Wintersaison

Eine gute Saison für die Aargauer Skilifte

Von Hügel zu Hügel sind die Schneeverhältnisse im Aargau jeweils anders. Doch über die Jahrzehnte gesehen, spiegelt die Region das globale Klima. Dennoch: Skiliftbetreiber sind zufrieden mit dem diesjhrigen Wetter.

Es wird noch einmal kühl. Auf dem Horben sagt Skiliftbetreiber Alois Waser: «Es ist noch alles möglich.» Möglich also, dass die Skisaison in eine Zusatzrunde geht. So wie im Winter 05/06, als die Skilifte zuerst gar nicht, aber dann ab 5. März acht Tage lang auf vollen Touren liefen. In Villigen hatte man die Bügel schon wieder abgeschraubt, als unerwartet ein halber Meter Neuschnee fiel.

So oder so: Dieser Winter war ein aussergewöhnlich weisser im Aargau. Das sagt Dieter Bösch vom Skilift Engi in Holderbank. Gar «ein Rekordjahr» meldet Roger Meier vom Skilift in Villigen: 19 Tage lang zog der Ponylift Schlitten, kleine Skifahrer und wackelige Snowboarder den Rotberg hoch. Das ist auch verglichen mit den anderen vier Skiliften im Kanton ein Rekord.

Einmal fast vor dem Aus

Noch in den 80er- und 90er-Jahren standen die Skilifte im Aargau vor dem Aus –  im Durchschnitt konnte man bloss jedes zweite Jahr im Mittelland ein paar Tage Ski fahren. Dies zeigt die Statistik des Skilifts Holderbank. Im Jahrzehnt 1991/92 bis 2000/01 lief der Lift total nur an 34 Tagen. «In den 80ern und 90ern brauchten wir einen langen Atem, um weiterhin an einen Skibetrieb zu glauben», sagt Skiliftbesitzer Dieter Bösch. Auf dem Horben stellte Alois Waser den Lift zehn Jahre lang vergebens auf.

Im Jahrzehnt 2001/02 bis 2010/11 hingegen lief der Skilift insgesamt an 93 Tagen. Auch Roger Meier in Villigen bestätigt: «In den vergangenen Jahren hatten wir wieder mehr offen.» Von Jahr zu Jahr sind die regionalen Unterschiede allerdings gross. In Bottenwil war heuer der Boden noch zu feucht, als Schnee fiel – deshalb gabs nur 6 Betriebstage.

Über die Jahrzehnte gesehen spiegelt der kleine Skilift Holderbank dennoch das weltweite Klima: Seit fünfzehn Jahren sei die Erderwärmung fast zum Stillstand gekommen, berichtete «Das Magazin» in der vorletzten Ausgabe. Die letzten Jahre gehörten zwar immer noch zu den wärmsten je gemessenen, aber die Globaltemperatur sei kaum mehr gestiegen. Eine zeitweilige Stagnation in der Klimaerwärmung ist allerdings nichts Aussergewöhnliches.

Der letzte wirklich schneereiche Winter ist 22 Jahre her

Die Zeit wie 1971/72 bis 1980/81, wo der Lift während eines Jahrzehntes 154 Tage lang lief, ist laut allen Klimaprognosen dennoch vorbei. Und so stellt sich für die Skiliftbetreiber trotz relativ schneereicher Jahre immer wieder die Frage: Machen wir weiter? «Ich habe zu viel Freude am Skilift, als dass ich aufgeben wollte», sagt Alois Waser vom Horben. Er schiebt seine Skifahrer eigenhändig an, damit der Lift sie nicht ruckartig mitreisst. Die Sportler danken es ihm mit begeisterten Einträgen auf seiner Internetseite.

Dieter Bösch hat den Skilift in Holderbank diese Saison von seinem Vater übernommen. «Es gibt uns immer noch», sagt er. Die Betriebsbewilligung hat er auf weitere fünf Jahre verlängern lassen. Denn auch die kleinsten «Händschefrässer»-Lifte müssen vom Kanton bewilligt sein und eine Haftpflichtversicherung abschliessen. Früher war dafür sogar die Abteilung «Seilbahnen» des Bundesamtes für Verkehr zuständig. Damals betrug eine Versicherungsprämie rund 800 Franken –  heute noch knapp die Hälfte.

So sei der Betrieb natürlich einfacher, sagt René Arnet vom Skilift Asp. «Wenn wir den Lift pro Winter einen Tag lang laufen lassen können, sind diese Kosten schon gedeckt», sagt Arnet. «Und mit 14 Tagen Betrieb dieses Jahr stehen wir gut da.»

Zugute kommt den Skiliftbetreibern ausserdem, dass die Lifte – obwohl teilweise über 40-jährig –  fast unzerstörbar sind. Ab und zu müssen mal das Seil oder die Plastikbügel ersetzt werden. «Eine einfache Sache», findet Ruedi Zingg vom Skilift Bottenwil. Und die Helfer arbeiten meist freiwillig. Vier bis fünf Leute braucht Zingg (inklusive Skihütte). Da die Gemeinde den Verein mit 1200 Franken unterstützt, kann man sich auch einen Occasionsschneetöff leisten –  bis im Jahr 2001 mussten die Kinder mit ihren Ski «bretteln» ehe sie den Hügel befahren konnten. In Holderbank bringt Dieter Bösch heute die Leute für die kurze Saison per SMS auf die Piste.

Meistgesehen

Artboard 1