Im Fotoatelier des Kölliker Fotografen Ruedi Hunziker lassen 13 krebsbetroffene Jugendliche ihre Ferienwoche vom vergangenen Herbst in Tschamutt Revue passieren. «Weisst du noch, als wir in Bonaduz zusammen mit dem Rennfahrer Fredy Barth die Kartbahn unsicher machten und dabei oft, mit dem Verschieben der Streckenbegrenzungen, den Verlauf der Rennstrecke abgeändert haben?» – «Oder damals, als wir das Häkeln entdeckten?» Es wird herzhaft gelacht.

«Ach ja, der Boxer-Workshop war auch cool.» So und ähnlich klingt es am Sonntagnachmittag im zur Festwirtschaft umgebauten Fotostudio von Ruedi Hunziker. Alle diese Erinnerungen und viele mehr hat Hunziker in 696 Bildern festgehalten, die er bei Kaffee, Kuchen und kalten Getränken zeigt.

«Seit gut 20 Jahren begleite ich krebsbetroffene Kinder und Jugendliche. Die von der Kinderkrebshilfe der Schweiz organisierte Ferienwoche ist eine Herzensangelegenheit für mich», sagt Hunziker. Angefangen hat es vor 20 Jahren, als er das erste Mal in einem Lager für krebsbetroffene Jugendliche in Engelberg einen Fotokurs leitete.

Das habe ihn so begeistert, dass er hängengeblieben sei und sich seither immer wieder als Betreuer fürs Lager zur Verfügung gestellt habe. Die Kamera ist denn auch in jedem Lager dabei und die Jugendlichen hätten sich daran längst gewöhnt. Das Vertrauensverhältnis sei gross. «Am Schluss des Fototreffs erhält jeder Jugendliche einen Stick, auf welchem alle Fotos gespeichert sind», sagt Ruedi Hunziker.

Er hat in all diesen Jahren auch immer wieder als Fotograf die grösste Wunscherfüllung schwerkranker Kinder begleitet und dokumentiert, organisiert und realisiert von der Kinderhilfe Sternschnuppe.

Lockere Stimmung

Ob als Kind oder Erwachsener spielt keine Rolle: Die Diagnose Krebs ist ein Schock. Damit umgehen zu können, ist eine schwierige Angelegenheit. Séverine Jucker, Qëndresa Sadriu und Marion Marti – diese drei jungen Frauen wurden schon früh im Leben mit der Diagnose Krebs konfrontiert.

Offen und ohne Tabu sprechen sie über die schwere Zeit. Qëndresa Sadriu bekam den niederschmetternden Bericht als Zweieinhalbjährige. Sie sagt: «Heute ist es ein Teil von mir, ich kann mir gar nicht vorstellen, wie es gewesen wäre, wenn ich die Diagnose nicht bekommen hätte.» Marion Marti ihrerseits machte die Erfahrung, dass es für ein Gegenüber gar das grössere Problem ist, über den Krebs zu sprechen. «Oftmals war eine Unterhaltung schon beendet, wenn ich nur angetönt hatte, dass ich krank bin», sagt sie. Und Séverine Jucker ergänzt: «Für die betroffenen Menschen ist es wichtig, dass jemand da ist. Nicht unbedingt die medizinischen Fragen stehen im Vordergrund. Es ist viel wichtiger, die Nähe eines andern zu spüren und dabei zu wissen, dass man im selben Boot sitzt.»

Die in Zofingen lebende Birgitta Setz, Geschäftsleiterin der Kinderkrebshilfe Schweiz in Olten, sagt: «Bei uns bekamen Séverine, Qëndresa und Marion eine Grundausbildung im Mentoring. Sie alle sind heute in der Lage, betroffenen Kindern und Jugendlichen beizustehen, sie in harten Stunden zu unterstützen und sie auf ihrem schweren Weg aufmunternd oder tröstend zu begleiten.» Die Einsätze werden vom Verein ausgegeben und koordiniert.

Zurück nach Kölliken – hier hat mittlerweile Hunzikers Kaffeemaschine schlapp gemacht. Aber auch dies kann die lockere Stimmung nicht trüben.