17 Logos sind an die Wand projiziert. Davor sitzen sieben Vertreter des Nein-Komitees und erklären an der Medienkonferenz im Aarauer Naturama, warum sich ihre Organisationen gegen das Sparpaket einsetzen: Lehrerverband, Gewerkschaften, WWF, VCS, Grüne, SP, Kunstvertreter – sie alle haben sich im Komitee «Nein zum Kahlschlag im Aargau» zusammengeschlossen und werben nun für ein Nein in der Abstimmung vom 8. März.

Rund 190 Sparmassnahmen in der Höhe von über 120 Millionen Franken haben Grosser Rat und Regierung beschlossen. Dagegen wurde das Referendum ergriffen. Weil dies nur bei Verfassungs- und Gesetzesänderungen möglich ist, der grösste Teil aber auf Dekretsebene geregelt ist, kann das Stimmvolk lediglich über 15 Massnahmen entscheiden – Sparpotenzial: 17 Millionen Franken.Trotzdem kündigen die Gegner eine «ernsthafte Kampagne» an – mit Standaktionen, Plakaten, Flyer-Versand. Der Abstimmungskampf lohne sich, auch wenn nur über einen kleinen Teil des Sparpakets entschieden werden könne, sagt Kurt Emmenegger, Präsident des Aargauischen Gewerkschaftsbundes. «Ein Nein wäre ein starkes Zeichen, dass diese verheerende Politik von der Bevölkerung nicht akzeptiert wird.» Auch die Ausgangslage für künftige Entscheide im Parlament würde sich ändern, sagt Emmenegger. «Im Herbst kommt schon die nächste Sparwelle.»

Folgen für Natur und Bildung

WWF-Aargau-Geschäftsführerin Tonja Zürcher sagt: «Es mögen zwar nur
10 Prozent sein, aber es sind 10 Prozent von extrem viel.» Falle dieses Geld weg, habe das schwerwiegende Folgen – «auch für die Natur». Sie kritisiert insbesondere die Kürzungen der Gelder für Naturschutz im Wald, für Gewässer und Energiewende. «Der einstige Vorbildkanton Aargau fällt hinter die gesetzlichen Vorgaben zurück», sagt Zürcher. «Dass der Kanton bei der Umwelt spart, hingegen die prall gefüllte Strassenkasse nicht antastet, ist nicht akzeptabel.»

Im Nein-Komitee vertreten ist auch der Aargauische Lehrerverband (alv). Geschäftsführer Manfred Dubach spricht von einer «ruinösen Sparpolitik». Heute zeige sich nun, wie falsch die Steuersenkungen der letzten Jahre gewesen seien. «Kurz darauf musste bereits ein Sparpaket beschlossen werden.» Steuern senken, sparen, Steuern senken, sparen – «entscheidend ist, diesen Zyklus mit einem Nein zu unterbrechen».

Verunsicherte Künstler

Für ein Nein setzen sich auch Aargauer Künstler ein. «Kulturschaffende sind sehr verunsichert», sagt Jürg Fritzsche, Präsident des Berufsverbands visuelle Kunst Visarte. Der Aargau definiere sich als Kulturkanton. «Doch diese Selbstdarstellung entpuppt sich immer mehr als Trugbild.» Verglichen mit anderen Kantonen schneidet der Aargau bei den Pro-Kopf-Ausgaben für Kultur schlecht ab: 2011 sei es Platz 18 gewesen – «sogar der Kanton Solothurn leistet sich mehr für Kultur».