 Ärzten und 366 000 Versicherten angeschlossen.

Zum 15-Jahr-Jubiläum wollte man wissen, wie sich die Hausarztmodelle für die Versicherten wirklich rechnen. Das Resultat ist erstaunlich: In den Jahren seit der Gründung konnten die Versicherten in den Argomed-Netzen etwas mehr als eine Milliarde Franken an Krankenkassenprämien einsparen.

«Wir haben es selber kaum geglaubt und noch einmal nachgerechnet, aber es stimmt», sagt Heinrich Zürcher, der Kommunikationsverantwortliche von Argomed.

Beitrag zur Kostendämpfung

Wie kommt man auf die Summe? Die Zahl der in Hausarztmodellen Versicherten ist bekannt, sie ist bei Argomed von 35 000 auf heute über 366 000 Versicherte gestiegen.

Für die Berechnung hat man sich an die vom Bundesamt für Gesundheit ermittelten Durchschnittsprämien gehalten und ist beim Prämienrabatt von einem Durchschnittswert von 13 Prozent ausgegangen.

So kommt man auf eingesparte Prämien zwischen knapp elf Millionen beim Start und über 220 Millionen im laufenden Jahr. Allein in den Argomed-Ärztenetzen wohlgemerkt.

Bei landesweit 1,7 Millionen Versicherten in Hausarzt- und HMO-Modellen mit vergünstigten Prämien lassen sich die Einsparungen in den letzten 15 Jahren auf vier bis fünf Milliarden hochrechnen.

Die Rechnung ist sogar noch eher konservativ, denn bei den meisten Krankenkassen liege der Rabatt für die sogenannten besonderen Versicherungsmodelle zwischen 15 und 18 Prozent, sagt Argomed-Geschäftsführer Karl Züger.

Für ihn ist damit der Beweis erbracht: Managed Care ist nicht nur für die Patienten ein Erfolgsmodell, die Prämien sparen und von einer koordinierten medizinischen Versorgung profitieren.

Damit werden auch effektiv Gesundheitskosten eingespart. Denn: Die Prämienrabatte werden nicht über die Prämien der «normal» Versicherten quersubventioniert, die auf die freie Arztwahl bestehen, jedenfalls nicht in echten Managed-Care-Modellen (vgl. Box).

Managed-Care

Managed Care ist ein Steuerungsmodell im Gesundheitswesen. Dabei ist die freie Arztwahl eingeschränkt. Die Krankenversicherten sind verpflichtet, sich bei ihrer Behandlung von einer Person (Hausarzt) oder Institution (Ärztenetz) steuern zu lassen. Auch die Leistungserbringer, die Ärzte, sind gegenüber den Krankenversicherungen vertraglich gebunden. Sie übernehmen eine Budgetverantwortung, tragen das Versicherungsrisiko bis zu einem gewissen Grad mit. (mou)

In der Nachkalkulation der Hausarztmodelle könne Argomed sogar Einsparungen von 15 bis 20 Prozent gegenüber den konventionellen Krankenversicherungen nachweisen, so Züger: «Dieses Geld steht anderen Branchen unserer Volkswirtschaft zur Verfügung.»

Kritisch steht man den Modellen einzelner Kassen mit mehr oder weniger willkürlich zusammengestellten Listen, aus denen die Versicherten einen Hausarzt wählen müssen, gegenüber. «Trittbrettfahrer» nennt man sie bei Argomed.

Im Aargau sind derzeit zwischen 25 und 30 Prozent der Bevölkerung in echten Managed-Care-Modellen versichert, das (Spar-)Potenzial ist also noch gross. Und die Bereitschaft, es auszuschöpfen, ist weiterhin im Wachsen begriffen.

Die eidgenössische Vorlage, die Managed Care zum Standard machen wollte, wurde im Juni 2012 zwar mit 76 Prozent Neinstimmen vernichtend abgelehnt, aber das hat die Entwicklung nicht gebremst.

Bei Argomed, der grössten ärztlichen Managed-Care-Organisation der Schweiz, rechnet man kurz vor Torschluss für den Krankenkassen- bzw. Versicherungswechsel Ende Woche für das nächste Jahr jedenfalls mit einem stolzen Wachstum von 18 Prozent.

Ärztemangel Modell Doktor-Zentrum soll Schule machen

Der Trend zu prämiensparenden Hausarztmodellen in der Krankenversicherung ist das eine, der drohende Mangel an Hausärzten das andere. Ein Drittel der heute praktizierenden Hausärzte erreicht in den nächsten fünf Jahren das Pensionsalter, und meistens ist kein Praxisnachfolger in Sicht.
Eine Umfrage unter den über 700 Ärzten in den Argomed-Netzen ergab: Von einem Versorgungsnotstand kann (noch) nicht gesprochen werden, aber die Situation spitzt sich zu. Erst 16 Prozent der Ärzte haben einen formellen Aufnahmestopp für neue Patienten deklariert, aber nur noch 32 Prozent kennen gar keine Einschränkung.
Die Zukunft sieht man in Aufbau von Gruppenpraxen nach dem Modell des Doktor-Zentrums Behmen in Aarau, an der Argomed selber massgeblich beteiligt ist: Ältere, lokal verankerte Hausärzte gründen gemeinsam mit jungen Hausärzten (es werden immer mehr Ärztinnen sein) eine Gruppenpraxis. So sollen junge Mediziner zur selbstständigen Praxistätigkeit motiviert werden und vor der Pensionierung stehende Hausärzte ihren Patienten einen begleiteten Übergang zu einem Nachfolger ermöglichen können. (mou)