Bauboom

«Eine Mietwohnung kann man heute kaum vermarkten, wenn sie nicht Waschmaschine und Tumbler hat»

Adrian Ackermann im Interview über den Bauboom.

Adrian Ackermann im Interview über den Bauboom.

Adrian Ackermann war während zwölf Jahren der höchste Immobilienmakler des Kantons Aargau . Im Interview spricht er über den Bau-Boom, alte Singles und eine Jugendsünde.

Um rund 100'000 Menschen ist die Bevölkerung des Kantons Aargau seit 2007 gewachsen. Damals wurde Adrian Ackermann Präsident des kantonalen Ablegers des Schweizerischen Verbands der Immobilienwirtschaft (SVIT). Ende September übergab er das Amt an David Zumsteg. Jetzt blickt er zurück auf die Boom-Jahre.

Wie hat sich die Branche während Ihrer Amtszeit verändert?

Sie ist professioneller geworden. Die Branche boomte und die Zahl der Marktteilnehmer stieg. Es gab etliche Quereinsteiger, alle wollten sich ein Stück des wachsenden Kuchens unter den Nagel reissen. Da mussten wir vom Verband aus Gegensteuer geben.

Was heisst das?

Wir haben eine eigene Schule gegründet, die Swiss Real Estate School. Es war zentral, dass die Leute besser ausgebildet sind. Sei es als Makler, als Bewertungsexperte oder Facility Manager. Heute verkaufen nicht mehr so viele Quereinsteiger Immobilien auf gut Glück. Das Geschäft ist seriöser und erfolgreicher geworden.

Die Leerstände wachsen, die Mieten sinken vielerorts –also ist der Boom vorbei?

Nein, von mir aus gesehen nicht. Wenn man durch den Kanton fährt, sieht man, dass immer noch viel gebaut wird. Zudem ist vieles noch in der Pipeline, es wird geplant und entwickelt. Das wird auch in den nächsten Jahren weitergehen.

Wo läuft denn das Immobilien-Geschäft besonders gut?

Entlang der grossen Verkehrsachsen, wo die Infrastruktur passt. In Baden, auf dem Mutschellen, in Aarau und Lenzburg, im Freiamt oder auch im unteren Fricktal. Da passt vielerorts die Anbindung an den öffentlichen Verkehr, die Nähe zu Einkaufsmöglichkeiten ist gegeben, die Qualität der Schulen stimmt. Deutlich schwieriger ist es hingegen in der Peripherie. Das Paradebeispiel bleibt die Überbauung Neugrüen in Mellingen, wo noch heute, sechs Jahre nach Fertigstellung, Wohnungen leerstehen.

Sind diese hohen Leerstände kein Problem?

Naja, man braucht mehr Zeit, um die Wohnungen zu vermarkten. Das kann für Private ein Problem sein. Institutionelle Investoren wie Versicherungen oder Pensionskassen lassen sich nicht davon abhalten, weil die Rendite von Immobilien immer noch besser ist als jene anderer Anlagen.

Was sind die Folgen?

Im Aargau stellt man zwar kaum sinkende Mieten fest, aber die Ansprüche sind bei gleichen Preisen gestiegen. Eine Mietwohnung kann man heute kaum vermarkten, wenn sie nicht Waschmaschine und Tumbler hat. Da kommen ältere Liegenschaften mit gemeinsamer Waschküche im Keller unter Druck.

Welche Trends machen Sie sonst noch aus?

Bauland ist rar, seit der Revision des Raumplanungsgesetzes gilt das noch mehr. Verdichtetes Bauen stösst im Aargau oft auf Widerstand, aber das kann sich ändern. Im Trend sind gesunde Häuser , Minergie ist heute eigentlich bei jedem Neubau Pflicht. Holzkonstruktionen sind im Hoch, selbst bei Mehrfamilienhäusern. Und natürlich kleinere Wohnungen.

Wegen der vielen Singles?

Ja, aber nicht nur junge. Auch alte Menschen wollen möglichst lange in ihren eigenen vier Wänden wohnen und nicht in Altersheim gehen. Altersresidenzen sind für viele eine Preis-frage, aber mit Spitex oder Pro Senectute ist es auch anders möglich, lange daheim zu wohnen. Ein mehrstöckiges Haus ohne Lift wird auch deswegen kaum mehr gebaut.

Sie sind über 20 Jahre im Immobiliengeschäft. Was war in dieser Zeit Ihre beste Entscheidung?

Dass ich mich damals selbstständig gemacht habe. Wohnen gehört zu den Grundbedürfnissen, die Nachfrage wird immer da sein. Und das Immobiliengeschäft ist sehr divers, man analysiert, bewertet, aber man hat auch immer mit Menschen zu tun und zwar mit sehr unterschiedlichen. Ich kann noch heute sagen, dass ich jeden Tag gern zur Arbeit gehe.

Und Ihr grösster Fehler?

(Lacht) Als junger Immobilienbewirtschafter habe ich vor bald 30 Jahren das Ruderboot eines Mieters einfach entsorgt. Er hatte es auf einem Parkplatz in der Tiefgarage deponiert, was erlaubt war. Ich bin nicht mal sicher, ob wir ihn damals abgemahnt haben, was zwingend notwendig gewesen wäre. Das gab einen Rüffel vom Chef. Aber da der Mieter sowieso Mietzinsausstände hatte, ging das Ganze einigermassen glimpflich aus.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1