Nach langer Suche ging es nun plötzlich schnell: Am späten Dienstagnachmittag unterzeichnete Kurt Husistein den Verkaufsvertrag, am Tag darauf informierte er seine Mitarbeiter.

Fast fünf Jahre beschäftigte sich der Geschäftsführer der Eichenberger Gewinde AG mit der Frage, wer sein Unternehmen dereinst übernehmen soll. Nun steht fest: Die Festo AG mit Sitz im deutschen Esslingen kauft das Unternehmen mit Sitz in Burg.

Die Firma Eichenberger ist spezialisiert auf Gewindetriebe, die etwa bei Spitalbetten, Operationstischen, Laboranalysegeräten, Seilbahnen oder Autokupplungen zum Einsatz kommen.

Lukrativere Angebote abgelehnt

«Die Übernahme», betont Husistein, «erfolgt nicht, weil wir aus dem letzten Loch pfeifen.» Dem Unternehmen gehe es trotz starkem Franken gut. Die Suche nach einem passenden Käufer zog sich denn auch nicht aus Mangel an Angeboten in die Länge.

Erst letzte Woche habe er einem Unternehmen aus den USA eine Absage erteilt, sagt Kurt Husistein. Vor allem amerikanische Firmen hätten sich für einen Kauf interessiert.

Doch sie konnten Husisteins Anforderungen nicht erfüllen. Einerseits wollte er an keinen Finanzinvestor verkaufen, der die Rendite über alles stellt, andererseits nicht an einen Konkurrenten – «obwohl das am lukrativsten gewesen wäre». Der Verkaufspreis bleibt geheim; beide Seiten wollen sich nicht dazu äussern.

Die 130 Mitarbeitenden können ihre Jobs behalten – die zentrale Bedingung, die Husistein dem neuen Besitzer gestellt hat. «Der Standort in Burg muss erhalten bleiben. Wir sind mit Abstand der grösste Arbeitgeber der Gemeinde.»

Anfang April wird Hansruedi Hager, Geschäftsleitungsmitglied der Festo Schweiz, die Geschäftsführung von Kurt Husistein übernehmen. Am Tag nach der Vertragsunterzeichnung sitzen der neue und der alte Geschäftsführer gemeinsam im Sitzungszimmer des Burger Firmensitzes und sprechen von einem «Glücksfall».

«Wir haben unseren Wunschkandidaten gefunden», sagt Husistein. Beide finden lobende Worte für die langjährige Zusammenarbeit zwischen den Unternehmen. Festo ist zweitgrösster Kunde der Eichenberger Gewinde AG.

«Nun können wir die Teile, die wir benötigen, selbst weiterentwickeln und herstellen», sagt Hansruedi Hager. Sein Ziel: In Burg ein Kompetenzzentrum – neben Biel das zweite in der Schweiz – für Gewindetriebe aufbauen.

«Der Firma selber bieten sich zudem interessante Wachstumsmöglichkeiten. Weitere Investitionen in den Produktionsstandort Burg sind bereits geplant», heisst es in der Medienmitteilung. Kurt Husistein hofft, dass in der Wynentaler Gemeinde längerfristig zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen werden.

«100 Prozent Swiss made»

Das 1953 gegründete Unternehmen hat trotz wirtschaftlich schwierigen Zeiten immer am Produktionsstandort Schweiz festgehalten. «100 Prozent Swiss made», verspricht die Website.

Der neue Geschäftsführer will dies vorläufig weiterführen: «Wir halten an den Schweizer Werten fest. Die Firma ist damit erfolgreich, es gibt keinen Grund, daran etwas zu ändern.»

Produktion und Entwicklung sollen in Burg bleiben. Daran zweifelt auch Kurt Husistein nicht: «Festo kennt die Schweizer Verhältnisse und baut hierzulande Arbeitsplätze auf. Das gibt uns Vertrauen.»

Der Chef setzt sich nicht zur Ruhe

Seinen Schweizer Sitz hat das weltweit tätige Unternehmen kürzlich vom Kanton Zürich in den Aargau nach Lupfig verlegt. Das Familienunternehmen produziert unter anderem Produkte für die Industrieautomation.

Die Festo-Gruppe beschäftigt in über 250 Niederlassungen und 61 Ländern weltweit 17 800 Mitarbeitende. 2014 erwirtschaftete sie einen Umsatz von 2,45 Milliarden Euro. Obwohl die übernommene Eichenberger AG deutlich kleiner ist, soll sich an deren Logo und Namen vorläufig nichts ändern.

Hager: «Die Marke ist stark und über die Schweiz hinaus bekannt.» Die in Burg hergestellten Produkte werden bereits jetzt weltweit verkauft. Seinen Beitrag dazu wird Kurt Husistein auch nach der Übernahme leisten.

Der 63-Jährige setzt sich nicht zur Ruhe, sondern steht seinem Nachfolger als Stellvertreter zur Seite und hilft ihm dabei, die beiden Unternehmen zusammenzuführen. Wie lange, lässt er offen. «Müdigkeit verspüre ich nicht. In zwei, drei Jahren werde ich aber sicher nicht mehr 120 Prozent arbeiten.»